Heizung für kühles Gas aus der Ostsee-Pipeline

Technik | Wärme

KWK - E.on und Wingas haben in Lubmin eine Gasturbinenanlage in Betrieb genommen. Die dort erzeugte Wärme bringt am Anlandepunkt der Nord Stream das Erdgas wieder auf Temperatur.

05. November 2013

Dicht am Hafengelände des Gewerbegebietes von Lubmin landet die Offshore-Pipeline der Nord Stream an, vom Greifswalder Bodden kommend. Das Erdgas wird im 1.224km entfernten Wyborg auf die Reise geschickt. Wenn es die Anlandestation erreicht, reinigen Anlagen es erst mit speziellen Filtern von möglichen Fremdstoffen. Dann wird es auf Temperatur gebracht, um eine Kondensation zu vermeiden.

»Bei der Ankunft in Lubmin ist das Erdgas nach dem langen Weg durch die Ostseepipeline abgekühlt. Zudem muss der Druck des Erdgases vor dem Weitertransport in den Onshore-Pipelines OPAL und NEL reduziert werden, wodurch sich das Erdgas zusätzlich abkühlt. Vor dem Weitertransport muss das Erdgas daher vorgewärmt werden« erläutert Ralf Diez von Wingas.

Das Kasseler Unternehmen und E.on haben am Standort dafür nun eine erdgasbetriebene Gasturbinenanlage mit KWK in Betrieb genommen. Betreiber ist die Industriekraftwerk Greifswald, ein Gemeinschaftsunternehmen von Wingas und E.on Energy Projects. Diez leitet das Projekt beim Erdgasversorger.

Die Anlage ist die erste, in der die Industriegasturbine SGT-750 zum Einsatz kommt, so Hersteller Siemens. Sie verfügt über eine Nutzwärmeleistung von rund 47MW sowie eine elektrische Leistung von rund 39MW. Jährlich kann sie bis zu 200.000MWh Strom produzieren. Durch die kombinierte Erzeugung von Strom und Wärme liegt die Gesamteffizienz bei rund 90%.

Schwankender Wärmebedarf

»Die Wärme verkaufen wir vollständig an die Betreiber des Nord-Stream-Anlandeterminals OGT zur Vorwärmung des angelandeten Gases aus der Ostseepipeline Nord Stream«, so Diez weiter »Der Strom wird in das öffentliche Stromnetz der E.dis AG eingespeist.«

Der Wärmebedarf für die Vorwärmung schwankt dabei, sodass bei der Optimierung des Gesamtsystems die optimierte Einbindung in den Wärmehaushalt des Anlandeterminals im Vordergrund steht, erläutert Diez. Das transportierte Erdgas muss vor dem Eingang in die Anlandestation und den notwendigen Ausgangsdrücken in die weiterführenden Pipelines mehr oder weniger hoch vorgeheizt werden. Und zwar abhängig von der transportierten Erdgasmenge, der Temperatur der Ostsee und des Erdreichs sowie dem am Anlandepunkt herrschenden Druck des Erdgases.

Der Wärmebedarf schwankt somit abhängig von den genannten Parametern. »Die KWK-Anlage schaltet sich ab, wenn der Wärmebedarf zu gering wird, vorrangig im Sommer. Dann wird der Wärmebedarf des Anlandeterminals allein von der vorhandenen Erdgaskesselanlage gedeckt.«

Flexibel für die Energiewende

Die erstmals eingesetzte Gasturbine ermöglicht es zudem, die Anlage innerhalb von zehn Minuten auf Volllast-Betrieb hochzufahren. Mit zunehmendem Anteil Erneuerbarer werden die Leistungsschwankungen regenerativer Stromquellen nur bedingt durch Grundlastkraftwerke ausgeregelt werden können. »Schnelle dezentral einspeisende Stromquellen wie unsere Anlage sind dann für das Stromnetz von besonderer Bedeutung«, ist sich Diez sicher.

»Mit dieser Anlage leisten wir nicht nur einen Beitrag zur effizienten dezentralen Stromerzeugung, sondern wir sorgen auch für den reibungslosen Transport von klimaschonendem Erdgas«, so Dr. Ingo Luge, Vorsitzender der Geschäftsführung von E.on Deutschland. »Die Anlage ist Teil unserer Strategie, die Erzeugung von Wärme und Strom mit Hilfe der bewährten und effizienten Technik der Kraft-Wärme-Kopplung weiter auszubauen.«

Erschienen in Ausgabe: 09/2013