Herausforderung angenommen

Markt

Kraft-Wärme-Kopplung - In Kempen setzt man auf den Ausbau eigener Kraftwerkskapazitäten. Vor allem ein modernisiertes HKW spielt die Rolle.

25. Januar 2012

Als mittelständisches Unternehmen haben sich die Stadtwerke Kempen in Nordrhein-Westfalen hohe Ziele gesetzt: Die Eigenversorgung soll noch weiter ausgebaut werden. 2011 betrug der Anteil der selbsterzeugten Energie 45%, im Laufe dieses Jahres sollen dann 65% des Kempener Gesamtbedarfs aus eigenständiger Erzeugung gedeckt werden.

Dabei ist der Wettbewerbsdruck gestiegen und es gilt sich gegen nationale Anbieter, Discount- und Öko-Energielieferanten sowie überregional agierende Stadtwerke-Unternehmen zu behaupten.

Die 100%-ige Tochtergesellschaft der 35.000 Einwohner zählenden Stadt Kempen setzt auf Eigenständigkeit. Schon seit Jahren agiert das Unternehmen technisch und wirtschaftlich selbstständig.

Den Kunden aus Industrie und Wirtschaft sowie allen angeschlossenen Privathaushalten wird eine kostengünstige Energieversorgung zugesichert. Wie ist das zu schaffen?

»Die Angebotsvielfalt auf dem Energiemarkt stellt auch uns als lokalen, unabhängigen Versorger vor große Herausforderungen«, erklärt Siegfried Ferling, Geschäftsführer der Stadtwerke Kempen. Große Konzerne haben die Monopolstellung im Bereich der Energieerzeugung eingenommen. Politische Vorgaben nehmen Einfluss auf das operative Geschäft, Finanzmärkte und Börsen bestimmen die Rohstoffpreise.

KWK stetig optimiert

Frühzeitig konnten die Stadtwerke 1964 durch den Bau eines Heizkraftwerkes mit einem umfangreichen Fernwärmenetz den Grundstein für eine zukunftsfähige Energieversorgung legen. Das kohlebetriebene Heizkraftwerk wurde 2010 zu einer modernen Kraft-Wärme-Kopplungsanlage umgebaut, dessen Wirkungsgrad bis heute kontinuierlich optimiert wird. Hierbei wird auf den Einsatz einer ORC-Anlage gesetzt. Die Abwärme, die in dem Blockheizkraftwerk erzeugt wird, wird in den ORC-Kreislauf transportiert.

Beim Organic Rankine Cycle-Prinzip werden Dampfturbinen mit anderen Arbeitsmitteln angetrieben als mit Wasserdampf. Durch organische Flüssigkeiten mit einer niedrigen Verdampfungstemperatur kommt es zu einer effizienteren Stromerzeugung. In der ORC-Anlage in Kempen wird dafür Silikonöl eingesetzt.

Der Wartungsaufwand bei ORC-Anlagen ist gering und die Haltbarkeit hoch, da es sich um ein einfaches und geschlossenes System handelt. Durch den Betrieb der zusätzlichen Turbine mit 500kW und die bessere Auslastung des bestehenden BHKW wurde der Wirkungsgrad optimiert und die Stromproduktion erhöht. Pro Jahr werden so circa 17.700MWh mehr Strom gewonnen. Zudem konnte die CO2-Emissionen um 1.100t/a reduziert werden. Aus diesen Gründen wurde der Bau der Anlage 2010 auch vom Bundesumweltministerium gefördert.

In den vergangenen Jahren galt es vor allem durch technisch intelligente Lösungen eine Verbesserung des Wirkungsgrades und somit eine optimale Auslastung voranzutreiben.

Nur mit den Bürgern

Die wirtschaftlichen Anforderungen mussten mit den technischen Möglichkeiten auf einen Nenner gebracht werden. Natürlich kann die lokale Unabhängigkeit nur dann funktionieren, wenn die Gemeinde und die Mehrheit der Bürger hinter dem Vorhaben stehen.

»Die Politik der Stadt Kempen hat dabei dem ursprünglichen Eigenbetrieb und der heutigen GmbH schon immer den Rücken gestärkt«, so Siegfried Ferling. »Dabei sind die ständige Beobachtung der technischen Möglichkeiten, ein kundenorientierter Vertrieb und ein starkes politisches Rückgrat die Voraussetzung.«

Ein Stadtwerk, das die Eigenversorgung vorantreiben will, muss einen guten Mitarbeiterstamm haben, kommunal verwurzelt sein und glaubwürdig auftreten. Um nicht in eine Abhängigkeit zu geraten, ist es von Bedeutung, jederzeit die operativen Prozesse im eigenen Haus zu beherrschen. Wenn ein Stadtwerk regelmäßig in die Infrastruktur investiert und bei allen Überlegungen den Kunden an erste Stelle stellt, ist es möglich, die Eigenständigkeit weiter auszubauen.

Ein weiterer, wichtiger Schritt ist der Ausbau regenerativer Energien, dies jedoch immer unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Betriebsweise.Seit Beginn des Jahres 2012 wird den ökologisch orientierten Kunden zugekaufter Strom angeboten, der zu 100% aus Wasserkraft gewonnen wird.

Mit dem Produkt ›KempenNATUR‹ wird der Ausbau von regenerativen Energien in Kempen weiter gefördert und unterstützt. Dies betrifft Photovoltaikanlagen und den Bereich Windkraft, der zusätzlich in Kempen besetzt werden soll.

Die Liberalisierung der Energiemärkte macht es erforderlich, die positiven Leistungen der Stadtwerke für die Bürgerinnen und Bürger herauszustellen und damit die Verwurzelung der Stadtwerke Kempen in der Bevölkerung zu festigen und zu erhalten.

Kommunikation gefragt

Deshalb sind auch entsprechende kommunikative Maßnahmen ein weiterer Punkt, um das Profil der Stadtwerke Kempen richtig hervorzuheben. »Marketing und Kommunikation erfüllen hierbei keinen Selbstzweck«, berichtet Siegfried Ferling, »durch unsere Werbekampagne ›Unabhängig aus Prinzip‹ stellen wir nur das in den Vordergrund, was die Stadtwerke Kempen schon seit ihrer Gründung leben.«

Das Prinzip der Unabhängigkeit des lokalen Energieerzeugers wurde von der Agentur Kaiserberg Kommunikation im Rahmen einer Imagekampagne zu dem offiziellen Motto des Unternehmens erhoben. »Die kommunikative Begleitung eines solchen Projektes verlangt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Markt sowie eine klare Positionierung«, so Klaus Arens, Geschäftsführer Beratung Kaiserberg Kommunikation.

Im Rahmen einer Pressekonferenz erfolgte die ›Unabhängigkeitserklärung‹ der Stadtwerke, die sich neben dem weiteren Ausbau der KWK auch um die Verdichtung der Fernwärme- und Gasanschlüsse und somit der Substitution anderer Energiearten bemühen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2012