Herausforderung Unbundling

Manfred Hülsmann, rhenag: Stadtwerke müssen sich positionieren

Was Unbundling für Verteilunternehmen bedeutet und wie diese dem Druck durch die EU-Richtlinien Strom und Gas begegnen können, erklärt Manfred Hülsmann, Vorstand der rhenag - Rheinische Energie Aktiengesellschaft, Köln, den Lesern von Energie Spektrum in einem exklusiven Statement. Sein Credo: Mit einem starken Partner lassen sich die Klippen leichter umschiffen.

30. Dezember 2004

Seit Inkrafttreten der EU-Richtlinien Strom und Gas im Juni 2003 steht fest: Unbundling, also die Entflechtung des Netzbetriebs von den Geschäftsbereichen Vertrieb und Erzeugung, wird die bis dato tiefgreifendsten Eingriffe in die Strukturen und Prozessabläufe der deutschen Energiewirtschaft bringen.

Schon die ersten beiden Unbundling-Stufen - das rechnerische sowie das informatorische Unbundling - treffen alle Energieversorger. Sie verpflichten diese dazu, sicherzustellen, dass der Vertrieb keine aufschlussreichen Informationen über spezielle Kundendaten eines Wettbewerbers erhält, der durch das Netz des ortsansässigen Energieversorgungsunternehmens durchleitet. Für den Bereich IT bedeutet dies beispielsweise, dass ein Energiedatenmanagement ganz neuer Qualität eingeführt werden muss.

Mit der Intensivierung der Entflechtungsverpflichtungen im Rahmen des organisatorischen und rechtlichen Unbundlings werden die anstehenden Fragen der kommunalen Verteilernetzbetreiber diffiziler. Solche Fragen sind: Wie sieht die neue Unternehmensstruktur aus? Wird eine Netzgesellschaft ausgegründet oder empfiehlt sich eine vollständige Trennung der Bereiche, indem eigene Töchter für Erzeugung, Netz und Vertrieb gegründet werden?

Auf der Ebene der Prozesse ist zu klären, welche Tätigkeiten bei der Netzgesellschaft und welche bei den anderen Bereichsgesellschaften oder der gemeinsamen Verwaltung des integrierten Unternehmens angesiedelt sind. Konkret: Wem sind welche Bestimmungen des Konzessionsvertrages (zum Beispiel Wegenutzungsrecht oder Versorgungspflicht) zuzuordnen? Wer legt künftig den Hausanschluss? Wer liest die Zähler ab? Wer ist für den Kundendienst zuständig?

Aufgrund des Zeitdrucks sollten auch kommunale Verteiler den Umbau der Prozesse und - wo gefordert - auch der Strukturen zeitig in Angriff nehmen. Wir von der rhenag haben dazu entsprechende Konzepte etabliert und in unserem eigenen Versorgungsgeschäft in Kürze umgesetzt. Das Know-how stellen wir auch Dritten zur Verfügung. Die Prozessunterstützung haben wir ganzheitlich angelegt. Sie beinhaltet zunächst einmal eine individuelle Managementberatung, in der es um die generelle Zielsetzung geht, wie sich das Stadtwerk beim Unbundling positionieren möchte. Die Frage ist hierbei, ob es den minimalistischen Weg geht oder das Unbundling offensiv angehen möchte. Weiterhin erstreckt sich die Prozessunterstützung auf die Prüfung der konkreten Verpflichtung des einzelnen Energieversorgers. Dies geschieht vor allem durch Überprüfen der Gesellschafterverträge. Außerdem erarbeiten wir mit den kommunalen Verteilern konkrete Umsetzungsmodelle der gesellschaftsrechtlichen Entflechtung inklusive der Klärung der personalrechtlichen und steuerlichen Konsequenzen. Optionen sind die Gründung einer Netzgesellschaft als kleine Lösung oder die Auftrennung des Unternehmens in Holding/Zentralbereich und Bereichsgesellschaften für Netz, Vertrieb und Abrechnung als große Lösung.

Außerdem können die Stadtwerke gemeinsam mit uns detaillierte Einzelkonzepte erstellen, die auf die jeweiligen Energieversorger zugeschnitten sind. In diesen Konzepten leistet rhenag direkten Support, zum Beispiel bei der Erarbeitung von Kontenplänen und neuen Buchungsrichtlinien oder beim Regeln der Rechtsbeziehungen zwischen Netzgesellschaft und dem Rest des Versorgungsunternehmens. Zudem können wir mit dem hochintegrierten Informations- und Abrechnungssystem LIMA eine eingespielte Softwarelösungen für das Energiedatenmanagement und die Energieabrechnung anbieten.

Partnerschaft als Kostenbremse

Ohne einen starken Partner laufen die Unternehmen, denen die nötigen Ressourcen zum schnellen Aufbau von Expertenwissen fehlen, um das Thema in seiner ganzen Breite und Tiefe abzudecken, Gefahr, zu hohe Anpassungskosten zu zahlen und unter großen Synergieverlusten zu leiden. Ihnen stellt sich die rhenag gerne als Partner zur Verfügung.