Hessen bringt Wasserstoff auf die Schiene

Ab Ende 2022 könnten 26 Brennstoffzellen-Züge im Taunus-Netz unterwegs sein. Der hessische Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat entsprechende Pläne vorgestellt.

16. April 2018

"Der ÖPNV ist der Schlüssel, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen. Um den Nahverkehr für diese Aufgabe fit zu machen, müssen wir aber noch stärker auf Brennstoffzellen- und Batterietechnik setzen", so Professor Knut Ringat, Geschäftsführer des RMV.

"Der Einsatz von Brennstoffzellenzügen auf der Taunusstrecke ist deshalb für uns ein weiterer wichtiger Schritt zu einem umweltfreundlichen und leisen Nahverkehr, der unseren Fahrgästen noch mehr Platz und Komfort bietet."

Einsatzmöglichkeiten sieht das Unternehmen insbesondere auf den Regionalbahnlinien zwischen Bad Soden und Frankfurt-Höchst, zwischen Königstein und dem Frankfurter Hauptbahnhof, zwischen Brandoberndorf und Bad Homburg sowie zwischen Friedberg und Friedrichsdorf.

In Höchst auftanken

Tanken könnten die Züge im Industriepark Höchst, wo Wasserstoff als Koppelprodukt anfällt, teilt die Landesenergieagentur Hessen weiter mit. Ein entsprechendes Tankstellen-Konzept liege vor.

"Als innovativer Betreiber von Industrieparks optimieren wir kontinuierlich unsere Energieversorgungskonzepte und arbeiten daran, erneuerbare und umweltfreundliche Energiequellen möglichst intensiv zu nutzen", so Dr. Joachim Kreysing, Geschäftsführer von Infraserv Höchst.

"Daher ist auch die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie für uns ein interessantes Thema, denn der Industriepark Höchst ist hierfür aufgrund der bereits vorhandenen Wasserstoffinfrastruktur der optimale Standort."

Förderung beim NIP beantragt

RMV und Infraserv Höchst haben jeweils eine Förderskizze  zur Beschaffung der Brennstoffzellenzüge sowie zur Errichtung der erforderlichen Wasserstoff-Betankungsinfrastruktur beim Nationalen Innovationsprogramm für Wasserstoff und Brennstoffzellen-Technologie (NIP 2) eingereicht.

 

Das Land Hessen unterstützt das Vorhaben seit dem Jahr 2015 hinsichtlich des Aufbaus der erforderlichen Betankungsinfrastruktur. "Mit der Umsetzungsbegleitung für dieses Leuchtturmprojekt im Auftrag des Hessischen Wirtschafts- und Energieministeriums können wir einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende in Hessen leisten", sagt Dr. Karsten McGovern von der Hessischen Landesenergieagentur.

Sonderfahrt

Auf einer Sonderfahrt von Wiesbaden nach Frankfurt-Höchst konnten sich am 13. April rund 150 Fahrgäste einen Eindruck von der Technik des weltweit ersten brennstoffzellengetriebenen Regionalzuges, dem seriennahen Modell Coradia iLint von Zughersteller Alstom, verschaffen.

Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von der Hessischen Landesenergieagentur (LEA) sowie der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Initiative Hessen (H2BZ-Initiative Hessen). Mit an Bord waren neben Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir unter anderem die Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds, Professor Knut Ringat, sowie von Infraserv Höchst, Dr. Joachim Kreysing.

"Der Verkehr trägt ein Drittel zu den hessischen Treibhausgasemissionen bei. Deshalb müssen wir jetzt zügig den Weg in eine klimafreundliche Mobilität einschlagen – auch auf der Schiene, wo viele Nebenstrecken mangels Oberleitung noch mit Dieselfahrzeugen betrieben werden. Der Brennstoffzellen-Antrieb ist eine interessante Alternative zur kostspieligen Elektrifizierung", sagte Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung.

Der Coradia iLint ist neben der Brennstoffzelle zusätzlich mit einer Batterie ausgestattet, um die an Bord erzeugte elektrische Energie zwischenspeichern und Bremsenergie rückgewinnen zu können, so die LEA. Mit einer Tankfüllung Wasserstoff könne der Zug bis zu 1.000 Kilometer zurücklegen und erreiche eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h.

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