»Hilfreich sind vor allem gute Rahmenbedingungen«

Energieeffizienz

Studie - Wettbewerbs- und Kostendruck sind die wichtigsten Treiber für Energieeffizienz in der Industrie. Das war auch in der Vergangenheit so und kann künftig gezielt verbessert werden.

01. August 2012

>Von 1995 an stieg die Energieeffizienz im deutschen Industriesektor um 3%/a. Insgesamt hat die Industrie so ihre Energieintensität in den letzten 20 Jahren um 35% reduziert. Bereinigt um Struktur- und Wachstumseffekte wurden tatsächlich 32% Endenergie eingespart. Diese Werte zeigt eine Studie auf, die Prognos und Ökotec im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) erstellt haben.

In der Studie ging es über die bisher erzielten Fortschritte hinaus vor allem auch um die Potenziale zur weiteren Steigerung der Energieeffizienz in der Industrie: In den vor uns liegenden Jahren dürfte der weitere Effizienzzuwachs im Schnitt bei 1,3% /a liegen.

»Energieeffizienz kommt für die Industrie nicht erst vor, seit es die Energiewende gibt«, kommentiert vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. »Aufgrund von Wettbewerbsdruck und dem Streben nach Wirtschaftlichkeit treiben Industrieunternehmen seit jeher die effiziente Nutzung von Energie beständig voran.«

Allerdings sind die Einsparpotenziale in einzelnen Betrieben höchst unterschiedlich. »Sie hängen ab vom Anteil der physikalischen, nicht optimierbaren Prozessschritte, der Fertigungstiefe, vom Investitionszyklus und den bereits erzielten Erfolgen.« Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz dürfen deshalb laut Brossardt nicht über einen Kamm geschoren verordnet werden.

Sie müssen auch künftig aus-schließlich dem Wirtschaft-lichkeitsprinzip folgen. »Andernfalls verursachen sie massive Wettbewerbsnachteile und gefährden den Produktionsstandort Deutschland.«

Innovationsklima

Ein wesentlicher Schlüssel für mehr Energieeffizienz sei die verstärkte Investition in Forschung und Entwicklung bei innovativen Verfahren und Technologien. Hier wären insbesondere Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wichtig. Denn die Studie zeigt auf, dass bei Querschnittstechnologien die Potenziale für Energieeffizienzsteigerungen größer und bei Kernprozessen kleiner sind.

Gelungenes Beispiel für eine solche Kooperation ist das Projekt ›Energieoptimierung im Anlagenbau‹, an dem die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber über das KME-Kompetenzzentrum mit der TU München zusammenarbeiten. Geplant ist ein weiteres Projekt dieser Art mit dem Namen ›Energieeffizienz in der Produktion‹.

Die Politik könne die Entstehung vieler weiterer solcher Projekte und daraus resultierende Effizienzeffekte fördern, indem sie das genannte Klima der Innovation und Kooperation durch geeignete Rahmenbedingungen unterstützt.

»Doch muss es generell Sache der Unternehmen selbst sein, ob, wann und in welchem Umfang sie in die Steigerung von Energieeffizienz investieren. Wettbewerbs- und Kostendruck sind hier die verlässlichsten und bestgeeigneten Treiber.«

-15% bis 2020 möglich

Die vorgelegte Studie kommt zu dem Schluss, dass unter der Voraussetzung eines solchen von der Politik zu schaffenden positiven Umfeldes »in den betrachteten Branchen im Mittel 15 Prozent des Primärenergieverbrauchs bis 2020 eingespart werden können.« Knut Grabowski, Ökotec, sieht bei Fortschreibung aktueller Politiken im gleichen Zeitraum dagegen nur das eher moderate Einsparpotenzial von 10%.

Wissenschaftliche Studien weisen auf hohe mittelfristige Potenziale insbesondere durch die Diffusion neuer, energieeffizienter Technologien hin – etwa der Ersatz alter Pressenstraßen durch aktuell am Markt verfügbare Anlagen. Wirtschaftlich umgesetzt werden können solche Maßnahmen allerdings nur innerhalb der üblichen Reinvestitionszyklen. Datrin sehen die Autoren auch einen Grund, warum nach durchschnittlich 3% Effizienzsteigerung pro Jahr im vor uns liegenden Jahrzehnt nur noch 1,3% möglich sein sollen: »Betriebe, die vor kurzem erst durch entsprechende Maßnahmen und Investitionen einen deutlichen Effizienzsprung gemacht haben, werden für einen absehbaren Zeitraum unter dem Durchschnitt bleiben. Wer bisher noch wenig in Effizienzsteigerung investiert hat, kann jetzt mit gezielten Maßnahmen überdurchschnittliche Erfolge erreichen«, so Friedrich Seefeldt, Prognos.

Heterogene Strukturen

Aus diesem Grund wehrt sich die vbw entschieden gegen pauschal verordnete Effizienzziele. Brossardt: »Auch innerhalb einzelner Branchen sind die Potenziale sehr heterogen. Entscheidend für ihre Realisierung sind die betriebsindividuellen Voraussetzungen, die branchenübergreifenden Konjunkturzyklen, die betriebliche Wertschöpfungstiefe sowie die schon erreichte und die theoretisch erreichbare Energieeffizienz.«

Der Handlungsspielraum der Unternehmen beschränke sich daher auf die systemgerechte Implementierung bestverfügbarer Technik unter Berücksichtigung unternehmensüblicher Wirtschaftlichkeitsvorgaben. »Deshalb wären verbesserte Möglichkeiten der Abschreibung für entsprechende Investitionen ein Treibsatz für die Energieeffizienz«, so Brossardt.

Die Ergebnisse der Studie diskutierten rund 150 Teil-nehmer auf einer gemeinsamenTagung der vbw und des baye-rischen Wirtschafts- und Energieministeriums Ende Juli in München.

Studie

Energieeffizienz in der Industrie

Die 60 Seiten umfassende Studie geht ausführlich auf Potenziale der Effizienssteigerungen in der Industrie ein.Größte Potenziale bietenQuerschnittstechnologien, also vorrangig periphere und infrastrukturelle Systeme. Kernprozesse haben oft physikalisch bedingte Energieanforrderungen, deren Optimierung häufig ausgereizt ist.

Erschienen in Ausgabe: 06/2012