Hitzeperiode sorgt für höhere Strompreise

Börsenblick

Ende Juni führten hohe Temperaturen in Mitteleuropa zu einem deutlichen Anstieg der Stromnachfrage.

22. Juli 2015

In Frankreich, wo der Strombedarf am stärksten auf Temperaturveränderungen reagiert, stieg die Nachfrage von Woche zu Woche um 3GW auf 48GW. Gleichzeitig konnte die Stromerzeugung aus Kernkraftwerken in Frankreich jedoch nicht mithalten und blieb im selben Zeitraum auf einem Niveau von durchschnittlich 43,5GW konstant: Das warme Klima hatte die Effizienz der Kraftwerke stark beeinträchtigt. Diese Angebotslücke wurde durch einen Rückgang der Stromexporte geschlossen. Diese erreichten vor der Hitzephase bis zu 10GW. Mit den höheren Spotpreisen exportierte Frankreich jedoch weniger Strom unter anderem nach Spanien und Italien, wodurch die Exporte bis auf maximal 7GW zurückgingen. Insgesamt stieg der Strompreis von der Kalenderwoche 26 zur Kalenderwoche 27 um 5,5€/MWh auf durchschnittlich 40,5€/MWh. Der höchste Stundenpreis betrug 65€/MWh.

In Deutschland fiel der temperaturbedingte Nachfrageanstieg mit rund 1GW wie gewohnt schwächer aus. Dennoch war auch hier ein wöchentlicher Preisanstieg von rund 4€/MWh zu beobachten. Ein Grund hierfür war die nur moderate Windstromerzeugung von 4,2GW. Und gleichzeitig lieferte Deutschland am nachfragestärksten Tag immerhin noch durchschnittlich 8,4GW in die Nachbarländer.

Zu Preisspitzen im dreistelligen Bereich wie es während des Rekordsommers 2006 vorkam, ist es in Deutschland nicht gekommen. Ein preisdämpfender Faktor waren Stromeinspeisungen aus Solaranlagen von bis zu 25GW in den Mittagsstunden. Die angespanntere Angebotslage in Deutschland und in den Nachbarländern reichte jedoch aus, um den Einsatz von Kohlekraftwerken mit niedrigem Wirkungsgrad lohnend zu machen.

Erschienen in Ausgabe: 06/2015