Markt

Hoch im Klimageschäft

»Die Green Bonds boomen«, heißt es. Was hat es mit den grünen Geldanlagen auf sich?

26. November 2017

Checkliste - Energie wird immer gebraucht

Der Deutschen Börse zufolge gibt es deutschlandweit zurzeit rund zehn Emittenten grüner Finanzierungsinstrumente (zertifizierte Green Bonds und Loans), darunter kaum Unternehmen der Privatwirtschaft.

Toyota hat bereits Green Bonds im Gesamtvolumen von 4,6 Mrd. Dollar ausgegeben und finanziert damit unter anderem Investitionen in die Elektromobilität.

Der Markt boomt. Im dritten Quartal stieg das weltweite Emissionsvolumen von Klimaanleihen auf 32,7 Mrd. Dollar. Das war eine neue Bestmarke.

Im 3. Quartal 2017 legten die Neuemissionen von Green Bonds kräftig zu, sodass sich Ende September das Volumen für 2017 bereits auf 83,2 Mrd. US-Dollar (USD) belief und somit höher lag als das Volumen von 81,6 Mrd. USD für das ganze letzte Jahr, informiert die Climate Bonds Initiative CBI zu ihrem aktuellen Marktüberblick über grüne Anleihen im November.

Ein Rekordhoch von 130 Mrd. USD ist für die Non-Profit-Organisation immer noch drin. Die Nachfrage überschreitet dabei das Angebot je nach Währung im Schnitt um das Dreifache.

Unter den Ländern, in denen nationale und internationale Förderbanken, Unternehmen und staatliche Institutionen grüne Anleihen platzieren, rangiert Deutschland laut CBI mit einem Gesamtvolumen von knapp unter 20 Mrd. USD nach den USA, China und Frankreich auf Platz vier.

Steigendes Interesse

Green Bonds feiern in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum. In Deutschland traten sie 2013 auf den Plan.

In dem Jahr legten die NRW Bank und die Landwirtschaftliche Rentenbank erstmals grüne Anleihen auf. Ein Jahr später folgte die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW, um auf diesem Weg ihr Kreditprogramm Erneuerbare Energien »Standard« zu refinanzieren.

Seit dem Start Mitte 2014 hat die KfW nach eigenen Angaben insgesamt 14 ›Green Bonds – Made by KfW‹ in fünf verschiedenen Währungen im Gesamtwert von 12,9 Mrd. Euro emittiert. Das entspricht einem Marktanteil aller weltweit ausstehenden Green Bonds von 6% (Gesamtmarkt: 212 Mrd. Euro).

»Die KfW ist damit eine der größten Emittentinnen in diesem Marktsegment«, zieht Petra Wehlert, Leiterin Kapitalmarkt bei der KfW, Bilanz.

Das Emissionsvolumen umfasste jährlich mindestens 2,7 Mrd. Euro. In diesem Jahr werde ein neuer Höchstwert von 3,9 Mrd. Euro erreicht, was einem Anteil von rund 5% an der Gesamtrefinanzierung der KfW über die internationalen Kapitalmärkte gleichkommt.

Die Laufzeit der Green Bonds variiert zwischen drei und acht Jahren. Der Zins beträgt je nach Währung bis zu 2,4%. Das Angebot richte sich speziell an institutionelle Großanleger, stellt Wehlert heraus.

Banken und Vermögensverwalter

Kleine Stückelungen von je 1.000 Euro oder USD erlaubten es auch Privatinvestoren, grüne Anleihen zu kaufen. Je ein Drittel gingen bei den Emissionen erstens an Banken, zweitens an Zentralbanken und drittens an Vermögensverwalter, Versicherungen und Pensionsfonds.

»Wir sehen, dass der Anteil von Vermögensverwaltern, Versicherungen und Pensionsfonds etwa doppelt so hoch ist wie bei unseren nicht-grünen Anleihen. Das ist bemerkenswert und zeigt, dass gerade diese Investorengruppe besonders affin für grüne Anleihen ist«, erläutert Wehlert zum Käuferprofil.

Volumen und Qualität des Marktes seien der KfW gleichermaßen wichtig. Erfreulich sei das zunehmende Interesse unter Emittenten, Investorengruppen, Ratingagenturen und Intermediären: »Es gibt Unternehmen, Banken, Förderbanken und in der Zwischenzeit auch Staaten, die Green Bonds emittieren. Zudem gewinnt das Thema in allen wichtigen Kapitalmärkten der Welt an Bedeutung.«

Das erhöhe den Beitrag des Kapitalmarktes zum Umwelt- und Klimaschutz. Doch angesichts der hohen Bedeutung der deutschen Volkswirtschaft in Europa seien deutsche Emittenten und Investoren im Green-Bond-Markt unterrepräsentiert.

»In Europa sind bei diesem Thema insbesondere Skandinavien, Frankreich und die Beneluxregion führend. Wir würden es sehr begrüßen, wenn sich der Green-Bond-Markt in Deutschland noch dynamischer entwickelte«, sagt Wehlert und liegt damit ganz auf der Linie der CBI.

Unter den zehn deutschen Emittenten führen die Förderbanken KfW und NRW Bank beim Emissionsvolumen zu zwei Dritteln an.

850 Millionen Euro für Innogy

Der Anteil von Unternehmen wie Nordex, Senvion oder seit Kurzem Innogy unterscheidet sich mit fünf Prozent kaum vom Engagement der Geschäftsbanken in diesem Marktsegment. Fast 90% der Mittel sind für Projekte zum Ausbau der erneuerbaren Energien bestimmt, während die Berlin Hyp in erster Linie Niedrig-CO2-Gebäude im Fokus hat und die NRW sich neben Ökoenergie auf Projekte zur Renaturierung von Flusslandschaften und energieeffiziente Gebäude konzentriert.

Innogy platzierte jüngst im Oktober seine erste Grüne Anleihe zu einem Volumen von 850 Mio. Euro, teilt die RWE-Ökoenergietochter mit. Das festverzinsliche Wertpapier verfüge über eine Laufzeit bis 2027. »Bei einem jährlichen Kupon von 1,25% und einem Ausgabepreis von 98,987% beträgt die Rendite bis zur Fälligkeit 1,36% p.a.«, heißt es bei Innogy.

Die Emission stieß auf reges Interesse und war fünffach überzeichnet. Die Erträge nutzt Innogy zur Refinanzierung von vier Offshore-Projekten in Großbritannien und Deutschland sowie einem Onshore-Projekt in den Niederlanden. Die fünf Windparks seien bereits in Betrieb oder im Bau.

Ebenso denke 50 Hertz ernsthaft darüber nach, im nächsten Jahr Green Bonds als Finanzierungsmöglichkeit für Projekte zur Anbindung von Offshore-Windparks zu nutzen, bestätigt der Übertragungsnetzbetreiber im November auf Anfrage.

Kaufen oder emittieren?

Deutsche Geschäftsbanken scheinen dagegen lieber grüne Anleihen zu erwerben, statt selbst welche an den Markt zu bringen. Immerhin entfällt ein Drittel der Käufer von Green Bonds der KfW auf sie. Auch die KfW selbst investiert hier und hat nach eigenen Angaben derzeit Green Bonds in Höhe von rund 850 Mio. Euro angekauft.

»Durch ihr Investment trägt die KfW insbesondere zur Finanzierung von Maßnahmen in den Sektoren Ressourceneffizienz, Erneuerbare Energien und umweltverträglicher Transportkonzepte bei«, umreißt Rita Geyermann, Leiterin Asset Management, KfW Bankengruppe, das Spektrum. Dazu gehörten auch Maßnahmen im Bereich Wasser-, Abwasser- und Abfallmanagement sowie Biodiversitätsmaßnahmen.

Das Zielvolumen wurde in diesem Jahr von 1 Mrd. Euro auf 2 Mrd. Euro erhöht, um die quantitative und qualitative Entwicklung des Green-Bond-Marktes weiterhin unterstützen zu können. Bevor die KfW in grüne Anleihen investiert, analysiert sie Geyermann zufolge genau alle Angaben und fordert gegebenenfalls weitere Informationen.

Denn Transparenz über die Zielsetzung und Umsetzung der betreffenden Projekte sind für die KfW wichtige Kriterien. Zugleich sollte der Umweltnutzen plausibel sein.

Gründlich prüfen

Darauf legt auch die GLS Bank Wert und prüft Emittenten und Green Bonds gründlich durch. „Aufgrund unseres sehr strengen und kritischen Auswahlverfahrens haben wir lediglich rund 20% der geprüften Neuemission von Green Bonds aufgenommen. Der Großteil der Neuemission erfüllt nicht unsere Kriterien“, erklärt Karsten Kührlings, Leiter des Investmentfondsgeschäftes der GLS Bank.

Mitte August initiierte die GLS Bank einen Klimafonds mit einem Startvolumen von circa 10 Mio. Euro.

„In weniger als drei Monaten hat sich sein Volumen durch eine starke Nachfrage vor allem im Privatkundenbereich mehr als verdoppelt und beträgt aktuell schon über 23 Mio. Euro. Auch die ersten institutionelle Anleger sind investiert“, sagt Kührlings.

Der Klimafonds strebe eine Verteilung zu 70% in Anleihen und 30% in Aktien an und investiere langfristig in Unternehmen aus Branchen wie Erneuerbare Energien, Mobilität, Bauen, Recycling und Infrastruktur.

Theorie und Praxis

„In der Portfoliobetrachtung sehen wir derzeit einen Schwerpunkt in den ersten drei Branchen“, erläutert Kührlings. Regional setzten die Anleihen einen klaren Schwerpunkt im europäischen Raum, während die Aktienseite deutlich diversifizierter sei.

Der Markt wachse nach Kührlings Worten in allen Bereichen, sowohl Angebot als auch Nachfrage.

Er warnt: „Es ist genau hinzuschauen, wie der jeweilige Anbieter oder das Fondsmanagement arbeitet. Nicht nur die Kriterien an sich sind entscheidend, sondern auch die transparente und konsequente Umsetzung im Portfolio.“

Auskunft darüber könnten etwa unabhängige Prüfungen vom Fair Finance Guide geben. Authentische, streng nachhaltige Ansätze seien von Privatanlegern und institutionellen Investoren sehr stark gefragt.

Josephine Bollinger-Kanne

Erschienen in Ausgabe: 10/2017

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