Höhere Schlagzahl mit neuen Partnern

STUDIE - Jeder fünfte Energieversorger zeigt Schwächen im Management der Kosten. Gefragt ist eine erhebliche Effizienzsteigerung. Dabei ziehen sieben von zehn Versorgern strategische Partnerschaften dem Outsourcing vor.

08. März 2006

Die strategische Zusammenarbeit mit externen Partnern soll den Unternehmen vorrangig Zugang zu neuen Kunden bescheren. Auf der Angebotsseite sind dafür vor allem individuell zugeschnittene Komplettlösungen bei hoher Servicequalität erforderlich. Intern verlangt der zunehmende Wettbewerb schlankere Wertschöpfungsketten. Das sind Ergebnisse der Studie Kooperationsmanagement von Steria Mummert Consulting und dem F.A.Z. Institut.

Dabei könnten die Energieversorger riskante Investitionen durch Kooperationen mit spezialisierten Partnern absichern. Mit fremdem Know-how und externen Kapazitäten seien so laut Studie neue Wachstumsfelder zu erschließen und Effizienzgewinne zu erzielen.

Bei den Kooperationsmodellen zielten die Energiekonzerne neben Synergieeffekten v. a. auf eine Festigung der Kundenbindung ab. Ein erweitertes Leistungsangebot über die Versorgung mit Strom, Gas, und Wasser hinaus, solle die Wechselbereitschaft der Kunden senken.

„Die Zusatzleistungen kommen dabei von Kooperationspartnern unterschiedlicher Herkunft. So ist etwa mehr als die Hälfte der befragten Entscheider an Vertriebs- und Marketingkooperationen mit Banken interessiert“, heißt es in der Studie. Das Schnüren neuer Produktpakete wieder gemeinsame Vertrieb von Energiedienstleistungen und Immobiliengeschäften stärke den Umsatz der beteiligten Partner.

Interne Synergieeffekte wollen die Unternehmen vor allem mit der gemeinsamen Nutzung von Kapazitäten, etwa in der Informationstechnologie (IT) oder beim Personal, einfahren. Daraus folgert die Mummert-Studie: „Der Industrialisierungstrend in den Dienstleistungsbranchen wird dabei verstärkt zu einer Auflösung der traditionellen Wertschöpfungsketten führen. Wertschöpfungsmanagement und damit verbundenes Kooperationsmanagement sind somit weiter auf dem Vormarsch.“

Wachsender Verkaufsdruck

In Zeiten knapper Kassen würden Kämmerer immer öfter daran denken, ihre Stadtwerke zu versilbern. Um dem wachsenden Verkaufsdruck zu entgehen, tun sich Stadtwerke seit geraumer Zeit auf regionaler Ebene zusammen, heißt es in der Studie. Dies wird an Beispielen belegt. So gründeten sechs Stadtwerke aus Baden-Württemberg zusammen die EnergiePartner Süd GmbH mit der Strategie: Jeder Partner macht das für den anderen mit, was er am besten kann. Die Zusammenarbeit umschließt Funktionen wie die tägliche Fernauslesung von Zählern für Strom, Gas, Wasser oder Wärme. Dazu kommen ein gemeinsames Energiedatenmanagement und der strukturierte Einkauf von Energie.

Seit 2004 geht diese Kooperation noch einen Schritt weiter, um weitere Partner zu gewinnen: „Künftig sollen sich auch Stadtwerke am EnergiePartner-Netzwerk beteiligen können, ohne dass sie hierfür den Status eines Gesellschafters haben müssen“, berichten die Marktforscher. Sie können das Know-how der EnergiePartner GmbH oder selbst Energiedienstleistungen anbieten. Das Ziel dieser Idee: Ein starker Verbund unter einem Dach, bei gleichzeitiger Eigenständigkeit der Partner.

Ebenfalls mit dem Anspruch, die Kräfte am freien Energiemarkt zu bündeln, gründeten bereits 1999 einige Stadtwerke im Rhein-Gebiet die Trianel European Energy Trading GmbH. Die Kooperation entwickelte sich bis heute zur Nr. 1 unter den Stadtwerke-Kooperationen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt im Kooperationsmanagement bildet die Auslagerung, heißt es in der Studie: „Die Outsourcingmodelle finden vor allem bei der Softwarebetreuung und dem Energiedatenmanagement Anwendung.

Viele Unternehmen haben erkannt, dass sie ihre Verbrauchsabrechnung oder Zählerdatenerfassung nicht zwingend haus-intern abwickeln müssen“, meint Norbert Neumann, Experte für den Bereich Energieversorgung bei der Steria Mummert Consulting, Hamburg.

Neuer Stadtwerke-Trend

Oft würden externe Dienstleister deutliche Qualitäts- und Preisvorteile bieten. „Siebzig Prozent der Outsourcer, darunter alle auslagernden Verbundunternehmen und unabhängigen Versorger, beziehen ihre Software mittlerweile von Spezialunternehmen“, weiß Neumann.

Trotz der genannten Outsourcing-Chancen habe sich diese Strategie speziell im Stadtwerke-Umfeld bislang nicht durchgesetzt. Die Gründe: „Vielfach trauen Stadtwerke einem externen IT-Anbieter nicht zu, über das nötige Branchen-Know-how zu verfügen. Andere haben Vorbehalte, die Hoheit über die eigenen Daten einem Außenstehenden anzuvertrauen“, sagt Neumann.

Seit einiger Zeit entwickle sich ein ganz eigener Stadtwerke-Trend für den Ausweg aus der Kostenschere. „Verschiedene Stadtwerke bilden ein so genanntes Kompetenz-Center, um ihre IT-Landschaft kooperativ zu betreiben. In der Regel übernimmt hierbei eines der Stadtwerke die Rolle des IT-Dienstleisters, der die Softwarelösungen als Rechenzentrum für die anderen Partner betreibt“, berichtet der Branchenexperte.

Die Vorteile dieses Modells lägen auf der Hand: Dem IT-Dienstleister muss nicht erst beigebracht werden, wie die Prozesse in der Energiewirtschaft laufen. Und die angeschlossenen Partner haben die gleichen Vorteile, die sie beim Outsourcing über einen externen IT-Dienstleister hätten.

Darüber hinaus würden sich die IT-Dienstleister unter den Stadtwerken auf diesem Wege auch ein völlig neues Geschäftsfeld erschließen, betont Neumann. Denn das Angebot kann jederzeit auf neue Partner ausgeweitet werden. „Diese Form der Zusammenarbeit entwickelt sich zunehmend bei den kleinen und mittleren Stadtwerken zu einer ernst zu nehmenden Alternative zum Betrieb einer eigenen IT-Abteilung.“

Beispielrechnungen zeigten, dass die Kosten für das Kompetenz-Center in der Regel nochmals deutlich unter denen für einen herkömmlichen Rechenzentrumsbetrieb lägen. Aber auch intern sorge das Modell für Einsparungen: „Durch die Automatisierung von Geschäftsprozessen lassen sich zahlreiche Abläufe im Kompetenz-Center sehr viel effizienter gestalten. Trotz allem bleibt das Stadtwerk Herr über die eigenen Daten.“

Wichtig: richtige Partnerwahl

Diesen Trend hätten auch Software-Hersteller erkannt, so Neumann. Sie entwickelten sich zu spezialisierten Fullserviceanbietern, die sowohl mit den IT-Anforderungen der Unternehmen als auch mit den Geschäftsabläufen in der Versorgungswirtschaft vertraut seien.

Allerdings müssten die Partner zueinander passen, sagt Neumann und warnt: „Trotz aller Vorteile von Kooperation dürfen die Risiken bei der Gesamtbewertung nicht übersehen werden.“

Der Erfolg dieser Modelle hänge stark von der richtigen Partnerwahl ab. Neumann rät deshalb: Vor allem müsse die strategische Ausrichtung übereinstimmen und die Entscheider in den Unternehmen müssten für eine Zusammenarbeit auch wirklich offen sein.

Ob sich die beteiligten Partner wirklich verstehen würden, zeige sich in der Regel erst, wenn die Grundentscheidung für eine Zusammenarbeit bereits getroffen worden sei. Und: „Der späte Abbruch einer Kooperation kann teuer werden“, warnt Experte Neumann.

Erschienen in Ausgabe: 03/2006