Höheres Schlammaufkommen stärkt Nachfrage

Markt für Anlagen zur Prozess- und Klärschlammbehandlung wächst

Optimistisch zeigt sich eine neue Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan zu den Perspektiven des Europamarktes für Anlagen zur Behandlung von industriellen und kommunalen Klär und Prozessschlämmen. Nachhaltiges Wachstum soll den Umsatz von 1,36 Mrd. US-$ im Jahr 2000 auf 2,05 Milliarden US-$ im Jahr 2007 ansteigen lassen.

28. Juni 2001

Es fällt immer mehr Klärschlamm an, denn im Rahmen der Umsetzung der EU-Abwasserrichtlinie werden immer mehr Haushalte an die Kanalisation angeschlossen und die Abwässer in modernen Kläranlagen behandelt. Die geltenden nationalen Entsorgungsbestimmungen schränken die Verbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftliche Flächen zunehmend ein, so dass der Bedarf an alternativen Entsorgungsmöglichkeiten wächst. Bei der Deponierung wiederum darf der Anteil an organischen Stoffen eine festgelegte Höchstgrenze nicht überschreiten. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die Nachfrage nach verschiedenen Aufbereitungstechnologien.

Besonders günstige Wachstumsaussichten haben dabei die Segmente Schlammentwässerung und -trocknung. Diese Verfahren erhöhen den Anteil der Trockenmasse im Schlamm und verringern damit die Schlammenge, die zur weiteren Behandlung und Entsorgung anfällt. Auf diese Weise lassen sich auch die Entsorgungskosten reduzieren. Industrielle Schlammerzeuger setzen aus den gleichen Kostengründen verstärkt auf Anlagen zur Vor-Ort-Behandlung. In den stärker gesättigten Regionen wird sich nach Saana Karki, Research Analyst bei Frost & Sullivan, die Nachfrage nach Modernisierungs- und Rekonstruktionsleistungen erhöhen. Schließlich stellt auch die Wartung von Anlagen einen wichtigen Wachstumsfaktor dar.

Die Studie bestätigt die Dominanz von Entwässerungs- und Eindickungsanlagen, auf die zusammen fast 68 % des Gesamtabsatzes entfallen. 76 % des Gesamtumsatzes wird mit den Kommunen erwirtschaftet. Bei den industriellen Anwendungen dominieren die Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie die Zellstoff- und Papierindustrie. Die führenden Unternehmen sind meist Tochtergesellschaften großer Konzerne. Als Generalauftragnehmer liefern sie schlüsselfertige Komplettlösungen, die das gesamte Spektrum der Aufbereitungstechnologien beinhalten. Marktführer sind Degrémont, USFilter (Vivendi Environment) und OTV (Vivendi Water). Auch die Passavant-Gruppe hat mit ihren jüngsten Fusionsaktivitäten, die den zunehmenden Konsolidierungstrend auf dem Markt widerspiegeln, ihre Präsenz auf dem europäischen Gesamtmarkt gestärkt. Erfolgreich in speziellen Segmenten operieren Andritz, Guinard Centrifugation Lind Alfa Laval.

Abschließend stellt die Studie fest, dass die Bedeutung von Spezialanbietern wächst: Mit der Zunahme von Modernisierungs- und Rekonstruktionsaufträgen sowie industriellen Anwendungen verschiebt sich die Nachfrage von Billigangeboten hin zu maßgeschneiderten High-Tech-Lösungen.

MBA für Wiesbaden

Die privaten Entsorger Rethmann und Knettenbrech unterzeichneten mit der Stadt Wiesbaden ein Vertragswerk, das die Abfallentsorgung der Hessischen Landeshauptstadt langfristig sicherstellt. Umweltdezernentin Christiane Hinninger: „Mit diesem Vertragswerk ist die Zukunftsfähigkeit der städtischen Abfallentsorgung in Wiesbaden auch nach dem Jahre 2005 garantiert.“

Neben dem Abschluss eines Konsortialvertrages werden die Entsorgungsunternehmen Geschäftsanteile an der bestehenden Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage MBA Wiesbaden GmbH übernehmen, wobei die Landeshauptstadt Wiesbaden weiterhin Mehrheitsgesellschafter bleibt. 73 Mio. DM wird die MBA Wiesbaden GmbH in den Bau der Anlage zur kalten Abfallbehandlung auf dem Gelände der Wiesbadener Deponie Dyckerhoffbruch investieren. „Wir gehen davon aus, 2003 mit dem Bau der Anlage beginnen zu können. Ende 2004 wird die MBA in den Probebetrieb gehen“, teilte Jan van Delden mit, der verantwortliche Projektleiter bei der Rethmann Entsorgungswirtschaft GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main.

Die MBA ist auf eine jährliche Behandlungsmenge von insgesamt 133.000 t Abfälle ausgelegt. Jährlich 100.000 t Wiesbadener Haus- und Gewerbemüll können dann kostengünstig und ortnah behandelt werden. Die beiden privaten Partner tragen mit einer zusätzlichen Anlieferung von 30.000 Tonnen jährlich zu einer langjährigen Stabilisierung der Abfallbehandlungskosten bei.

Erschienen in Ausgabe: 05/2001