»Hohe Nachfrage nach qualifizierten Dienstleistungen«

Menschen

Andreas Recknagel, Geschäftsführer der EVB Billing und Services, über die neue Gesellschafterstruktur, Herausforderungen bei den Marktprozessen und die richtige Strategie beim Auslagern bestimmter Bereiche.

26. November 2013

Nein – und darüber sind wir sehr froh. Für unsere Kunden bleibt alles beim Alten: Sie haben die gleichen Ansprechpartner, da wir alle unsere Mitarbeiter in die neue Gesellschaft übernommen haben. Zudem bieten wir alle Produkte und Dienstleistungen, bis auf den Bereich Smart Metering, nach wie vor an. Nur für uns ändert sich eine positive Kleinigkeit: In der neuen Struktur können wir wieder freier agieren und somit noch besser auf die Bedürfnisse unserer Kunden sowie des Marktes eingehen.

Und wohin geht die Reise?

Hauptpunkt unserer Bestrebungen ist nach wie vor die ständige Weiterqualifizierung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. So wollen wir unseren Kunden garantieren, dass wir auch künftig den gestiegenen Anforderungen des Marktes gerecht werden. Zusätzlich wollen wir aber unsere Produktpalette um energienahe Dienstleistungen erweitern: Dazu gehören Smart Home, Unterstützung in den Bereichen Vertrieb und Marketing sowie Abrechnungsdienste auf einer Plattform, die wir zusammen mit einem Partner betreiben.

Sie sind mit Consulting, Personaldienstleistung und Schulungen recht breit aufgestellt. Was wird besonders nachgefragt?

Derzeit unterstützen wir verstärkt im Bereich der Einspeiseabrechnung. Unsere Kunden benötigen vor allem hochspezialisierte Consultants, die neben dem Prozessverständnis auch die systemeigene Umsetzung in den jeweiligen Kundensystemen begleiten können. Insbesondere die zahlreichen Möglichkeiten der Direktvermarktung, Stichwort ›Tranchen-Bildung‹, stellen die Versorgungswirtschaft vor Herausforderungen. Im Bereich Bilanzkreisabwicklung werden zurzeit verstärkt Schulungsangebote unserer Akademie nachgefragt. Ziel unserer Kunden ist es, ihre eigenen Mitarbeiter weiterzubilden und entsprechende Kompetenzen zu schaffen. Insgesamt betrachtet stellen wir eine hohe Nachfrage nach qualifizierten Energiedienstleistungen fest.

Welche Herausforderungen müssen EVU bei der Marktkommunikation stemmen?

Aktuell gibt es hier einige große Baustellen: die Umsetzung der UTILMD 5.1, bezogen auf das Parent/Child-Modell, die Umsetzung der 1:1- und n:1-Marktkommunikation für komplexe Messstellen, wie zum Beispiel mehrere Messeinrichtungen pro Zählpunkt, sowie die Themen Mehr- und Mindermengenabrechnung, INVOIC-Prüfung, direkte Netznutzung sowie die elektronische Netzkostenabrechnung bei Letztverbrauchern. Und das sind nur die größten derzeitigen Herausforderungen.

Wann kann Outsourcing sinnvoll sein?

Outsourcing macht immer dann Sinn, wenn ein Unternehmen für sich klar definiert hat, welches seine Kernprozesse sind. Erst danach kann die Entscheidung über ein Outsourcing der nicht unternehmensrelevanten Prozesse erfolgen. Wir halten eine Zerstückelung in kleinste Teilprozesse für nicht zielführend, sondern raten unseren Kunden die gesamte Prozesskette zu analysieren und dann eine strategische und langfristige Entscheidung über ein mögliches Outsourcing zu treffen. Denn alle Energieversorger stehen letztlich vor der gleichen Aufgabe: Sie müssen sich überlegen, wie sie in Zukunft Geld verdienen und auf der anderen Seite ihre Kosten optimieren können. Das muss allerdings immer vor dem Hintergrund geschehen, dass die Qualität der Leistungen auf einem hohen Level bleibt. Denn aus meiner Sicht werden auch die Endkunden immer kritischer und erwarten für ihr Geld eine qualitativ hochwertige Betreuung und Beratung.

Und wie begegnen Sie und der Kunde den Ressentiments gegenüber dem Thema?

Der größte Vorbehalt unserer Kunden entzündet sich immer am Thema Personal. Verständlicherweise. Denn es ist ein schwieriges Unterfangen, auf der einen Seite Kosten optimieren zu müssen, auf der anderen Seite aber auch eine soziale Verantwortung gegenüber der Belegschaft zu haben. Hier versuchen wir gemeinsam mit dem Kunden Lösungen zu finden. So können durch gezielte Qualifizierungsmaßnahmen Mitarbeiter zum Beispiel auf die Kernthemen vorbereitet werden.

Vita

Andreas Recknagel

war von 2001 bis 2006 Vertriebsleiter bei der Meocom Telekommunikation in Essen.

Danach war er bis 2009 als Niederlassungsleiter bei Techem Energy Services in Wuppertal tätig.

Von 2009 bis 2013 hatte er die Funktion des Geschäftsbereichsleiters ›Billing & Services‹ bei der EVB Energy Solutions inne.

Seit Juli 2013 ist Recknagel Geschäftsführer der EVB Billing und Services.

Erschienen in Ausgabe: 10/2013