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Home-Automation für Energieeffizienz

Markt

Smart - Home Produkte rund um die intelligente Haustechnik bieten EVU eine interessante Erweiterung ihres Geschäftsfeldes. Nur muss auch der Verbraucher von Sinn und ökonomischem Nutzen überzeugt werden.

29. November 2011

>An der Smart-Home-Front wird in den letzten Monaten verstärkt entwickelt. Verschiedene Energieversorger, IT- und Telekommunikationsanbieter haben sich zusammengetan und arbeiten an Lösungen und Plattformen.

»Smart Home ist die logische Fortführung des Smart Metering. Integrierte Lösungen sind hier aus Sicht der Versorger sicher sehr interessant. Durch die Technik wird der Nutzen der neuen Zähler für den Verbraucher erheblich gesteigert«, so Thomas Goette, CEO von GreenPocket, ein Anbieter von Smart-Meter- und Smart-Home-Softwarelösungen. »Gefragt sind darüber hinaus attraktive Produktpakete und eine gezielte Vermarktung. Natürlich spielt die Preisgestaltung eine entscheidende Rolle.«

Nur allein mit Smart Meter und einer Darstellung des Verbrauchs als Feedback für den Kunden ergibt sich eine durchschnittliche Verbrauchseinsparung von 3,7%. Das sind Ergebnisse aus dem Intelliekon-Feldversuch. In Verbindung mit zeitvariablen Tarifen erreichte der Verbraucher eine durchschnittliche Einsparung von 9,5%.

»Bei den verwendeten Systemen mussten die Teilnehmer noch viel Eigeninitiative entwickeln, um herauszufinden, wo genau sie den Verbrauch reduzieren können. Doch die - teils nur kurze - Nutzung der Verbrauchsrückmeldung setzt offenbar einen Impuls, sich mit dem Stromverbrauch und Einsparmöglichkeiten zu beschäftigen«, so Gesamtprojektleiter Sebastian Gölz vom Fraunhofer ISE.

Automatisierungsgrad wichtig

Tatsächlich haben viele Menschen weder Zeit noch Lust, sich dauerhaft mit dem Energieverbrauch ihres Haushalts zu beschäftigen. Die Kontrolle von Heizung, Beleuchtung und Elektrogeräten ist eher eine notwendige Last als eine freudige Tätigkeit.

»Je höher der Automatisierungsgrad des Smart Home, desto schneller ist der Verbraucher für die Technik zu begeistern «, so Goette. »Nachdem Smart Home als Teil eines Smart Grids lange eine Zukunftsvision war, hat sich besonders im vergangenen Jahr ein Markt dafür entwickelt. Auch wenn die Absatzzahlen sicher noch nicht so hoch sind, wie das Potenzial es vermuten ließe, stimmt diese neue Dynamik sehr positiv.« Auch daher hat das Produktmanagement von GreenPocket in einer sechsmonatigen Konzeptions- und Entwicklungsphase insgesamt 30 optimierte Verbrauchsmuster (›Optimal Pattern‹) erarbeitet.

»Unsere Optimal Pattern Technology befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Auf der E-world 2012 in Essen wollen wir sie erstmals einem größeren Fachpublikum präsentieren«, erzählt Goette. »Natürlich spiegelt sich unsere Erfahrung aus 50 Smart-Meter- und Smart-Home-Projekten, die wir in den vergangenen zwei Jahren erfolgreich durchgeführt haben, in der neuen Software wider.«

Als Basis für die Verbrauchsmuster dienten Ergebnisse aus aktuellen Studien zum Energieverbrauchsverhalten und Energiesparen in Privathaushalten. Der Vorteil für den Nutzer besteht darin, die Vielzahl von Einstellungen und Regeln, die ein einzelnes Szenario beinhaltet, nicht selbst vornehmen zu müssen. Er kann aus vordefinierten Alltagsszenarien wie zum Beispiel ›Winterabend‹ auswählen. Hier steht eine gemütliche Atmosphäre, etwa mit gedämmten Lichteinstellungen und elektronischem Kaminfeuer, im Vordergrund.

In diesen voreingestellten Szenarien ist der Energiebedarf bestmöglich berechnet. Beispielsweise spart bei der Raumtemperatur jedes Grad weniger bis zu 6% der Heizenergie. Eine von RWE in Auftrag gegebene Studie des Fraunhofer IBP kommt zu dem Ergebnis, dass sich mit intelligenter Haussteuerung von Fenster, Heizung und Rollläden in einem Singlehaushalt Heizenergie-Einsparungen von bis zu 40% ergeben, bei einer Familie von bis zu 18%.

Wohlfühlfaktor beachten

Doch sollte auch bei einer automatischen Optimierung des Wärmebedarfs eine als angenehm empfundene Temperatur nach Möglichkeit nicht unterschritten werden. Wie können diese Präferenzen des einzelnen Nutzers nun in die optimierten Voreinstellungen integriert werden, ohne den Grad der Automatisierung zu senken?

Die Entwickler haben dieses Problem mit einer Art Präferenz-Tool gelöst. Der Nutzer kann hier seine persönliche Energiebalance festlegen. Anhand der Dimensionen Komfort, Wirtschaftlichkeit und Ökologie gibt er die Richtung vor, in die sein Verbrauch von der Software optimiert werden soll.

Aufgrund dieser Angaben werden die voreingestellten Optimal Patterns den Vorlieben des jeweiligen Nutzers individuell angepasst. Wünscht der Nutzer etwa einen hohen Grad an Ökologie und einen relativ geringen Grad an Komfort, prüft die Software, ob die Raumtemperatur in bestimmten Programmen um 1°C reduziert werden kann.

Steigt der Wunsch nach Komfort bei gleichbleibender Ökologie-Präferenz hingegen an, berechnet die Software Einsparmaßnahmen, in denen die Raumtemperatur möglicherweise nur um 0,5°C gesenkt wird. Ein weiterer Punkt: Die meisten Menschen bemerken eine langfristig effiziente Einsparung, etwa durch Senken der Raumtemperatur in Fluren auf 15°C, kaum. Ein expliziter Bezug zu einzelnen Personengruppen wie Singlehaushalt oder Familie besteht bei der Software-Lösung nicht. Die Verbrauchsmuster finden stattdessen anhand der installierten Hardware und deren Zuordnung entsprechend ihre Anwendung. Der Nutzer schließt bei der Erstinstallation die Hardware an und ordnet die einzelnen Komponenten anschließend innerhalb der Software zu.

Manuelle Änderungen gemerkt

Bei der Installation des Smart-Home-Systems werden Sensoren, Aktoren und Bewegungsmelder angebracht. Ein Türsensor lässt das System erkennen, ob jemand nach Hause kommt oder das Haus verlässt. »Hier gilt: je mehr Sensoren man in der Wohnung installiert, desto genauer kann das System agieren«, so Goette. Langfristig eröffnet die intelligente, präferenzbasierte Steuerung des Haushalts den Weg zu lernfähiger Software. Was bisher noch nach Science Fiction klingt, sieht Thomas Goette durchaus als einen nächsten Schritt in der Entwicklung der Optimal Pattern Technology.

»Angenommen, die Software trifft den Geschmack des Verbrauchers einmal nicht und dieser korrigiert einzelne Einstellungen manuell, würde sich die Software diese einzelnen Korrekturen merken und für weitere Einstellungen und Programme übernehmen. Mit unserer Lösung kommen wir damit der Vision hin zu einer lernfähigen Software einen entscheidenden Schritt näher.«

Erschienen in Ausgabe: Nr. 10 /2011