Ideal: Konkurrenz-Verbunde

Markt & Meinung

Im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) hat das IZES 35 Förderprojekte im Bereich Brennstoffzellen(BZ)- und Wasserstofftechnologie ausgewertet. Es attestiert gute Fortschritte.

04. August 2010

Ziel der Evaluation war es, die Forschungsförderung im Bereich Brennstoffzelle/Wasserstoff innerhalb des 4. und 5. Energieforschungsprogramms (EFP) zu beurteilen. Für die Einzelbewertung wurden von insgesamt 224 – im Zeitraum Januar 1998 bis Januar 2009 – geförderten Projekten 35 Vorhaben ausgewählt und detailliert analysiert. Deren bewilligte Gesamtzuwendung betrug 58Mio.€. Um eine repräsentative Schnittmenge sicherzustellen, wählte das Institut für Zukunfts-Energiesysteme IZES diese anhand der Kriterien Zugehörigkeit (4. und 5. EFP), Projektstatus, Brennstoffzellentyp und Anwendungsfall aus.

Der Projektbewertung auf Projektebene erfolgte nach vier Bewertungskriterien:

•Reputation der Zuwendungsempfänger

•Projektumsetzung

•Projekterfolg (Zwischenerfolg für laufende Vorhaben)

•Verwertung (nur für abgeschlossene Vorhaben).

Zur letztendlichen Beurteilung stufte das Institut die Projekte von Note 1 (geringer Erfolg bezüglich der Projektziele) bis zu Note 4 (hoher Erfolg bezüglich der Projektziele) ein.

Die 24 abgeschlossenen Forschungsvorhaben erzielten einen Notendurchschnitt von 3,3. Die elf während der Evaluation noch laufenden Vorhaben kamen auf eine durchschnittliche Note von 3,4.

Für Abteilungsleiter Dr. Bodo Groß ist ein Kernergebnis der Evaluation, dass »auf Basis der beiden Energieforschungsprogramme die Brennstoffzellentechnologie in Deutschland auf breiter Ebene gute Fortschritte erzielt hat und sowohl Kern als auch Peripherie erfolgreich weiterentwickelt« werden konnten.

Immer noch erheblicher Forschungsaufwand

Die Markteinführung der Brennstoffzellentechnologie ist in Deutschland jedoch noch kein Selbstläufer. »Es ist weiterhin ein erheblicher Aufwand in die Grundlagen- und Materialforschung, Fertigungstechnik, Produktionstechnik, Komponentenentwicklung und Markteinführungsunterstützung notwendig«, fasst Groß ein weiteres Ergebnis der Studie zusammen.

So seien in den vergangenen beiden Jahren in Deutschland, wahrscheinlich zurückzuführen auf die Weltwirtschaftskrise, wichtige Akteure im Bereich der Brennstoffzellenentwicklung ausgestiegen. »Klar ist, dass Politik und Wirtschaft interdisziplinär handeln müssen, um in Zukunft, etwa innerhalb des sechsten EFP, die Brennstoffzellentechnologie auf den Weg zur Marktreife zu bringen«, fordert Groß.

Die Breitenförderung der Brennstoffzellentechnologie sollte hierbei überdacht werden, und gegebenenfalls durch eine restriktivere Auswahl-Förderung (analog den USA oder Japan) ersetzt werden. Ideal wären beispielsweise konkurrierende Verbunde, so der Abteilungsleiter, bestehend aus Konsortialpartnern mit hohem technologischen Entwicklungsstand und dem nachhaltigen Willen, die Technologie zur Marktreife zu entwickeln.

Förderstrategie detailliert ausarbeiten

Laut Groß hätte eine solcher Förderansatz den Vorteil, dass die Marktreife der Brennstoffzellenprodukte schneller erreicht werden könnte und somit die jeweiligen Produkte auch international konkurrenzfähig blieben. Flankierend empfiehlt er, dies durch eine detailliert ausgearbeitete Förderstrategie zu ergänzen – mit konkreten Budgetierungen auf die verschiedenen Technologiebereiche und mit Zeitplänen, die Vorgaben bezüglich Zielwirkungsgraden, Zielkosten oder Vorgaben zur Lebensdauer enthalten. Ein weiterer Vorschlag: »Zusätzlich sollte die bisherige Breitenförderung mit einem entsprechend verringerten Budget weitergeführt werden.«

Groß benennt als wichtigste Hemmnisse auf dem Weg zur Marktreife die derzeit hohen Fertigungskosten und die noch zu geringe Lebensdauer. »Man ist hier, von wenigen Ausnahmen abgesehen, noch weit von einem marktreifen Produkt entfernt, eine wirtschaftliche Vergleichbarkeit mit konkurrierenden Technologien, wie etwa Blockheizkraftwerke, ist noch nicht in Sicht.« Gerade die Lebensdauer der Gesamtsysteme müsse weiter erhöht werden. Auch die Einbindung der Zulieferindustrie sollte in der Zukunft verstärkt gefördert werden. Und nicht zuletzt bestehe auch weiterhin ein Bedarf an Grundlagenforschung.

Aktuell sind keine weiteren Evaluierungen geplant. Vorstellbar wäre laut Groß aber eine Neuerstellung oder Aktualisierung eines Markteinführungsszenarios aufbauend auf dem für BMWi und VDMA 2006 verfassten Instrumentengutachtens ›Analyse und Bewertung von Instrumenten zur Markteinführung stationärer Brennstoffzellen‹. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 02/2010