Im Namen der Effizienz

Ausland Neben dem Energiebedarf wächst in China auch die Bedeutung des Umweltschutzes. Neueste Kraftwerksprojekte sind High-End-Lösungen in puncto Effizienz.

18. Februar 2008

Der chinesische Markt bietet für ausländische Investoren viele Anreize. Einer davon ist die Erhöhung der Energieeffizienz, denn diese lässt noch gehörig zu wünschen übrig: Der Energieeinsatz für die Stromproduktion in thermischen Kraftwerken liegt rund 22 % über dem weltweiten Durchschnitt, die Stahlproduzenten benötigen 21 % mehr Strom für ihre Produkte, in der Zementindustrie sind es 45 %, und der Energieverbrauch in Gebäuden übersteigt den globalen Mittelwert um das zwei- bis dreifache. Fasst man diese Zahlen zusammen, kommt man zu dem Ergebnis, dass die Chinesen für rund 15 % des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich sind, damit aber nur rund 5,5 % aller Güter und Dienstleistungen produzieren.

Hinzu kommen Umweltprobleme. »Luft- und Wasserverschmutzung werden mittlerweile als ernstes Problem im Lande erkannt. Das Bewusstsein für den rapide ansteigenden CO2-Ausstoß muss aber noch geschaffen werden«, stellte kürzlich der Berichterstatter des Europäischen Parlaments zum Klimawandel Karl-Heinz Florenz fest. Problematisch sei, dass China beim Klimaschutz als Entwicklungsland durchgehen wolle. »Das ist es aber nicht mehr«, sagt Florenz. Mit einer Wachstumsrate von derzeit rund 11 % gehe ein Energiehunger einher, der hauptsächlich durch fossile Brennstoffe gedeckt werde.

Als Entwicklungsland geht China auch nicht mehr bei den jüngsten Kraftwerksprojekten durch. Ganz im Gegenteil: Mit hohem Wirkungsgrad und vergleichsweise geringem CO2-Ausstoß gehören sie zu den besten, die es derzeit weltweit gibt.

Große Aufgaben

Ein Beispiel ist das Steinkohlekraftwerk Yuhuan. Der Bau der vier 1.000-MW-Steinkohleblöcke an der chinesischen Ostküste rund 300 km südöstlich von Shanghai startete Mitte 2004. Ende 2006 nahm Chinas derzeit größter Stromproduzent, Huaneng Power International, die ersten beiden Kohlemeiler in Betrieb. Im November 2007 folgten Block 3 und 4. »Die Kraftwerke adressieren die beiden großen Herausforderungen des Landes: Die Stromproduktion in einer der am besten entwickelten Regionen Chinas zu erhöhen und so die ernsten Kapazitätsengpässe zu mildern«, sagt Lutz Kahlbau, Präsident des Kraftwerkgeschäfts von Siemens in China. Hinzu komme die Aufgabe, den Schadstoffausstoß zu reduzieren. Siemens lieferte zusammen mit seinem chinesischen Joint Venture-Partner Shanghai Electric Group (SEG) die Turbinen und Generatoren für das Yuhuan-Projekt. Der Wirkungsgrad von 45 % ist ein weltweiter Spitzenwert. Dies wirkt sich positiv auf den Brennstoffeinsatz aus. Der Kohleverbrauch für die Stromproduktion (inklusive Eigenbedarf der Anlage) liegt mit 283 g/kWh rund 84 g/kWh unter dem chinesischen Durchschnitt. Der CO2-Ausstoß unterschreitet den bisherigen Mittelwert um 24 %.

Flexibilität gefragt

Hocheffizient ist auch das GuD-Kraftwerk Shidongkou im Stadtgebiet von Shanghai. Die 3 x 400-MW-Anlage, die Siemens und SEG errichteten, kommt auf einen Wirkungsgrad von rund 58 %.

Der Betreiber, Huenang Shanghai, freut sich besonders über die hohe Flexibilität. Mit Startzeiten von fünf Minuten von der Zündung bis zur Synchronisation und 80 Minuten vom Warmstart bis zur Vollleistung deckt das Gas - und - Dampf - Kraftwerk die auch in China steigenden Anforderungen ab.

Jedoch kann die Anlage ihre Vorzüge derzeit nur an 750 Stunden pro Jahr demonstrieren. Mehr Erdgas steht der an der ›West-Ost-Pipeline‹ gelegenen Anlage nicht zur Verfügung. Die Betreiber rechnen jedoch damit, dass sich die Versorgungssituation ab dem nächsten Jahr sukzessive verbessern wird. Hintergrund ist der Bau neuer Pipelines (u. a. die Verlängerung der West- Ost-Pipeline nach Westen) und das Nutzen von LNG durch die Inbetriebnahme entsprechender Terminals.

Auch Siemens ist für die Zukunft optimistisch. Inklusive des Joint Ventures mit SEG hat die Kraftwerkssparte in China derzeit rund 6.800 Mitarbeiter. Mehr als 100 GW Kraftwerksleistung mit Siemens-Technologie seien in China in Betrieb oder im Bau, berichtet Kahlbau. Alleine bei Kohle-Kraftwerken habe man derzeit Aufträge für 24 weitere Projekte. Zudem wachse der Bedarf an Service und Wartung, da man in China deren Bedeutung erkannt und entsprechende Maintenance-Programme gestartet habe. Kahlbau glaubt fest an den Wachstumsmarkt China, schließlich gingen dort pro Woche derzeit durchschnittlich 300 MW Kraftwerksleistung ans Netz. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 01/2008