Im Untergrund den Überblick bewahren

AllessaChemie dokumentiert Ver- und Entsorgungsnetze in Lids+

((VORSPANN)) Ursprünglich wollte die AllessaChemie GmbH nur ihr Kanalnetz im Informationssystem Lids dokumentieren. Doch heute verwalten die Facility Manager des Chemiewerks auch das Telekommunikations-, Strom-, Dampf- und Gasnetz mit der Software - die Flexibilität hat sie überzeugt.

07. Dezember 2001

Bei der AllessaChemie GmbH (die aus Teilen der früheren Höchst AG beziehungsweise nachfolgenden Clariant GmbH hervorgegangen ist) hat Infrastruktur einen hohen Stellenwert. Die Produktion ist von einem reibungslosen Medienfluss abhängig, und zwar bei Energie und Abwasser gleichermaßen. Deswegen kümmert sich die Abteilung Facility Management/Bauplanung um die Planung und Dokumentation der Netze in den beiden Werksteilen in Frankfurt/Main und Offenbach.

Die AllessaChemie ist Hersteller einen breiten Palette organischer Chemikalien und bedient Branchen wie die Papier- Pigment- und Polymerindustrie, Hersteller von Textilfarbstoffen, Pharmazeutika und Agrarwirkstoffen. Zudem bietet AlessaChemie die Lohnfertigung nach Kundenvorgabe an.

Die Abteilung Facility Management betreut die zusammen die beiden etwa 80 ha großen und 2 km entfernten Werksteile, darunter auch Drittfirmen, die sich in den vergangenen Jahren hier angesiedelt haben, zum Beispiel Logistikdienstleister und Zulieferer. „Unsere Abteilung dokumentiert und pflegt unter anderem die Daten aller relevanten Infrastrukturanlagen, beispielsweise für das Wasser- und Abwassernetz, das Daten- und Stromnetz oder die weit verzweigten Dampfleitungen“, erklärt Günther Schweinfurth die Aufgaben der Facility Manager. Er ist für das Computer Aided Facility Management (CAFM) zuständig.

Eine umfassende Aufgabe, immerhin bedeutet das alleine beim Kanalnetz, über 40 km Leitungen im Griff zu behalten. Sieben verschiedene Abwassernetze betreuen die FM-Experten, denn in dem Chemiewerk sind saure und alkalische Abwässer getrennt, ebenso Regen- und Kühlwasser sowie das Netz für Fäkalabwässer.

Während die Abwässer aus den sanitären Anlagen ins städtische Netz geleitet werden, die anderen Abwässer werden getrennt gefördert. Das Wasser, das Allessa Chemie ausschließlich zu Kühlzwecken dem Main entnimmt, passiert Filteranlagen und wird dem Fluss wieder zugeführt. Auch das Regenwasser wird, wenn es rein genug ist, in dem Main geleitet. Ein Überwachungssystem stellt die geforderte Reinheit sicher. „Die alkalischen und sauren Abwässer gelangen in die werkseigene biologische Aufbereitungsanlage, die zwei Reaktoren besitzt“, erklärt Schweinfurth.

Um bei den verästelten Strukturen den Überblick zu behalten, besitzen die Facility Manager ein Informationssystem. In ihm sind Leitungen und die zugehörigen Anlagen dokumentiert. Alle Änderungen werden hier erfasst, ebenso Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten. Seit 1992 pflegen die Mitarbeiter der FM-Abteilung die Daten von Planern und Instandhaltern in der Software ein. Bei jeder Umbaumaßnahme, jedem Aufriss wurde genau festgehalten, wo sich die Leitungen befinden. So können die Störtrupps bei Reparaturmaßnahmen exakt an der richtigen Stelle graben - unnötige Aufrisse sind Vergangenheit.

Im CAD sind aber nicht nur die Abwasserkanäle gespeichert. Auch Informations- und Telekommunikations- sowie Energienetze sind hier erfasst. Zwar ist die Abteilung FM nicht für den Betrieb dieser Netze verantwortlich, doch die Dokumentation macht sie für die anderen Sparten mit. „Das ist effektiver, als wenn jeder Bereich seine eigenen CAD-Daten vorhalten müsste“, argumentiert Schweinfurth.

Der Startschuss für die elektronische Dokumentation fiel vor etwa zehn Jahren mit der Anschaffung der CAD-Software Microstation von Bentley Systems. Bei der Kanaldokumentation entschlossen sich die Verantwortlichen bei Allessa Chemie für Lids (Leitungs-Informations- und Dokumentations-System), ein Produkt der Berit GmbH in Mannheim. Neben der Lage der Leitungen hält dieses Programm auch die Sachdaten, etwa die Art des Kanals, sowie eventuelle Schadensmeldungen und Prüfberichte fest. Zudem ist hier das Timing für Inspektionen der Kanalisation eingetragen.

Im Laufe der Jahre kamen die anderen Sparten dazu: Heute sind die Leitungen für Wasserversorgung und Gas hier hinterlegt. Außerdem pflegt Allessa Chemie mit der Software ihr Emissionskataster, die Grundpläne und seit 1997 auch das Strom- und Kommunikationsnetz. Vor zwei Jahren komplettierte die Sparte Dampf das Spektrum. Zur Pflege der Daten stehen je zwei Bedienplätze in beiden Werksteilen zur Verfügung. Die vier Rechner arbeiten auf einen gemeinsamen Server.

Früher lief Lids auf Unix-Workstations. „Damals dauerten die Berechnungen allerdings sehr lange“, erinnert sich Schweinfurth. Auf den heutigen Personal Computern unter Microsoft Windows NT jedoch ist die Geschwindigkeit kein Problem mehr. Kopfzerbrechen bereitet ihm gelegentlich die Pflege des Systems, wenn es um die Anbindung an fremde Software geht. „Bei Release-Wechseln zum Beispiel stoßen wir gelegentlich auf Probleme“, sagt er. Doch dank kompetenter Hilfe ließen sich auch diese Klippen umschiffen. Mit Microstation Geographics hingegen harmoniert Lids gut, die beiden Tools arbeiten quasi Hand in Hand. So lassen sich beispielsweise die in Microstation erstellten Flächenpläne (Grünflächendokumentation) in Lids für Plots vorbereiten.

Erwähnenswert sei außerdem, dass binnen der zehn Jahre, die das Chemiewerk nun mit Lids arbeitet, keine Konvertierung der Daten notwendig war, hebt Schweinfurth hervor. „Lids+, das heute bei uns in der Version 4.2 zum Einsatz kommt, ist abwärtskompatibel zu den Vorgängern.“ Das Pluszeichen steht für eine Generation, die sowohl die alphanumerischen als auch die grafischen Daten in einer gemeinsamen Datenbank ablegt. So entfällt der zusätzliche Pflegeaufwand für die Grafikdaten.

Trotz mancher Kritikpunkte resümiert Schweinfurth: „Im Großen und Ganzen sind wir mit Lids zufrieden.“ Seiner Meinung nach ist die Software für ein Chemiewerk dieser Größenordnung sogar nahezu ideal. „Besonders die Flexibilität und Vielseitigkeit des Produkts hat uns überzeugt“, lobt er und nennt handfeste Argumente für den Einsatz einer derartigen Software: „Mit Hilfe von Lids+ können wir das Planwerk besser und vollständiger, vor allem aber zeitnah pflegen.“

Zudem mache sich die Zeitersparnis positiv bemerkbar, erklärt Schweinfurth. Beispielsweise dauere es heute nur einen Tag, die turnusmäßigen Kanalberichte anzufertigen. Früher seien satte zwei Mannwochen dafür angesetzt worden. Der Facility Manager schätzt außerdem die präzisere Auskunft über Lage und Qualität der Netze. „Das erlaubt eine einfachere Pflege und schnellere Störungsbehebung vor Ort.“ Weiteren Nutzen möchten Schweinfurth und seine Kollegen generieren, indem sie die raumbezogenen Daten über das Intranet auch anderen Abteilungen zur Verfügung stellen.

Erschienen in Ausgabe: 12/2001