Impulse für das Outsourcing

Spezial IT

Studie - Immer mehr EVU vergeben ihre Abrechnungsprozesse an externe Dienstleister. Ein Grund sind steigende Anforderungen.

04. Oktober 2010

Umstrukturierungen und langwierige Prozessanpassungen aufgrund Änderungen beim Energiewirtschaftsgesetz und der Mess-Zugangsverordnung, etwa im Rahmen des Unbundlings, binden in zunehmendem Maße Personalressourcen bei Energieversorgungsunternehmen. Dies führt verstärkt zu einer Fremdvergabe auch bei den Informationstechnologien, insbesondere im Bereich der Abrechnungs-IT.

Das ist ein Ergebnis der Studie ›IT-Outsourcing in der Energiewirtschaft‹ vom Marktforschungsinstitut trend:research. Außerdem sind die befragten IT-Dienstleister, IT-Berater und Systemhersteller jeweils mehrheitlich der Ansicht, dass der aktuell intensive Wettbewerb in der Branche auch in den nächsten zehn Jahren anhält. Ähnlich schätzen die EVU die Wettbewerbsintensität ein. Grund für die deutliche Konkurrenz ist laut Studie das relativ begrenzte Marktvolumen.

Im Rahmen der Untersuchung wurden unter anderem Experten von Energieversorgern dazu befragt, inwieweit in ihrem Unternehmen in den einzelnen Prozessen der jeweiligen Wertschöpfungsstufen etwa Erzeugung und Handel, Vertrieb, Netze sowie Abrechnung eine Zusammenarbeit in Form einer Kooperation oder eines Outsourcing der IT aktuell stattfindet.

Dabei zeigte sich, dass mit 58% mehr als die Hälfte der befragten 33 Unternehmen im Bereich IT in der Abrechnung mit Dienstleistern oder Partnern auf der Basis von Kooperationen oder Outsourcing zusammenarbeiten. Diese EVU wurden weiterhin bezüglich der Ausgestaltung der jeweiligen Kooperationen oder Fremdvergaben befragt. 55% aus dieser Gruppe haben dabei ihre IT-Prozesse im Bereich Abrechnung teilweise fremd vergeben und 28% bereits ein komplettes Outsourcing durchgeführt.

IT-Ressourcen reichen nicht

Die Zusammenarbeit bei IT-Prozessen und -Anwendungen erfolgt im Bereich der Abrechnung dabei vorrangig mit IT-Dienstleistern. Weiterhin arbeiten die EVU mit Rechenzentren und in geringerem Umfang mit IT-Herstellern und anderen Energieversorgern zusammen.

Insbesondere das ›Infrastructure Outsourcing‹ wird bei den EVU in Anspruch genommen. Hierbei werden sowohl die Wartung als auch der Betrieb der Infrastruktur bei jeweils 60% durch externe Dritte durchgeführt. Die Übertragung ganzer Prozesse im Bereich Abrechnung bei ›Business Process Outsourcing‹ (BPO) erfolgt bei 60%.

Der relativ hohe Grad der Fremdvergabe weist auf den Umstand hin, dass die Prozesse vor allem im Bereich Abrechnung zu einem großen Teil auf IT basieren. Innerhalb der Abrechnung stellt die Abrechnungs-IT und hier insbesondere die Betreuung, Wartung und Vorhaltung der IT einen wesentlichen Teilprozess dar.

Zudem sind in diesem Bereich derzeit viele gesetzliche Änderungen in Kraft getreten oder treten demnächst in Kraft, beispielsweise die Umsetzung des Unbundling oder die Vorgaben für die Energiebelieferung von Kunden bei Strom und Gas, der GPKE und der GeLi Gas. Diese Änderungen sind nach Ansicht der Versorger ohne Unterstützung von Dritten in der vorgegebenen Zeit nur schwer umzusetzen. Darüber hinaus wird mit der Einführung von Smart Metering eine stark zunehmende Datenflut erwartet, die die Unternehmen intern mit den vorhandenen IT-Ressourcen kaum bewältigen können.

In der Studie wird außerdem die Entwicklung des Marktes für IT-Outsourcing in Deutschland bis 2020 in verschiedenen Szenarien prognostiziert. Dabei wurden unterschiedliche Ausprägungen der Markttreiber und -hindernisse, deren Einfluss auf die Entwicklung der Fremdvergabe sowie das Marktvolumen für IT-Lösungen berücksichtigt.

Das Marktvolumen für IT-Lösungen in der Energiewirtschaft steigt etwa im Referenzszenario, das die wahrscheinlichste Entwicklung des Marktes aufzeigt, moderat von aktuell 2,4Mrd. auf rund 3,3Mrd.€ bis 2020.

Zunahme der IT-Budgets

»Im Prognosezeitraum bis zum Jahr 2020 wird in den Teilprozessen der Abrechnung vor allem der Einsatz von Smart Metering langfristig starke Impulse im Bereich IT bei den EVU setzen«, stellen die Autoren der Studie fest. »Es kann weiterhin erwartet werden, dass es in diesem Bereich zu einer stärkeren Systemvereinheitlichung kommt.« Der Zwang zu einer höheren Standardisierung und Automatisierung verstärke die Tendenz zur Fremdvergabe an externe Dienstleister.

Chancen im IT-Outsourcing in der Energiewirtschaft entstehen aus Sicht der befragten Unternehmen vor allem durch gesetzliche Vorgaben sowie durch internetbasierte Technologien. »Zugleich ergeben sich Risiken durch eine Verschärfung der Anforderungen durch gesetzliche Rahmenbedingungen und Beschlüsse der Bundesnetzagentur sowie durch das steigende Abhängigkeitsverhältnis der EVU von externen Dienstleistern«, stellen die Autoren fest.

Durch den Einsatz von spezialisierten Dienstleistern könnten sich EVU zwar einerseits auf ihre Kerngeschäfte konzentrieren und Prozessanpassungen schneller umsetzen. Allerdings bestehe andererseits die Gefahr einer zu großen Abhängigkeit vom Dienstleister und damit verbunden ein Know-how-Verlust. Weiterhin könne sich mangelhafte Qualität der Dienstleistungen Externer negativ auf das Image des EVU auswirken.

In den kommenden Jahren kann ungeachtet der benannten Risiken neben einem Anstieg von IT-Outsourcing nach Ansicht der Befragten von einer Zunahme der Budgets in den Bereichen Software und Service und von einem stabilen Budget im Bereich Hardware ausgegangen werden, was weitere Potenziale für die Dienstleister verspricht. <

Erschienen in Ausgabe: 08/2010