23. OKTOBER 2018

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Abschalten – Umweltverband legt Plan
für Ausstieg vor


Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat einen Abschaltplan für Atom- und Kohlekraftwerke vorgelegt. Der Verband hat eigenen Angaben zufolge eine konkrete Leistungsbilanz erstellt und nennt Kraftwerke sowie Jahreszahlen für die Abschaltung.

Im Fokus stehen dabei die Jahre 2020 und 2023. Die Analyse zeige, dass das Stilllegen der klimaschädlichsten Kohlekraftwerke bis 2020 und eine deutliche Beschleunigung des Atomausstiegs in Deutschland möglich sind, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden, wie die Naturschutz-Organisation weiter mitteilt.


Die Berechnungen der Leistungsbilanz würden hauptsächlich auf Werten etwa der Bundesnetzagentur oder der Übertragungsnetzbetreiber basieren. Abweichungen und andere Annahmen würden begründet.

Politik soll Erneuerbar-Ausbau vorantreiben

"Deutschland hat im ersten Quartal 2018 im Durchschnitt die Stromproduktion von fünf großen Kraftwerken exportiert. Allein vor diesen Hintergrund erstaunt es, dass die neue Bundesregierung sich nicht auf die kurzfristige Stilllegung der klimaschädlichsten Kohlekraftwerke verständigt hat", so der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. "Wir wollen mit unserer Analyse zeigen, dass viel mehr möglich ist, wenn der politische Wille dazu vorhanden ist."


Im Ergebnis gehe der Leistungsüberschuss in Deutschland laut dem Verband zwar zurück, aber die Versorgung bleibe auch in Stunden ohne Sonne und mit wenig Wind gewährleistet, wenn die Politik nicht weiter abwartet, sondern flankierend zu den Abschaltungen die Energiewende aktiv voran bringt.


"Es geht darum, die erneuerbaren Energien engagiert weiter auszubauen und die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine Energiewende, die im Wesentlichen auf Windenergie und Photovoltaik basiert, zu schaffen", so Weiger.


Dies bedeutet laut dem Verband einen Ausbau von flexiblen dezentralen KWK-Kraftwerken, eine Reduktion des Stromverbrauchs, eine optimierte Auslastung der Stromnetze und eine deutliche Steigerung der Möglichkeiten zur Lastreduktion.


In einer Abschaltliste für Kohlekraftwerke schlägt der Umweltverband die Blöcke vor, die als erstes vom Netz müssten, um das Klimaziel 2020 erreichen zu können. Es geht um alle größeren Kohlekraftwerke, die vor 1990 ans Netz gegangen sind, um so die Kohlekapazität am Strommarkt auf 20 Gigawatt zu reduzieren.


Als eine neue Maßnahme zur Ermöglichung eines sozialverträglichen Kohleausstiegs und der Absicherung der Versorgungssicherheit in Extremsituationen schlägt er die Einführung einer zusätzlichen Kohleausstiegsreserve in Höhe von sechs bis acht Gigawatt vor.  Der BUND stellt den Abschaltplan hier auf seinen Internetseiten zum Download bereit.

BDEW: Bis 2023 Unterdeckung gesicherter Leistung

BDEW-Chef Kapferer reagierte mit Unverständnis auf die Abschaltliste: "Die Rechnung des BUND ist für uns nicht nachvollziehbar. Der Trend zum Abbau gesicherter Erzeugungskapazitäten setzt sich unvermindert fort, wie die aktuelle BDEW-Kraftwerksliste zeigt: Die heute noch bestehenden Überkapazitäten werden in wenigen Jahren nicht nur vollständig abgebaut sein. Vielmehr laufen wir sehenden Auges spätestens im Jahr 2023 in eine Unterdeckung bei der gesicherten Leistung."


Dem bis 2023 zu erwartenden Zubau an Kraftwerkskapazität in Höhe von etwa 4.400 MW stünden bereits absehbare und schon erfolgte Stilllegungen mit einer Kapazität von rund 18.600 MW gegenüber. Damit sinke bis 2023 die konventionelle Kraftwerkskapazität von heute knapp 90.000 MW auf 75.300 MW.


"Die Bundesnetzagentur geht in ihren Prognosen davon aus, dass die höchste Stromnachfrage in Deutschland  zu Beginn der 2020er Jahre bei etwa 81.800 MW liegen wird", so Kapferer weiter. "Dieser Wert wird nur noch dadurch erreicht, dass weitere bereits zur Stilllegung angezeigte Kraftwerke nicht vom Netz genommen werden dürfen, da sie als systemrelevant für die Versorgungssicherheit eingestuft werden."


Die BNetzA hat Ende April den Netzreservebedarf für den kommenden Winter und den Winter 2020/2021 bekannt gegeben. Energiespektrum berichtete in dieser Meldung darüber.
 

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