IT muss verschiedene Kundenbedürfnisse bedienen

Management Energieeffizienz

Stadtwerke - Für Versorger, die Kunden beim Thema Effizienz unterstützen wollen, gibt es einiges zu beachten. Effizienzanalysen sind oft nur auf ein bestimmtes Segment zugeschnitten. Eine Lösung kann ein Portal sein.

28. Mai 2013

»Die richtige Antwort auf steigende Strompreise ist Energieeffizienz. Die Unternehmen haben die Chancen und Potenziale erkannt und verstärkt in die energetische Optimierung von Anlagen und Systemen investiert«, so Annegret Agricola, von der Deutschen Energie-Agentur dena. »Wichtig ist, nicht nur die Investitionen zu erhöhen, sondern auch die Qualität der Energieeffizienzmaßnahmen sicherzustellen. Die Nutzung eines betrieblichen Energiemanagements ist wesentliche Voraussetzung, um vorhandene Effizienzpotenziale effektiv zu erschließen.«

Dass es Marktpotenzial für solche Energiedienstleistungen gibt, zeigt auch die Umfrage der dena unter Betrieben aus Industrie und produzierendem Gewerbe: Demnach haben die Unternehmen eigenen Angaben zufolge in den vergangenen zwei Jahren durchschnittlich 50.000€ für Energieeffizienzmaßnahmen ausgegeben. 2011 lag dieser Wert noch bei 30.000€. Auch in Zukunft planen die Betriebe Investitionen in Energieeffizienz, 65% wollen weitere Maßnahmen realisieren.

»Noch vor wenigen Jahren existierte kundensegmentübergreifend ein starkes Wissensgefälle beim Thema Energieeffizienz. Im Zuge der medial präsenten Energiewende-Debatte und dem damit einhergehenden politischen Schlingerkurs hat sich dies jedoch drastisch geändert«, betont Tobias Gruß, Director Energy Efficiency Solutions von BI Business Intelligence.

Es sei auch zu erkennen, dass spätestens nach einem persönlichen Gespräch eine große Bereitschaft zu weiteren Schritten besteht. »Zumal eine erste Grobanalyse relativ einfach zu implementieren ist – schließlich sind sowohl RLM-Zählerdaten als auch Zählerstrukturen in den IT-Systemen der Energieversorger vorhanden.«

Für EVU, die ihre Kunden beim Thema Energieeffizienz mit Produkten unterstützen wollen, gibt es dabei einiges zu beachten. »Zunächst einmal sollten die Zielgruppen festgelegt werden, also zum Beispiel: welche Unternehmen will man ansprechen, welche Umsatzpotenziale je Zielgruppe werden veranschlagt, wie viele eigene Bestandskunden gehören zu der jeweiligen Zielgruppe«, erläutert Gruß das Vorgehen bei Entwicklung und Umsetzung eines Produktes. Dann können zielgruppenspezifische Business Cases festgelegt und Pilotkunden identifiziert werden.

»Gemeinsam mit den Pilotkunden würde das EVU idealerweise wichtigste Anwendungsfälle ausarbeiten, welche die hauseigene IT daraufhin in einen Anforderungskatalog überführt und gegebenenfalls ausschreibt.« Die Einführung des Systems und die Überprüfung der Systemfähigkeiten sollte gemeinsam mit Fachabteilung und IT geschehen. »Nach der Einführung eines Support- und Abrechnungsprozesses kann das flächendeckende Rollout an alle Kunden erfolgen.«

Aus heutiger Sicht sei zunächst die Konzentration auf RLM-Kunden, Filialisten und Gewerbe sinnvoll, denn diese hätten einen relativ schnell erfassbaren Mehrwert. »Im Bereich der Wohnungswirtschaft sind Angebote möglich, eine flächendeckende Umsetzung ist jedoch eher langfristig zu sehen.« Für Haushaltskunden gebe es weder einen finanziell darstellbaren Nutzen noch investitionssichere Zählertechnik. »Insgesamt sind den Produkt-Phantasien keine Grenzen gesetzt, was zählt ist die Ausrichtung auf eine reibungsfreie und möglichst langfristige Leistungserbringung.«

Für Zählerfernauslese (ZFA) oder Smart-Meter-gemessene Kundengruppen gestaltet sich das Schnüren eines Basisproduktes mit detaillierter Lastgang- und Lastspitzenanalyse relativ einfach, da alle benötigten Daten bereits vorhanden sind, so Gruß.

»Ob die Kunden des EVU das Basisprodukt bereits mit der Energielieferung oder erst gegen ein entsprechendes Entgelt erhalten, bleibt dem Energieversorger überlassen«, führt er weiter aus. »Durch gesonderte Freischaltung von Funktionen wie beispielsweise Lastgangdownload, Alarmfunktion oder Rechnungszugriff können bereits an dieser Stelle erste monetäre Diversifizierungen vorgenommen werden.«

Integration in die IT

Eine einfache Effizienzanalyse kann das EVU bereits durch prozentuale Anteilsbewertung der größten im Unternehmen des Kunden vorhandenen Energieverbraucher bewerkstelligen. »Hierfür sind jedoch entsprechendes Know-how und ein enger Kundenkontakt unabdingbar.« Die Visualisierung dieser virtuellen Untermessungen kann etwa Bestandteil eines auf dem Basispaket aufbauenden Produktes sein.

Spätestens wenn es um die Ableitung langfristiger Effizienzmaßnahmen geht, sei die Implementierung von messsystembasierten Untermessungen und der Abgriff von Produktionsdaten unabdingbar. »Durch die Bereitstellung von Zähler-Contracting-Modellen können eventuell abschreckende Erst-investitionskosten verlagert werden.«

Die Modellierung kundentypischer Kennzahlen und Merkmale führt zu einem erhöhten Aufwand bei Implementierung und Beratung. Dieser kann dann in einem weiteren vom Energieversorger angebotenen Produkt münden. Eine mögliche buchbare Zusatzoption könne etwa eine DIN EN ISO 50001 konforme Aufbereitung der kundenindividuell benötigten Kennzahlen sein.

»Die größten technischen Herausforderungen liegen im Umgang mit verschiedensten am Markt erhältlichen Untermesssystemen, welche kundenindividuell in das IT-System integriert werden müssen.« Des Weiteren könne die entstehende Datenmenge bei unzureichender Serverinfrastruktur zu Problemen führen. »Nicht zuletzt stellt auch die Gewährleistung einer möglichst intuitiven Bedienung trotz komplexer Sachverhalte und die Überwachung der Schnittstellenintegration eine Herausforderung dar.«

Die Effizienzanalysen, die es zurzeit gibt, sind zudem oft nur auf ein ganz bestimmtes Segment zugeschnitten. Innerhalb der EVU-eigenen IT-Landschaft sind im Standardfall ein Abrechnungssystem und ein EDM-System vorhanden. Würde für jede Zielgruppe ein eigenes System – zum Beispiel ein SLP-Kundenportal, Smart-Metering-Portal, RLM-Kundenportal und ein EMS-System – eingeführt, resultiert dies in der Anschaffung vier neuer Systeme. Inklusive Projekteinführung, Wartung, Schulungen und Betreuung, so Gruß. »Hinzu käme die Ausprägung von insgesamt rund sechs bis acht neuen Schnittstellen, da jedes der neuen Subsysteme in der Regel an das Abrechnungs- und das EDM-System angebunden werden muss.«

Alternativ zu den vier neuen Subsystemen könnte es ein zentrales Portal geben, welches alle Zielgruppen bedient. Die Anschaffungskosten und Schnittstellen fallen damit nur einmal an. Möglich werde dies, da das zugrunde liegende Prinzip der Effizienzanalysen ähnlich und damit generalisierbar ist: »Letztendlich handelt es sich immer um Zeitreihen, welche an Objekte mit bestimmten Merkmalen geknüpft sind. Sofern man beliebige Zeitreihen mit beliebigen Merkmalen beliebig verknüpfen kann, kann man jede Art von Auswertung ausgeben.«

Mehrkundenfähigkeit wichtig

Eine Anforderung sei außerdem die Mehrkundenfähigkeit des IT-Systems: Viele handelsübliche Effizienzsysteme stellen Analysefunktionen meist nur für ein Unternehmen bereit, EVU haben aber Hunderte von Kunden mit verschiedenen Bedürfnissen. »Um diese abzubilden, sollte die freie Definition von Einheiten, Zeitreihentypen, Kennzahlen, Strukturmerkmalen, Berichten und Analysen kundengetrennt möglich sein.«

Ein eingebauter Kommunikationsserver, der idealerweise mit geringem Aufwand um weitere Protokolle und Formate erweiterbar ist, ist für die Einbindung verschiedenster Untermesssysteme notwendig. »Aus Supportgründen sollte das System vollständig über den Browser bedienbar und selbsterklärend sein. Außerdem sind schnelle Ladezeiten trotz großer Datenmengen – etwa im Falle von Filialkunden – unabdingbar.« Bei dem Tool an sich sollte es sich um ein White-Label-Produkt handeln, damit es jeweils an das Corporate Design des EVU oder gegebenenfalls an das des Endkunden angepasst werden kann, empfiehlt Gruß.

Ein generelles Vorgehen für Effizienzanalysen, das für alle Zielgruppen gleich sei, gebe es nicht. »Grundsätzlich sollte das System die Bildung beliebiger Kennzahlen ermöglichen. Vor allem sollte es nicht nur auf spezielle Medien wie Strom und Wasser zugeschnitten sein und die freie Erstellung von Einheiten-, Zeitreihen-, und Kennzahltypen zulassen.«

Kongress

Controlling und Effizienz im Fokus

Am 18. September findet der BI.Energie Kongress in Leipzig statt, in dem auch das Thema Energiecontrolling und Energieeffizienz eine Rolle spielen wird. Im Fokus stehen zudem Projekte aus den Bereichen Risikomanagement und Risikocontrolling sowie Vertriebs– und Beschaffungscontrolling. Referenten von Stadtwerken und Energieversorgern unterschiedlicher Größe aus Deutschland und Österreich berichten von Herausforderungen, Meilensteinen sowie Problemen im Zusammenhang mit ihren Projekten.

Erschienen in Ausgabe: 05/2013