Kommunale Energie

Management - Energiesystem

Dezentrale Versorgung - BHKW, Biomasse, Wärmepumpen: Bundesweit nutzen Städte und Gemeinden den Stand der Technik für die Rekommunalisierung der Strom- und Wärmeversorgung.

30. November 2015

Mit dem Projektaufruf KWK-Modellkommune wurden Ende 2012 die Kommunen in Nordrhein-Westfalen durch das Landesumweltministerium aufgefordert, Vorschläge zur Weiterentwicklung der KWK einzureichen. Auch Krefeld bewarb sich in einem Konsortium aus Stadt, Stadtwerken und Hochschule Niederrhein. Es erhielt im November als erste Kommune den Zuwendungsbescheid in Höhe von rund 2,5 Mio. € aus dem Fördergeld-Topf.

Mini-BHKW in Krefeld

In Krefeld sollen mit dem Geld Mini-BHKW angeschafft und eine intelligente Wärmemanagementsteuerung entwickelt werden. »Mit der jüngsten Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes hat die Politik den klaren Fokus auf die Stärkung von KWK in der öffentlichen Versorgung gelegt. Daher freuen wir uns als Stadt Krefeld sehr, dass wir als eine der wenigen Kommunen mit diesem innovativen Konzept ausgewählt worden sind«, sagt Umweltdezernent Thomas Visser.

Im virtuellen Verbund

Die Mini-BHKW haben eine Leistung von 5 bis 50 kW. Im Fokus steht die wirtschaftlich orientierte Betriebsführung der Mini-BHKW.

Die Aggregate werden über ein virtuelles Kraftwerk gesteuert. Das Betriebsverhalten wird täglich für den Folgetag berechnet und den Anlagenkomponenten vorgegeben. Zuvor wurde das KWK-Ausbaupotenzial der einzelnen Quartiere in Krefeld analysiert. Krefeld ist in vielen Gebieten mit Fernwärme versorgt, ausgenommen die dünner besiedelten Randgebiete. Ziel ist es, bis zur Heizperiode 2016 auf 2017 zwei Mini-BHKW mit einem intelligenten Wärmemanagementsystem in Betrieb zu nehmen. Als Pilotanlagen wurden ein Schwimmbad sowie ein Mehrfamilienhaus mit mehr als 50 Parteien ausgewählt. 2017 sollen circa acht weitere Anlagen folgen. Die Stadtwerke Krefeld wollen die wirtschaftlich orientierte Betriebsführung der Mini-BHKW bis Mitte 2018 zur Marktreife weiterentwickeln; Ziel ist ein neues Geschäftsmodell, um die Energiewende vor Ort voranzubringen.

Biowärme in Teningen

Das hat die badische Gemeinde Teningen-Oberdorf bereits getan. Die Kommune dezentralisierte die Wärmeversorgung und stellte die Feuerung auf Bioenergie um. Das Projektvolumen betrug 2,4Mio.€. Um die Anwohner für das Vorhaben zu gewinnen, setzten die Projektpartner auf Transparenz und Bürgerdialog.

Angeschlossen an das Netz sind 176 Haushalte, ein Schulzentrum sowie zwei Kindergärten, so das Beratungsunternehmen Endura Kommunal, ein Mitinitiator des Projekts. Netzbetreiber ist die bürgerorientierte Gesellschaft Nahwärmeversorgung Teningen. Das Nahwärmenetz ersetzt umgerechnet 295.000l Heizöl und verhindert 1.058t CO2 pro Jahr, so Endura Kommunal.

Das Unternehmen übernahm unter anderem die Erstellung des Quartierskonzepts sowie die Bürgerkommunikation. Darüber hinaus beteiligte es sich mit 24% an der Nahwärmeversorgung Teningen GmbH. 76% verblieben in der Hand der Gemeinde.

Die Gemeinde Wiernsheim in Baden-Württemberg wurde im Oktober von der Agentur für erneuerbare Energien zur Kommune des Monats gewählt. Im der Devise Fördern statt Fordern wurden bereits über 190 Wärmepumpen in dem 6.500-Einwohner-Ort im Enzkreis installiert. 

 

Erschienen in Ausgabe: 10/2015