26. MAI 2018

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Geteilte Arbeit


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Bundesweit müssen Messstellenbetreiber millionenfach Zählerplätze umrüsten. Dabei sind effiziente Prozesse wichtig. Ein auf die neuen Anforderungen optimiertes Workforce-Management-System kann hier unterstützen. Damit Unternehmen auch Aufträge nach außen geben können, sollte das System mandantenfähig sein.
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Die Digitalisierung der Energiebranche und der damit verbundene Smart-Meter-Rollout wird von Energieversorgern mitunter als eine gesetzlich auferlegte Bürde wahrgenommen. Seltener wird das Potenzial erkannt, das der Umstieg mit sich bringt: Während die Stromzähler der alten Welt zumeist nur einmal im Jahr abgelesen werden, liefern digitale Zähler durch Messabstände im 15-Minutentakt Datensätze von über 35.000 Datenpunkten im Jahr.

Dies führe über kurz oder lang zu neuen Serviceangeboten der Versorger für Stromkunden, sagen Experten. Der Rollout sei für Energieversorger daher Herausforderung und Chance zugleich. Ganz oben auf der Liste der Herausforderungen steht das Management des Rollouts. Bundesweit müssen die Messstellenbetreiber millionenfach Zählerplätze umrüsten. Eine Mammutaufgabe, die Jahre dauern wird.

Die Kommunikation muss stehen

Co.met aus Saarbrücken hat für das Rollout-Management sein mobiles Workforce-Management-System Co.mobile komplett überarbeitet; seit Jahresbeginn läuft der Verkauf von Co.mobile 4.0. »Prozesse und Workflows können frei angepasst werden und sind dadurch multi-einsatzfähig«, sagt Peter Hennrich, Leiter Vertrieb von Co.met. »Co.mobile 4.0 leitet die Mitarbeiter schnell und sicher durch Prozesse.« Die Lösung bestehe aus einem Backend für den Disponenten in Form von Software-as-a-Service (SaaS) und einer App für die mobilen Mitarbeiter. Das Backend erlaubt dem Sachbearbeiter im Innendienst, Aufträge vom System entgegenzunehmen, diese mit fehlenden Informationen zu erweitern und sie anschließend an einen Außendienstmitarbeiter zu übermitteln.
Nachdem der Auftrag vor Ort bearbeitet ist, können die Ergebnisse geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden.
Das System unterstützt die Techniker etwa bei Ablesung, Montageprozessen, beim Einbau von Smart-Meter-Gateways sowie deren Erstinbetriebnahme und beim Lagermanagement. »Der effiziente Umbau einer Messstelle hin zu einem intelligenten Messsystem ist einer der wichtigsten Schritte im Rollout«, so Hennrich. »Um den Anschluss eines Smart-Meter-Gateways vor Ort an der Messstelle erfolgreich abschließen zu können, haben unsere Entwickler spezielle Funktionen zur Live-Inbetriebnahme des Gateways durch den Monteur in der App integriert.«
Speziell die Erstinbetriebnahme hat ihre Besonderheiten. Zentraler Bestandteil der intelligenten Messsysteme ist die Kommunikationsverbindung. Der Monteur muss sicherstellen, dass jeder Zähler als auch jedes Gateway der Anlage zuverlässig Daten übermittelt, sprich, die Verbindung funktioniert. Erst wenn der Gateway-Administrator bestätigt, dass alle angeschlossenen Geräte im System identifiziert wurden, ist die Erstinbetriebnahme abgeschlossen der Techniker kann sich den nächsten Fall vornehmen.
Wenn es in der App heißt ›Profile überspielt‹, ist die Kommunikation einwandfrei. Die App zeigt jeden Zähler beziehungsweise jedes Gateway der Anlage einzeln an, damit der Monteur weiß, ob jedes Gerät auch eine funktionstüchtige Verbindung hat. Erst wenn diese für alle Geräte vorliegt, ist die Arbeit getan. So ist ausgeschlossen, dass zum Beispiel in einer Anlage mit fünf Gateways nur drei oder vier einwandfrei mit dem Administrator kommunizieren.
Treten während der Inbetriebnahme bei der Gateway-Kommunikation Fehler auf, werden die verantwortlichen Fachabteilungen remote informiert und können unterstützend tätig werden. Gleiches gilt auch für die Entstörung eines bereits in Betrieb befindlichen Gateways. »Teure Mehrfachanfahrten durch den Monteur können so vermieden werden«, so Hennrich.

6,5 Millionen Pflichteinbauten

Der Smart-Meter-Gateway-Administrator ist entweder der Messstellenbetreiber oder ein Unternehmen, das vom Messstellenbetreiber beauftragt wurde. Er ist für den sicheren technischen Betrieb des intelligenten Messsystems verantwortlich. »Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Inbetriebnahme, Konfiguration und Wartung des Smart-Meter-Gateways sowie die informationstechnische Anbindung von Messgeräten und von anderen an das Smart-Meter-Gateway angebundenen technischen Einrichtungen«, so die Bundesnetzagentur.
Nur sieben von 899 Stromnetzbetreibern wollen künftig die intelligenten Messstellen in ihren Netzen nicht in eigener Zuständigkeit betreiben. Das gab die Behörde im Herbst 2017 bekannt. »Diese Zahl macht deutlich, dass sich die Netzbetreiber dieser Aufgabe gewachsen fühlen«, so BNetzA-Präsident Jochen Homann.
Die Unternehmen gehen von voraussichtlich 6,5 Millionen Pflichteinbaufällen aus, so die BNetzA. Um einen solchen Pflichteinbaufall handelt es sich bei Verbrauchern mit mehr als 6.000 kWh Jahresverbrauch, bei Erzeugungsanlagen mit einer installierten Leistung größer 7 kW und bei sogenannten steuerbaren Verbrauchseinrichtungen, die nach dem Energiewirtschaftsgesetz ein reduziertes Netzentgelt in Anspruch nehmen.
Bei der Weiterentwicklung der mobilen Lösung legte Co.met den Schwerpunkt auf die Umsetzung der Aufgaben und Anforderungen, die der bevorstehende Rollout intelligenter Messsysteme und moderner Messeinrichtungen für ein Workforce-Management-System vorgibt, so das Unternehmen. Aus diesen Anforderungen und Weiterentwicklungen sei auch das Inventarisierung-Tool entstanden, das den aktuellen technischen Zustand der umzubauenden Messstelle erfasst und die Informationen aufbereitet darstellt. Außerdem werden weitere Informationen wie Feldstärke oder Zugang zur Messstelle erfasst, als Vorbereitung für einen effektiven zukünftigen Zählerwechsel.


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Ausgabe:
es 01/2018
Bilder:
Illustration: Sanda Kantoci
Bild: Co.met

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