24. JUNI 2018

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Infrastruktur - Der Dieselskandal hat den Handlungsbedarf verdeutlicht: Ohne Verkehrswende bleibt die Luft in den Innenstädten, wie sie ist – zu schlecht. Elektroautos sorgen für Abhilfe, aber dazu braucht es auch ein belastbares Stromnetz. Die Hannover Messe widmet dem Zusammenhang einen neuen Ausstellungsbereich.
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Droht der E-Mobilitäts-Blackout? Im Januar sorgten Schlagzeilen wie diese für viel Aufsehen. Eine Unternehmensberatung hatte in einer Untersuchung festgestellt, dass der Ausbau der E-Mobilität nur dann wie geplant gelingt, wenn das Stromnetz dazu auch in der Lage ist.

»2035 wird mehr als jedes dritte Auto auf deutschen Straßen ein E-Auto sein. Für diese Menge an Elektromobilen ist das Niederspannungsnetz im deutschen Stromnetz nicht ausgelegt«, so das Beratungsunternehmen Oliver Wyman. In Stadtrandlagen mit einer hohen Affinität der Bevölkerung zur Elektromobilität würde bereits in fünf bis zehn Jahren eine E-Auto-Quote von 30 Prozent erreicht werden und damit zu punktuellen Stromausfällen führen, heißt es.

Intelligente Netzsteuerung

Was tun? Die Berater empfehlen den Netzbetreibern, eine intelligente Netzsteuerung zu entwickeln mit dem Ziel, dass die Unternehmen flexibel mit dem Strombedarf der Autos umgehen können. »Durch die Flexibilisierung wird die Netzauslastung über einen längeren Zeitraum verteilt, sodass es zu keiner Netzüberlastung kommt«, heißt es in der Untersuchung von Oliver Wyman.


Das Beispiel zeigt: Es nützt das beste E-Auto nichts, wenn die Infrastruktur unzureichend ist. Beides sind zwei Seiten einer Medaille. Mit der Montage einer Ladesäule ist es nicht getan. Im Gegenteil. Dann beginnt für die Netzbetreiber erst die eigentliche Herausforderung.
Für die Verkehrswende reicht es nicht aus, möglichst viele Autos mit E-Motor oder Brennstoffzelle auf die Straße zu bringen.


Der Zusammenhang zwischen Verkehrswende und Infrastruktur ist auch Thema eines neuen Ausstellungsbereichs auf der Energy als Teil der Hannover Messe.

Infrastruktur für Verkehrswende

»Die zunehmende Urbanisierung und die damit verbundene Konzentration von Emissionen verlangen nachhaltige Fahrzeugkonzepte und bedarfsgerechte Mobilitätslösungen«, heißt es in einer Mitteilung der Messe.
Mit dem neuen Ausstellungsbereich Electric Transportation Systems greift die Energy diese Entwicklung auf und zeigt innovative Elektromobilitäts- und Verkehrskonzepte, heißt es.


»Der Markt für die Elektromobilität wächst weltweit und bietet neben der individuellen Mobilität weitere spannende Anwendungsbereiche«, sagt Benjamin Low, Global Director Energy bei der Deutschen Messe AG.


In den kommenden Jahren sei mit massiven Investitionen in die Energieinfrastruktur zu rechnen. Damit wird der Verkehrssektor integraler Bestandteil des Energiesystems. »Die dazu nötigen Ideen und Lösungen werden auf der Energy im Bereich Electric Transportation Systems gezeigt,« so Low. Dabei geht es neben der individuellen Mobilität um den öffentlichen Personen- und Warentransport, um die Zustellung auf der letzten Meile sowie um die grundsätzliche Ausgestaltung von Transportlösungen.


Im Mittelpunkt steht dabei nicht das Fahrzeug, sondern vielmehr die benötigte Infrastruktur, die in das Energiesystem der Zukunft eingebettet sein muss. Für diese nachhaltige Vernetzung bedarf es mehr klimaneutral erzeugter Energie sowie entsprechender politischer Rahmenbedingungen.
Denn die großen Mengen an Strom, die künftig gebraucht werden, können nur über erneuerbare Energiesysteme erzeugt werden.


Aussteller zeigen den Stand der Technik in Sachen Transportsysteme, Infrastrukturlösungen, Verkehrssysteme und Ride and Drive. Teil der Themenausstellung ist zudem ein Forum, auf dem Experten Lösungen im Detail vorstellen.

Wie geht Sektorkopplung?

»In Hannover konzentrieren wir uns nicht auf das Auto, sondern auf die Infrastruktur, die erforderlich ist, damit Verkehrs- und Energiewende ineinandergreifen können«, sagt Low. »Und wir zeigen, wie die Sektorkopplung funktioniert.« Aus diesem Grund befindet sich der neue Ausstellungsbereich mit dem Sammelbegriff Mobilität auch in der Nähe der sogenannten Integrated Energy Plaza in Halle 27.


Besucher bekommen hier einen Eindruck von den Chancen und Möglichkeiten der zukünftigen Energiewelt.


Dazu gehören unter anderem Geschäftsmodelle, die aus der Kopplung von Strom-, Wärme-, Kälte- und Mobilitätsmarkt entstehen. Ferner Lösungen für die Integration, Steuerung und intelligente Vernetzung dezentraler Erzeuger, Lösungen für Netzstabilität bei erhöhtem Anteil erneuerbarer Energien, Energiemanagement sowie Effizienz- und Flexibilitätspotenziale. »Die Integrated Energy Plaza zeigt Technologien und Projekte für die erneuerbare Erzeugung und das intelligente Management dezentraler Anlagen, seien es Erzeuger, Speicher oder Verbraucher«, so Low.

Dezentralität

Die Einsparungspotenziale in der energetischen Ausstattung von Büro- und Produktionsgebäuden sind enorm. »Bis 2050 können bis zu 50% des Energieverbrauchs in Gebäuden in Europa eingespart werden«, sagt Benjamin Low.
Allein in Deutschland können 25% bis 40% der Energie in Gebäuden durch intelligente Gebäudetechnik gespart werden, schätzen Experten.


Dafür investieren Unternehmen jedes Jahr zwischen 20 und30 Mrd. Euro. Die Planer der Hannover Messe zeigen deshalb in Halle 27 im Ausstellungsbereich Dezentrale Energieversorgung auch den Stand der Technik in der Gebäudeenergetik. Rund 30 Anbieter präsentieren unter anderem KWK-Anlagen, Software für zeitgemäßes Energiemanagement, Fotovoltaikanlagen, Wärmepumpen oder Building Information Modeling.


Das Forum des Ausstellungsbereichs in der Veranstaltungshalle bietet Zeit und Raum, damit Aussteller mittels Vorträgen oder Podiumsdiskussionen ihr Fachwissen an die Besucher weitergeben können. hd
www.hannovermesse.de


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Ausgabe:
es 02/2018
Bilder:
Bild: Rainer Jensen/Deutsche Messe
Illustration: Sanda Kantoci
Bild: Deutsche Messe

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