23. JUNI 2018

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Wir sind die Sonne


Digitales

Serie Sinteg - Im Süden Deutschlands arbeiten drei Bundesländer an intelligenten Energie-konzepten im Rahmen der Schaufenster-Projekte. Wichtiger Leitgedanke des Solarfensters C/sells ist, viele verschiedene Einzelakteure zu einem Movement für die Energiewende zusammenzuschließen.
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Die umweltfreundliche Energieversorgung der Zukunft hat mit der klimaschädlichen alten Energiewelt in etwa so viel gemeinsam wie das Smartphone mit einem Telegrafen«, so Baden-Württembergs Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller.

Künftig muss das Stromnetz ein schwankendes Angebot aus erneuerbaren Energiequellen in beide Richtungen zuverlässig transportieren. Um die Netze zu entlasten, sollten zudem zum Beispiel große Unternehmen mit flexiblem Stromverbrauch rechtzeitig Preissignale erhalten, damit sie Strom abnehmen, wenn Sonne und Wind besonders viel davon erzeugen.
»Unser sehr hohes Niveau an Versorgungssicherheit müssen wir dabei jederzeit gewährleisten«, so Untersteller. »Daher müssen wir in Zukunft in hoher Geschwindigkeit viel mehr Informationen austauschen und viel mehr Daten verarbeiten als früher, und das alles mit einem hohen Datenschutz-Standard. Was wir hierfür benötigen, sind intelligente, kommunizierende Netze, die Smart Grids.«

So entstehe zum Beispiel in Baden-Württemberg gemeinsam mit den Bundesländern Bayern und Hessen mit C/sells die größte Modellregion Deutschlands im Rahmen der Sinteg-Projekte (Schaufenster intelligente Energie) des Bundes. Im Gegensatz zu den anderen Projekten liegt in diesem Schaufenster der Schwerpunkt auf Solarenergie. 56 Partner aus Wissenschaft, Industrie und Netzbetrieb haben sich hier zusammengeschlossen.

München und Mannheim

Das C steht für die Zellen, aus der die gesamte Modellregion aufgebaut ist. Die Zellen können sowohl Erzeuger, Verbraucher, Netze und Speicher beinhalten. Diese befinden sich in räumlicher Nähe zueinander. Eine Stadt kann ebenso eine Zelle sein, wie ein Quartier oder ein Industriegebiet. Das sells steht für neue Geschäftsmodelle.

»Grundsätzlich basiert die C/sells-Leitidee auf der Vision eines Energiesystems, in dem sich viele verschiedene Einzelakteure zu einem Movement zusammenschließen und gemeinsam die Energiewende voranbringen«, so Dr. Albrecht Reuter, Gesamtprojektleiter des Schaufensters. Dabei spielen Lösungsansätze, die mit zellulär, partizipativ und vielfältig beschrieben werden können, eine Rolle.
Um diesem Movement-Gedanken gerecht zu werden, teilt sich das Projekt in zwei Arten von Zellen. In Demonstrationszellen sollen vielfältig strukturierte Energiesysteme entstehen. Sie demonstrieren technische Lösungen sowie Marktansätze, die die Beteiligten durch aktive Partizipation mitgestalten können. Mehr als 40 davon gibt es schon.

In Partizipationszellen sollen Bürger über Kommunikationskonzepte eingebunden und zum Mitmachen motiviert werden. Zehn gibt es derzeit, weitere Städte und Kommunen der drei Länder sind zum Mitmachen eingeladen.
»Jedes einzelne der unterschiedlichen Demonstrationsprojekte verfolgt zwar einen individuellen Ansatz und eigene Lösungsideen, steht aber aufgrund der grundlegenden gemeinsamen Schnittstellen im Verbund mit allen anderen Projektbeteiligten«, so Reuter. Themenschwerpunkte der Zellen sind etwa die Entwicklung eines effizienten Lastmanagements in Verbindung mit E-Mobilität und die Umsetzung und Erprobung regionaler Flexibilitätsmärkte.
Eines der Demoprojekte findet sich in München. Hier zeigt C/sells in einem Mietshaus das Potenzial einer Sektorkopplung von Strom und Wärme. Der Ansatz steht in Kombination mit intelligenten Mess- und Steuersystemen und Power-to-heat aus erneuerbaren Energien.

Einen anderen Schwerpunkt setzt das Projekt Franklin. In Mannheim entsteht unter diesem Namen ein neues Quartier. Hier stehen Menschen im Mittelpunkt, die Energie nutzen oder auch selbst erzeugen. »Die Digitalisierung gibt den Treibern des neuen Quartiers die notwendigen Werkzeuge an die Hand, um die Energieflüsse im Quartier allen Bewohnern in Echtzeit zugänglich zu machen«, so Reuter. Die Transparenz schaffe die Basis für eine optimale Steuerung und ermögliche eine ökologische Lokalversorgung.


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Ausgabe:
es 02/2018
Bilder:
Bild: cppzone/ fotolia.de
Schaubild: PPC AG
Bild: SmartGridsBW
Bild: cppzone/ fotolia.de

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