23. OKTOBER 2018

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H2-Zeitalter: Bitte einsteigen


Dossier

Wasserstofferzeugung mit Wind- oder PV-Strom gilt als Schlüssel für die Kopplung von Strom, Wärme und Verkehr. Viele Investoren warten darauf, dass der Markt anspringt. Branchenspezialisten bauen auf die Politik.
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15 Gigawatt (GW) installierte Leistung von Elektrolyseuren in Deutschland bis zum Jahr 2030 fordert die Deutsche Energie-Agentur (Dena) in ihrer aktuellen Leitstudie zur integrierten Energiewende. Eine ehrgeizige Zielmarke, gibt es doch derzeit rund 30 Pilotprojekte mit einer installierten Elektrolyseleistung von rund 25 Megawatt (MW) in Deutschland.

»Vom heutigen Standpunkt aus scheint dies sehr ambitioniert, macht vor dem Hintergrund eines realistischen Markthochlaufs bis 2050 jedoch Sinn. Technologien, Absatzmärkte und Infrastrukturen müssen sich schrittweise entwickeln können«, so Dena-Bereichsleiter Hannes Seidl.

Bis zum Jahr 2050 sind laut der Dena-Leitstudie in Deutschland Elektrolyseure mit einer Leistung von bis zu 63 GW installiert. Synthetische, erneuerbare Brenn- und Kraftstoffe decken einen jährlichen Bedarf von bis zu 908 Terrawattstunden (TWh).

»Ein Knackpunkt ist definitiv die bisher fehlende Skalierung. Dadurch, dass wir leider immer noch hauptsächlich über kleine Einzelprojekte sprechen, sind Anlagen teuer. Um die hohen Investitionskosten herunter zu bekommen, braucht es deshalb die Möglichkeit einer breiten Markteinführung mit mehr und vor allem auch größeren Anlagen«, so Seidl.

Hier beißt sich die Katze allerdings in den Schwanz. Denn eine breite Markteinführung ist derzeit noch nicht absehbar. Investoren wie große Banken oder Fonds halten sich zurück, weil der Business Case bisher fehlt. Die Deutsche Bank und die Meag Munich Ergo Assetmanagement, der Vermögensmanager der Munich Re und der Ergo Group, wollten sich auf Anfrage nicht weiter dazu äußern. Für Recap Global Investors ist das »Thema derzeit noch zu weit weg«, so Sprecherin Fabienne Fahrenholtz, man konzentriere sich auf Investments in Windkraft und Solaranlagen.

Hürden


»Uns sind derzeit keine institutionellen Investoren bekannt, die sich bereits in diesem Bereich engagieren. Große Investitionen in PtG-Anlagen werden aus unserer Sicht erst dann erfolgen, wenn mit einem wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen zu rechnen ist. Und dieser ist wiederum vom regulatorischen Rahmen abhängig«, sagt Christina Heß, Sprecherin der Initiative Zukunft Erdgas.

Bisher investieren große Banken oder Fonds nicht in Power to Gas (PtG), »weil die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen bisher nicht stimmen. Die Anlagen entstehen vielmehr auf Initiative von kleineren Betreibern oder von Tochterfirmen von Netzbetreibern. Die meisten Projekte werden durch Forschungsmittel unterstützt und sind vor allem Versuchsanlagen, die keinen dauerhaften Betrieb verfolgen«, sagt auch Janne Andresen, Referentin für Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy.


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Ausgabe:
es 07/2018
Bilder:
Bild: psdesign1/ fotolia.de

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