24. JUNI 2018

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Spielräume nutzen


Strategien zum Umgang mit der Regulierungsbehörde

Die Regulierung sieht vor, für den monopolisierten Teil der Energiewirtschaft einen Markt zu simulieren. Hierzu wird der Regulierer zukünftig Modelle, Vorgaben und Berichtsstrukturen entwickeln. Um die Entscheidungsräume bestmöglich nutzen zu können, ist eine genaue Kenntnis der Methoden wichtig.

Auf die Unternehmen kommt durch den Regulator eine Vielzahl von neuen Nachweis- und Auskunftspflichten zu. Hierfür bietet sich das Regulierungsmanagement an. Der Motor ist nicht nur die Versorgung der Regulierungsbehörde mit den abverlangten Informationen, sondern ebenfalls:
klare Handlungsanweisungen für Mitarbeiter an den Nahtstellen der entflochtenen Prozesse, um Organisationsverschulden zu vermeiden
der Aufbau einer einheitlichen Dokumentationsbasis als Informationsquelle für alle Mitarbeiter
die Schaffung eines Nachweises gegenüber ungerechtfertigten Schuldzuweisungen Dritter
die Möglichkeit zur zentralen Dokumentation und schnellen Analyse von Gesetzesänderungen und Ableitung von Anpassungserfordernissen.
Dazu ist die Kenntnis über die angewandten Verfahren der Regulierung für die Positionierung des ‚regulierten‘ Unternehmens in einem simulierten Marktumfeld wichtig. Da diese Modelle stabil anwendbar sein sollen, sind sie in aller Regel mit Freiheitsgraden ausgestattet und erlauben eine gewisse Bandbreite in der Interpretation der Ergebnisse. Unternehmen können nun diese Spielräume für sich nutzen.
Dies kann natürlich nicht als Ersatz für notwendige reelle Maßnahmen stehen, jedoch erlaubt es flexiblere Reaktionen auf den simulierten Markt. Orientiert man sich an den angewandten Verfahren in europäischen Nachbarländern, ergeben sich ein paar interessante Ansatzpunkte für die Nutzung der bestehenden Spielräume.
Ein mögliches Szenario: Bei einer möglichen Regulierung der Umsatz­obergrenze für das Netzentgelt wird für eine Zeitspanne ein maximaler Umsatz oder ein maximaler Preis vorgegeben, welcher von einem Netzbetreiber für die Nutzung des Netzes verlangt werden darf. Diese Preis-/Umsatzobergrenze wird unternehmensindividuell bestimmt. Die Netzgesellschaft oder der buchhalterisch und informatorisch entflochtene Netzbereich generiert seinen Gewinn dann aus der Differenz zwischen dem regulierten Netznutzungsentgelt und seinen aktuellen Kosten in der Vorgabeperiode.
Solcher Preisbestimmung wird ein Unternehmensvergleich, welcher den aktuellen Leistungsstand (Netzentgeltumsätze werden den Unternehmensleistungen und Strukturbedingungen gegenübergestellt) eines Unternehmens in bezug zu einer Vergleichsgruppe mißt, vorausgehen. In der internationalen Aufsichtspraxis hat sich als Methode für den Unternehmensvergleich die Data Envelopment Analyse (DEA) durchgesetzt. Diese konstruiert ein virtuelles Vergleichsunternehmen durch lineare Kombination realer kostengünstiger Unternehmen. Mögliche Ansatzpunkte für die Nutzung von Spielräumen im vorgestellten Szenario sind:
Die Eingruppierung anhand seiner Größe und Struktur
Die Formel bzw. die Parameter, mit welchen der Leistungsstand bzw. die Effizienzzuwächse definiert werden
Die Formel bzw. die Parameter, mit welchen die unternehmensspezifischen Preisobergrenzen ermittelt werden.
Ein Beispiel erläutert dies: Ist die Abgabemenge als Indikator für die Unternehmensgröße relevant für die Eingruppierung, so ist zu prüfen, inwieweit im Netz befindliche Weiterverteiler und/oder Großkunden mit ihren Abgabemengen zu bewerten sind. Ist die Anschlußdichte ein Strukturmerkmal, so ist zu prüfen, in welchen kleinsten Einheiten (Gemeinde, PLZ-Gebiet) diese Bestimmung erfolgt. Gegebenenfalls muß die für das Unternehmen günstigere Variante gewählt werden.

Noch Unklarheit über die Verfahren
Ein weiteres Beispiel: Geht die Länge der Kabel in die Leistungsstandsmessung ein, kann ein bisher sehr redundant vermaschter Netzbetreiber durch Stillegung nicht benötigter redundanter Kabelstrecken seine Leistung (wie Abgabemenge/km Kabel) erhöhen. Er wird zusätzlich effizienter, da diese Kabelstrecken nicht mehr instand zu halten sind. Generell gelten für alle Unternehmen folgende Ansätze:
Eine Kostenanpassung muß immer am Beginn der vorgegebenen preisregulierten Zeitspanne erfolgen, um den größtmöglichen Nutzen für das Unternehmen zu erzielen.
Umgekehrt sollten kosteninduzierende Maßnahmen immer in einem Zeitabschnitt erfolgen, in dem eine Kostenmessung erfolgt.
Unklar ist noch, welche Verfahren in Deutschland zum Einsatz kommen werden. In der Diskussion sind verschiedene Ansätze zu verfolgen, die teilweise mit einem ‚Ungerechtigkeitspotential‘ gebrandmarkt werden. Eine endgültige Aussage, welche Modelle sich durchsetzen werden, ist zu diesem Zeitpunkt verfrüht und wird letztendlich ausschließlich durch den Regulator bestimmt. (Ralf Scholz und Heiko Wissel, Fichtner Consulting & IT AG)

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