17. JULI 2018

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Eon goes green - Statements


E.on konzentriert sich auf die Erneuerbaren, Energienetze und Kundenlösungen und überführt die Geschäftsfelder konventionelle Erzeugung, globaler Energiehandel und Exploration & Produktion in eine neue, eigenständige Gesellschaft, die mehrheitlich an die Aktionäre der E.on SE abgespalten wird. Marc Oliver Bettzüge vom EWI sieht darin unter anderem einen konsequenten und kapitalmarktorientierten Schritt. Weitere Reaktionen und Einschätzungen.
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Die neue Konzernstrategie hat der Aufsichtsrat am 30. November verabschiedet. Laut Aufsichtsratsvorsitzendem Werner Wenning erfolgte die Zustimmung zur Neuausrichtung einstimmig. E.on-Chef Dr. Johannes Teyssen sprach von einer »radikalen« Neuaufstellung. Die Fokussierung in zwei getrennte Unternehmen biete die besten Zukunftsperspektiven, so Teyssen weiter.

»Die Aufteilung von E.on – und damit das endgültige Ende des Traums von einem deutschen Champion im internationalen Energiegeschäft - ist zuvorderst eine Antwort auf die sich völlig unterschiedlich entwickelnden Ertrags- und Risikostrukturen der zukünftig getrennten Geschäftsbereiche«, äußerte sich Marc Oliver Bettzüge, Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Uni Köln (EWI) auf Anfrage von Energiespektrum.

Diese Entwicklung sei auch eine späte Folge der Liberalisierung der europäischen Strom- und Gasmärkte in den vergangenen rund fünfzehn Jahren. »Vor diesem Hintergrund bietet die geplante Neustrukturierung den jeweiligen Aktionären einen unmittelbaren Zugriff auf diese sehr unterschiedlichen Geschäftsbereiche und stellt damit einen konsequenten, kapitalmarktorientierten Schritt dar«, so Bettzüge weiter.

»Für die weitere Entwicklung der Marktstrukturen wird es spannend sein, zu sehen, ob die Ankündigung von E.on Vorbild für ähnliche Veränderungen bei anderen bislang integrierten europäischen Energieversorgern sein wird. In jedem Fall werden beide Hälften von E.on in Zukunft nachweisen müssen, dass sie jeweils auf ihre Art dauerhaft im Wettbewerb bestehen können.«

Die geplante neue Gesellschaft müsse diese Aufgabe dabei so erfolgreich bewältigen, dass die Rückstellungen für die Folgekosten der auslaufenden Kernkraftnutzung dauerhaft abgesichert sind.

Reaktionen aus der Branche - Fraunhofer ISE

»Die Entscheidung von E.on, das Geschäft mit fossiler und nuklearer Energie in eine separate Firma auszugliedern ist sicherlich zu begrüßen. Ein Haken daran ist natürlich, dass dies auch dazu dienen kann die Risiken der Kosten für den Nuklearausstieg zu beziffern und auszugliedern«, so Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer ISE in Freiburg.

»Entscheidend ist jetzt aber die Frage, ob sich die neue E.on wirklich entschieden auf die Seite der erneuerbaren Energien stellt, auf die Seite der Energiewende, was ja dem alten Kerngeschäft abträglich ist.«

»Wenn hinter der Entscheidung von Herrn Teyssen die Erkenntnis steht, dass sich in diesen neuen Techniken auch sehr gutes Geld langfristig und nachhaltig verdienen lässt, unterstützen wir dies ausdrücklich und bieten der E.on sehr gern unsere technische Kompetenzen auf diesen Feldern an.«

Institut für ökologische Wirtschaftsforschung

Bernd Hirschl: "Die Aufspaltung des Eon-Konzerns ist zunächst einmal etwas, was schon länger von allen Atomkonzernen diskutiert wird und was von Vattenfall zuvor bereits – vergleichsweise still und heimlich – vollzogen wurde."

"Nämlich die Auslagerung dieses mit den Ewigkeitskosten belasteten Geschäfts in eine rechtlich selbstständige und unabhängige Tochter, so dass der Mutterkonzern nicht mehr von den Haftungsrisiken (bzw. einer Insolvenz) betroffen ist. Was Vattenfall für seine Atomsparte also bereits getan hat, vollzieht Eon nun in größerem Umfang und mit mehr Aufmerksamkeit."

"Durch die Auslagerung von Kohle und Atom, werden nicht nur zwei wenig zukunftsträchtige Problemfelder ausgelagert, sondern gleichzeitig auch das „neue“ Eon Imagemäßig erheblich aufpoliert. Nicht zu leugnen ist allerdings, dass „Eon neu“ mit seiner traditionellen politischen Lobbymacht nun ein gewichtiger Treiber für die Energiewende werden könnte.

"Hierfür muss es sich allerdings stärker auf die Niederungen einer echten dezentralen Versorgung mit Bürgerbeteiligung begeben; ein Weg den der Konkurrent EnBW bereits partiell eingeschlagen hat – ohne Auslagerung seines fossil-nuklearen Geschäfts."

Bundesverband Erneuerbare Energie

»Die Entscheidung von E.on zur Aufspaltung des Konzerns in zwei große Teile ist differenziert zu sehen«, sagt BEE-Geschäftsführer Hermann Falk.

»Einerseits zeigt der Vorgang erneut, dass der Weg der Energiewende unumkehrbar ist und die Erneuerbaren Energien bald im Mittelpunkt der Energieversorgung stehen werden. Andererseits betont E.on, dass die 20.000 Mitarbeiter in der abgespaltenen Gesellschaft eine gute Perspektive hätten.«

»Das zeigt, dass E.on jetzt und auch in Zukunft weiterhin gut an Kohle und Atomkraft verdient, sodass sich das Jammern über die schlechte Rentabilität dieser Arten der Stromerzeugung als nicht sehr überzeugend entlarvt.«

Bundesverband Neue Energiewirtschaft

»Die Tatsache, dass künftig in der neuen Konzerngesellschaft Netz, Vertrieb und Energiedienstleistungen gebündelt werden sollen, widerspricht dem Unbundling«, sagt Robert Busch vom BNE.

»Wir werden sehr genau beobachten, ob hier integrierte Geschäftsmodelle vorangetrieben werden, die anderen Anbietern und dem Wettbewerb insgesamt schaden.«

Seite 2: Politische Bedenken zu Rückstellungen, Reaktion des Konzernbetriebsrates und beschlossene Eckpunkte


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Datum:
01.12.2014
Unternehmen:
Bilder:
Bild: Rolf Sturm/E.on

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