20. JULI 2018

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Sinn oder Unsinn?


Die Bundesnetzagentur hat die Zuschläge für die erste gemeinsame Ausschreibung für Windenergieanlagen an Land und Solaranlagen erteilt. Kritik kommt von den Erneuerbar-Verbänden.

Die Bundesverbände der Solar- und Windenergie betrachten in einer gemeinsamen Mitteilung die erste gemeinsame Ausschreibung für gescheitert und plädieren für das Festhalten an technologiespezifischen Auktionen zur Gewährung eines ausgewogenen Energiemixes.

Zuschlag nur für Solarprojekte

Das EEG sieht gemeinsame Ausschreibungen mit Pilotcharakter vor, in denen Technologien in einen Wettbewerb treten. Laut der BNetzA sind 54 Gebote eingegangen, davon 18 für Windenergieanlagen an Land und 36 für Solaranlagen.


“Es haben ausschließlich Gebote für Solaranlagen Zuschläge erhalten. Im Wettstreit setzt sich eben die Technologie durch, die zu den geringsten Kosten anbieten kann“, sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. „Für das Gelingen der Energiewende ist jedoch ein Mix der verschiedenen Technologien erforderlich.“


Es wurden 32 Zuschläge für Gebote in einem Umfang von 210 Megawatt erteilt. Der durchschnittliche, mengengewichtete Zuschlagswert beträgt 4,67 ct/kWh. In der letzten reinen Solar-Ausschreibung lag dieser bei 4,33 ct/kWh.


Der niedrigste Zuschlagswert liegt bei 3,96 ct/kWh; der höchste Zuschlagswert beträgt 5,76 ct/kWh.

Volumen stark überzeichnet

Die bei der Bundesnetzagentur eingegangenen Gebote hatten ein Volumen von 395 Megawatt. Damit war das Ausschreibungsvolumen von 200 Megawatt doppelt überzeichnet. Der mengengewichtete Gebotswert betrug für Solaranlagen 4,82 ct/kWh und für Windenergieanlagen an Land 7,23 ct/kWh.


Die Zuschläge sind auf der Internetseite der Bundesnetzagentur unter dem Link www.bundesnetzagentur.de/gema18-1 zu finden.

BWE: Gegeneinander ist ineffizient

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) und der Bundesverband Windenergie (BWE) sprechen sich mit Blick auf die Ergebnisse dagegen aus, die beiden Erzeugungstechnologien in einen nicht zielgerichteten Kostenwettstreit zu verwickeln.


Eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende erfordere einen kraftvollen Ausbau der Wind- und Solarkapazitäten auf Augenhöhe, teilen die Verbände weiter mit. Gemeinsame Ausschreibungen seien dafür ungeeignet.


"Ein Gegeneinander der beiden wichtigsten Säulen unseres zukünftigen Energiesystems ist ineffizient und nicht zielführend. Stattdessen brauchen wir einen intelligenten Mix der beiden Technologien, da dieser Lastspitzen abfedert, zu einer Vergleichmäßigung der Netzauslastung beiträgt und die Systemdienlichkeit insgesamt erhöht“, so BWE-Präsident Herrmann Albers.

BSW:Gemeinsame Ausschreibungen nicht geeignet

"Wir freuen uns für die vielen Solargewinner, betrachten das Experiment aber dennoch als gescheitert", so Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar.  


"Die Auktionsergebnisse belegen das ausgezeichnete Preis-Leistungs-Verhältnis neuer Solarkraftwerke, nicht aber die Eignung gemeinsamer Ausschreibungen.“


BSW und BWE warnen davor, das marktwirtschaftliche Ausschreibungsverfahren zu überfrachten.


„Statt technologieneutraler Verfahren sollte der Gesetzgeber es bei eigenständigen Ausschreibungsverfahren mit fairen Wettbewerbsbedingungen belassen und so ein zur Systemintegration optimales Verhältnis von Photovoltaik- und Windenergie sichern. Auch in den getrennten Verfahren konnten beide Branchen deutlich sichtbare Kostendegressionen realisieren, an denen wir weiter arbeiten“, so Albers und Körnig.

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