22. JUNI 2018

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Wie viel Stromspeicher braucht die Energie-
wende?


Ein weiterer Ausbau an Sonnen- und Windenergie könnte zu einem erheblichen Speicherbedarf führen - so eine aktuell diskutierte Analyse. Wissenschaftler des DIW haben die Studie unter die Lupe genommen und kommen zu ganz anderen Ergebnissen.

In der energiepolitischen Debatte würden immer wieder Zweifel laut, ob die fluktuierende Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie künftig tatsächlich das Rückgrat der Energieversorgung bilden kann, schreiben die DIW-Autoren im aktuellen Newsletter des DIW Berlin.

Eine aktuell diskutierte Analyse des Volkswirts Hans-Werner Sinn komme zum Schluss, dass der weitere Ausbau der Wind- und Solarenergie in Deutschland aufgrund eines übermäßigen Stromspeicherbedarfs demnächst an eine Grenze stößt.

Kein Engpass

Die Autoren stellen in dem Beitrag DIW-eigene Alternativrechnungen vor, die wichtige methodische Schwächen beheben, und denen zufolge der Stromspeicherbedarf je nach Szenario um rund zwei Größenordnungen niedriger ausfallen kann.

Eine Vielzahl etablierter Studien und von den Autoren in dem Beitrag vorgestellte eigene Berechnungen zeigen demnach, dass der weitere Ausbau fluktuierender erneuerbarer Energien keinen übermäßigen Stromspeicherbedarf mit sich bringen muss.

Stromspeicher seien kein Engpass für die Energiewende. Erheblich reduzieren lasse sich der Speicherbedarf insbesondere durch eine moderate temporäre Abregelung der Erzeugungsspitzen von Windkraft- und Solaranlagen. Auch Flexibilitätsoptionen könnten den Bedarf an Stromspeichern weiter senken.

Fokus auf Extremfälle

Hans-Werner Sinn nimmt in seiner Analyse Berechnungen des Stromspeicherbedarfs für steigende Anteile von Strom aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen vor, so die Autoren. Dabei wird Deutschland weitgehend als „elektrische Insel“ ohne Interaktion mit dem Ausland betrachtet.

Die Untersuchung fokussiere sich auf zwei Extremfälle, in denen entweder keinerlei Speicher verfügbar sind oder keinerlei Abregelung erneuerbarer Stromerzeugung erlaubt ist.

Auf Basis der Berechnungen werde geschlussfolgert, dass andere Optionen als erneuerbare Energien zur Emissionsvermeidung im Energiesektor geprüft werden sollten.

Gesamtkosten nicht berücksichtigt

Für derartige energiepolitische Schlussfolgerungen scheinen die Ergebnisse jedoch kaum geeignet, da der Untersuchungsansatz methodische Schwächen aufweist, so die Autoren: Erstens: Ökonomisch plausibler als die beiden Extremfälle ist eine Kombination aus Speicherung und Abregelung.

Zweitens wird lediglich die Energiespeicherkapazität minimiert, ohne die Gesamtkosten des Systems zu betrachten. Ein solcher Ansatz wird in der Regel nicht zu einer möglichst kostengünstigen und damit effizienten Stromversorgung führen.

Drittens werden weitere Optionen für Flexibilität und damit verbundene andere Energiespeicherformen wie Power to heat oder Power to Gas nicht berücksichtigt.

Der gesamte Text aus dem Newsletter des DIW ist unter diesem Link auf den Seiten des DIW Berlin zu finden.



Datum:
12.06.2018
Unternehmen:
Bilder:
Bild: Frank Peters/fotolia.de

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