23. OKTOBER 2018

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Kosten und Nutzen des Kohleausstiegs


Der Kohleausstieg ist klimapolitisch notwendig, energiewirtschaftlich sinnvoll sowie technisch und wirtschaftlich machbar, so Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), des Ecologic Instituts und des Wuppertal Instituts.

In den vergangenen Jahren wurden eine Fülle von Studien, Forschungsergebnissen und Lösungsstrategien zum Kohleausstieg vorgelegt. Dieses Wissen wird nun mithilfe des „Kohlereaders“ zugänglich gemacht, der von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des DIW Berlin, des Ecologic Instituts und des Wuppertal Instituts erstellt wurde. Der Reader informiert wissenschaftlich-neutral über Fakten und Zusammenhänge und benennt das Für und Wider von Handlungsoptionen.


Kohlekraftwerke sind für knapp 40 Prozent des erzeugten Stromes und circa 80 Prozent der CO2-Emissionen des deutschen Stromsektors verantwortlich. „Um die Ziele aus dem Klimaschutzplan der Bundesregierung aus 2016 einzuhalten, muss und kann eine deutliche Reduzierung der Kohleverstromung einen entscheidenden Beitrag leisten und es ist mittelfristig ein vollständiger Kohleausstieg erforderlich“, sagt Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin.


Der Klimaschutzplan sieht für die Energiewirtschaft bis zum Jahr 2030 eine Minderung der CO2-Emissionen von 60 bis 62 Prozent gegenüber 1990 vor. „Wenn man die vorliegenden Forschungsergebnisse zusammen betrachtet, dann ist ein Ausstieg aus der Kohleverstromung aber nicht nur klimapolitisch notwendig, sondern auch energiewirtschaftlich sinnvoll und technisch und wirtschaftlich machbar“, ergänzt Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts.


Neue wirtschaftliche Chancen


Der Kohlereader fasst neben relevanten klimapolitischen Aspekten auch die energie- und gesamtwirtschaftlichen Folgen eines Kohleausstiegs zusammen. „Ein zentraler Befund ist, dass der Nutzen eines Kohleausstiegs bei weitem die Kosten übersteigt – auch, weil der Kohleausstieg neue wirtschaftliche Chancen eröffnet“, sagt Claudia Kemfert.


Durch einen Kohleausstieg in Deutschland würden notwendige Investitionen in den Bereichen Nachfragemanagement, Speicher, Power-to-X-Anwendungen und Effizienztechnologien angereizt werden. Weiterhin könne eine Reduzierung der Kohleverstromung an einigen Stellen zu einer deutlichen Entlastung der Netzsituation führen, so das DIW.


Aktuell sind noch rund 18.500 Personen direkt in den Braunkohlekraftwerken und -tagebauen beschäftigt; weitere 4.000 bis 8.000 Menschen sind in den Steinkohlekraftwerken tätig. Am schwierigsten sind die Ausgangsbedingungen für die eher strukturschwache und ländliche Lausitzer Braunkohleregion.


Ein großer Teil des Beschäftigungsrückgangs im Kohlesektor ließe sich zwar durch einen regulären Renteneintritt auffangen. Aber auch, wenn der Ausstieg so gestaltet werden kann, dass er kaum negative Auswirkungen für die derzeitige Generation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat, muss insbesondere für folgende Generationen der Strukturwandel aktiv gestaltet werden.


Investitionen in neue zukunftsfähige Arbeitsplätze, aber auch die Verbesserung weicher Standortfaktoren sind notwendig, um attraktive Lebensbedingungen zu schaffen und den Menschen aussichtsreiche Perspektiven in den ehemaligen Kohleregionen zu bieten, heißt es in einer Mitteilung des DIW.


Zur Studie: Die Beendigung der energetischen Nutzung von Kohle in Deutschland - Ein Überblick über Zusammenhänge, Herausforderungen und Lösungsoptionen

Datum:
10.10.2018
Unternehmen:
Bilder:
Bild: Brian Jackson/fotolia.de

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