24. JUNI 2018

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Abgasvorschriften - mehr als heiße Luft?


Die EU-Kommission hat vorige Woche neue Abgasvorschriften für den Straßenverkehr vorgestellt. Interessenvertreter sind skeptisch, ob der Sache damit gedient wird. Hier ein Überblick mit Reaktionen.

Der Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, dass die durchschnittlichen Flottenverbräuche der Hersteller von 2021, wenn die aktuelle Regulierung endet, bis 2030 um weitere 30 Prozent reduziert werden sollen.

 

Sanktionen bei einer Zielverfehlung sind aber nicht vorgesehen. Weiterhin betrachtet die EU-Kommission ausschließlich die Emissionen am Auspuff, nicht aber die Vorkette, kritisiert die Initiative Zukunft Erdgas.

 

Erdgas und Biomethan außen vor

 

Nach Einschätzung von Zukunft Erdgas habe die Kommission eine wichtige Chance vertan. »Seit 1990 sind die CO2-Emissionen im Verkehr nicht gesunken. Die Abgasvorgaben werden keine Beschleunigung beim Klimaschutz bringen«, so Timm Kehler von Zukunft Erdgas.

 

Besonders kritisch sieht die Initiative die fehlende Anerkennung von Biomethan oder Power-to-Gas im Kommissions-Entwurf und die Festlegung auf Elektromobilität.

 

»Während Kohlestrom für E-Autos so behandelt wird wie Ökostrom, wird erneuerbares Gas wie konventionelles behandelt. Das ist unfair – aber vor allem ist es klimapolitischer Unsinn«, so Kehler in einer Mitteilung.

 

Für die Umwelt sei nach seinen Worten die Gesamtbilanz des Autos entscheidend, die so genannte Well-to-Wheel Betrachtung.

 

„Dann wird man schnell feststellen: Eine einseitige Vorfestlegung auf Strom ist nicht sinnvoll.“

 

Erdgas ist den Angaben zufolge in Deutschland an rund 900 Tankstellen verfügbar. Im Durchschnitt sind bereits heute rund 20 Prozent klimaneutral erzeugtes Biomethan enthalten.

 

Darüber hinaus lässt Audi seine Erdgas-Fahrzeuge A3, A4 und A5 mit so genanntem E-gas fahren, das vollständig aus Ökostrom erzeugt wird, heißt es.

 

Eine Anerkennung dieser regenerativen Kraftstoffe sehe der aktuelle Entwurf der Kommission aber weiterhin nicht vor, so Zukunft Erdgas.

 

Elektrofahrzeuge hingegen würden pauschal als emissionsfrei betrachtet, heißt es.

 

Keine E-Auto-Quote 
 

„Das von der Europäischen Kommission veröffentlichte mobility package ist nicht ambitioniert“, kritisiert Peter Röttgen, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE).

 

Hauptkern des Paketes ist, dass die Emissionen der europäischen Fahrzeugflotte bis zum Jahr 2030 um weitere 30 Prozent sinken sollen. Bis 2025 ist eine Minderung um 15 Prozent als Zwischenetappe geplant.

 

Der Weg dorthin erscheine unklar, so der Verband.

 

Möglich sei die Minderung nur, wenn tatsächlich möglichst viele Elektroautos und andere umweltfreundliche Modelle auf die Straßen kommen und dass diese mit erneuerbarer Energie betrieben würde, heißt es.

 

„Im Gegensatz zu China verzichtet aber die Europäische Kommission auf eine verbindliche Quote für Elektrofahrzeuge, was mittel- und langfristig chinesischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil bescheren dürfte.“ Bei der Berechnung der Flottenemissionen sollen nicht oder gering emittierende Fahrzeuge besser gewichtet werden, so der Verband.

 

Laut BEE sollen offenbar nur diejenigen Fahrzeuge dazu zählen, die mit Erneuerbaren betrieben werden.

 

Beitrag zum Klimaschutz

 

Der Verband setzte sich daher dafür ein, dass nur die realen Erneuerbare Energie-Anteile in die Berechnung einbezogen werden dürfen. Die neuen Vorgaben reichen aus Sicht des BEE auch nicht aus, um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen, da die Maßnahmen zu Lock-In-Effekten führen.

 

Das heißt, auch 2030 dürfen immer noch Fahrzeugflotten mit hohen Emissionen zugelassen werden, was wegen ihrer langen Einsatzdauer noch lange zu entsprechenden Emissionen führt. Die Europäischen Klimaschutzziele sind bis heute nicht auf das Pariser Klimaschutzabkommen angepasst worden.

 

Auch sei es dem gesamten Verkehrsbereich, Transport und Logistik eingeschlossen, seit 1990 nicht gelungen, die geforderten Treibhausgase einzusparen, so der BEE.

 

"Es steht sehr zu befürchten, dass der Verkehrssektor auch künftig zu wenig CO2 einspart“, so Peter Röttgen.

Datum:
13.11.2017
Bilder:
Bild: R_by_Holger/pixelio.de
Bild: Aleksandar Kocic/pixelio.de

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