Industriewärme kann grüner

Erneuerbare Energie deckt bislang mit knapp sechs Prozent nur marginal den Energiebedarf in der Prozesswärme und Prozesskälte. Dabei gibt es erhebliche technische Potenziale. Das ist Ergebnis eines Kurzgutachtens des Hamburg Instituts für den Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) und die Hannover Messe. Doch wo lassen sich Potenziale am einfachsten erschließen?

05. April 2018

„Da mehr als 20 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs auf industrielle Prozesse zum Wärmen und Kühlen fallen, liegt hierin ein maßgebliches Potenzial gleichermaßen für die Innovation und den Klimaschutz“, so BEE-Geschäftsführer Dr. Peter Röttgen.

Solarthermie, Wärmepumpen, feste, flüssige und gasförmige Biomasse sowie Geothermie können aus technischer Sicht bereits heute einen großen Beitrag leisten, so das Gutachten. Seit Jahren stagniert der Anteil erneuerbarer Energie in der prozessualen Wärme und Kälte aber auf niedrigem Niveau, wie Bundesverband und Hannover Messe weiter mitteilen.

„Eine konsequente Nutzung erneuerbarer Energie in Industrie und Gewerbe ist bislang kaum möglich“, so Röttgen. Auch die Wärme im Gebäudebereich basiert heute vorrangig auf fossilen Energieträgern.

Potenziale erschließen

Es gibt in allen Industriezweigen, von der Nahrungsmittelproduktion über die Chemie bis zur Metallverarbeitung, große Potenziale zur Integration erneuerbarer Energie, so die Studie.

Am einfachsten zu erschließen ist dem Kurzgutachten zu Folge das Potenzial im niedrigen Temperaturbereich. Im mittleren und hohen Temperaturniveau lassen sich gute Erfolge mindestens in der Teil-Dekarbonisierung erreichen, wobei es zum Beispiel für Hochtemperaturprozesse noch Forschungsbedarf gibt.

Mit einer CO2-Bepreisung und weiteren Maßnahmen wie energieorientiertem Planen und Bauen sowie einer verbesserten Förderung ließen sich auch schnell Erfolge erzielen. Unterstützend wäre zudem die Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie in Deutschland, was bislang nicht erfolgt ist.

Grundsätzlich verzeichnet der Wärmebereich derzeit noch nicht den notwendigen Forschritt im Rahmen der Energiewende, obgleich es genug Möglichkeiten für eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes gibt, heißt es in der Mitteilung.

Für die Energiewende

„Mit der Hannover Messe bieten wir eine ideale Plattform, um neue Marktchancen zu diskutieren, die die Dekarbonisierung von Industrie und Gewerbe Unternehmen bietet. Unternehmen werden so unabhängiger von Rohstoffimporten, flukturierenden Preisen für fossile Energieträger und verbessern gleichzeitig ihre Klimabilanz“, so Benjamin Low, Global Director Energy bei der Deutschen Messe. „Industrie und Erneuerbare können gemeinsam die Energiewende voranbringen.“

Auf den Seiten des BEE steht hier das  Kurzgutachten des Hamburg Instituts zum Download bereit: Strategische Optionen zur Dekarbonisierung und effizienteren Nutzung der Prozesswärme und -kälte.