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Innogy wechselt den Eigentümer

Die EU-Wettbewerbsbehörden haben die Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch E.on genehmigt. So reagierten Branchenvertreter.

18. September 2019
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(Bild: leowolfert – stock.adobe.com)

Die beiden Unternehmen wollen die RWE-Tochter Innogy und ihre Geschäftsfelder neu aufteilen. E.on soll die Netze und das Endkundengeschäft von Innogy erhalten, RWE die erneuerbaren Energien von Innogy und E.on.

Die EU knüpfte die Übernahme nur an vergleichsweise geringe Auflagen. Unter anderem muss E.on Ladestationen für Elektroautos an deutschen Autobahnen an einen Drittanbieter übertragen. Zudem muss E.on Verträge mit Heizstromkunden in Deutschland abgeben.

„Industriegeschichte“

Mit der heutigen Entscheidung macht die EU-Kommission den Weg frei für eine der bedeutendsten Transformationen der deutschen Industriegeschichte, so RWE. Im Zentrum steht der Tausch von Unternehmenswerten zwischen RWE und E.on mit einem Gesamtwert von mehr als 40 Mrd. Euro. „Die Vereinbarungen werden die Energiewende maßgeblich voranbringen, weil sie die Stärken beider Unternehmen bündeln und eine Fokussierung auf die jeweiligen Wertschöpfungsstufen ermöglichen“, betont Rolf Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender der RWE AG.

RWE fokussiert sich künftig vor allem auf die Stromerzeugung, die zunehmend auf regenerativen Energien basieren wird. Das Unternehmen verfügt vom Start weg über ein Portfolio Erneuerbarer Energien mit einer installierten Leistung von mehr als 9.000 Megawatt.

In den Ausbau sollen nach Unternehmensangaben jährlich 1,5 Mrd. Euro netto investiert werden. „Größe spielt eine wesentliche Rolle, um im internationalen Wettbewerb bei den Erneuerbaren Energien erfolgreich zu sein. Wir haben die erforderliche Schlagkraft für diesen Markt: finanziell, strategisch und personell“, so RWE.

Bereits in der ersten Jahreshälfte hatte RWE alle notwendigen kartellrechtlichen Freigaben für ihren Teil der im März 2018 geschlossenen Vereinbarungen erhalten.

Nach der Entscheidung der Brüsseler Kartellbehörde erfolgt die Transaktion nun in zwei Schritten. Zunächst wird der RWE Anteil an Innogy (76,8 %) an E.on übertragen. Im Gegenzug erhält RWE eine Beteiligung von 16,7 % an E.on. Damit verbunden ist ein Mandat im Aufsichtsrat, das Rolf Martin Schmitz wahrnehmen soll.

Des Weiteren gehen vereinbarungsgemäß alle wesentlichen E.ON-Aktivitäten im Bereich regenerative Energien sowie die E.on-Minderheitsbeteiligungen an den Kernkraftwerken Emsland und Gundremmingen zum 30. September auf RWE über.

Arbeitsplätze

Im künftigen Eon-Konzern werden mehr als 70 000 Menschen arbeiten. Doch wird es in dem Netz- und Vertriebsunternehmen viele doppelte Strukturen geben. Daher will Eon bis zu 5000 Stellen abbauen. Der Konzern hat bereits einen Tarifvertrag mit den Gewerkschaften Verdi und IG BCE ausgehandelt. Dieser sieht etwa vor, dass Beschäftigte gegen eine Abfindung den Konzern verlassen oder in den Vorruhestand gehen können.

Besonders viele Überschneidungen zwischen E.on und Innogy gebe es nach Unternehmensangaben in München, Essen und Dortmund. Die Beschäftigten sollen in den nächsten Wochen Klarheit erhalten.

Etwa 3500 Menschen, die in den Ökostromsparten von Eon und Innogy arbeiten, werden zu RWE wechseln. Da das Geschäft wachsen soll, hat der Konzern keinen Stellenabbau angekündigt.

Reaktionen

Verband kommunaler Unternehmen VKU: „Nunmehr ist die Politik gefordert: Die zu erwartende Umgestaltung des Energiemarktes muss aber auch ein Anlass sein, um die Rahmenbedingungen für die Tätigkeiten kommunaler Energieversorger zu verbessern. Ziel muss sein, dass Stadtwerke auch zukünftig unter den neuen Marktbedingungen ihre Rolle im Wettbewerb erfüllen können. Besondere regulatorische oder gesetzliche Anforderungen für die Kommunalwirtschaft, die private Energieversorger nicht beachten müssen, widersprechen dem Gebot des „level playing field“ im wettbewerblichen Energiemarkt.“

Mainova-Chef Constantin Alsheimer kündigte rechtliche Schritt gegen die Entscheidung der EU an. Nach Mainova-Angaben entstehen aus der Übernahme klare Vorteile für E.on. „Hierzu zählen die hohe Kundenzahl, der enorme Netzbesitz, der hohe Grad der Marktdurchdringung und eine starke Einkaufsmacht.“ Auch in weiteren Geschäftsfeldern wie der E-Mobilität, dem Messwesen oder beim Thema Smart Metering wäre E.on stark bevorteilt, heißt es.

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