Innovationen punkten fast nur im Ausland

WINDKRAFT Finnland gilt im Umweltbereich als Musterland, aber nicht überall. So hat etwa die Windbranche das Ausland im Fokus.

01. Dezember 2005

Unter der Erde findet sich in Finnland keine Kohle, kein Erdöl und auch kein Erdgas. Das skandinavische Land muss sich in der Energieerzeugung auf andere Quellen verlassen, im Wesentlichen sind dies Biomasse und Wasserkraft. Hinzu kommt Kernenergie. So wird gerade in Olkiluoto im Südwesten des Landes erstmals seit Tschernobyl in Westeuropa wieder ein Kernkraftwerk gebaut. Diese Situation spiegelt der Energiemix der Stromproduktion wider: 25,8 % Kernenergie, rund 20 % Biomasse (Holz/Torf), 11 % Wasserkraft, der Rest ist importiert (Erdgas, Kohle, Öl oder direkt Strom). Regenerative Energien wie Windkraft oder Photovoltaik spielen eine unbedeutende Rolle.

Warum Finnland als Vorzeigeland für die Verwendung von Biomasse gilt, zeigt sich in der Region Oulu. Der Energiebedarf der über 202.000 Einwohner wird überwiegend darüber gedeckt. Bei den für die Strom- und Wärmeproduktion eingesetzten Energieträgern handelt es sich zu 86 % um Torf, zu 13 % um Holz, das fehlende Prozent entfällt auf Öl.

Oulu ist auch die Heimat des Windanlagenherstellers WinWinD. Das 1998 gegründete Unternehmen spielt im Konzert der großen WEA-Hersteller heute noch eine Nebenrolle, will aber mit Lösungen, die auf Zuverlässigkeit ausgelegt sind, weiter wachsen. „Unsere Anlagen sind nicht die billigsten“, sagt Georg Böhmeke, der technische Direktor von WinWinD. Heute zählten neben dem Preis vor allem die Kriterien Wartungsarmut, Risikominimierung und Gesamtwirtschaftlichkeit. Insgesamt rechne sich so auch der etwas höhere Preis.

Einspeisung nach Marktpreis

Um in Finnland richtig Fuß zu fassen, müssten die Rahmenbedingungen stimmen. Dass diese für die Windkraft nicht gerade rosig sind, zeigt sich an der mageren installierten Leistung von rund 82 MW in ganz Finnland - trotz hohem Windangebot. Der Staat bezahlt zwar 30 bis 35 % der Investitionskosten einer Anlage und dazu rund 7 €/MWh Zuschuss, eingespeist wird aber nach Marktpreisen und die sind in Finnland niedrig. In Oulu sind dies 5 bis 6 ct/kWh.

„Um mit dem EEG in Deutschland wirtschaftlich gleichzuziehen, müssten wir eine Investitionsförderung von 60 % erhalten“, beklagt Böhmeke. Dazu komme, dass die Windkraft in der Öffentlichkeit aufgrund der ‚echten’ Subventionierung nicht gerade das beste Ansehen genieße. So ist es nicht verwunderlich, dass WinWinD sein Heil im Ausland sucht. Mit Erfolg: So hat Estland kürzlich acht 3-MW-Anlagen bestellt, die im Sommer 2006 ausgeliefert werden sollen, der Auftragsbestand liegt heute insgesamt bei 46 MW.

Technologisch setzt WinWinD auf Hybridtechnik. Die Grundidee der auch unter ‚Multibrid’ bekannten Lösung ist die Kombination einer langsam laufenden Planentenstufe mit einem mäßig schnell laufenden Generator. Dabei würden die hohen Direktantriebskosten vermieden und die Getrieberisiken minimiert, erläutert Windkraftexperte Böhmeke.

Über 70 % aller Komponenten stammen von finnischen Zulieferern. Einer davon ist ABB Oy in Helsinki. Auf Innovation setzt man auch dort. Etwa wenn es um die Permanent-Magnet-Technology für WEA-Antriebe geht. Die Vorteile sind, dass die Verluste im Polrad gering sind und sich so der Aufwand der Kühlung stark verringert und der Wirkungsgrad auch bei niedrigen Leistungen hoch bleibt. In Helsinki stellt die ABB-Tochter nicht nur Generatoren für WinWinD her, sondern für „nahezu alle bedeutenden WEA-Hersteller“, betont das Unternehmen. Bei WEA-Generatoren erreiche man einen Marktanteil von rund 26 %.

Auch der Hersteller von Windgetrieben Moventas hat ambitionierte Ziele. Das Ziel der ehemaligen Tochter des Papieranlagenherstellers Metso will in den nächsten Jahren schneller wachsen als der Markt. Das Unternehmen aus Jyväskylä hat sich schon früh mit Windenergie beschäftigt. 1980 begann man mit der Herstellung der ersten WEA-Getriebe.

Mittlerweile zählt sich Moventas mit einer installierten Basis von mehr als 7.000 Getrieben zu den Top-3-Lieferanten der Windbranche. Aktuell hat man insbesondere den Bereich Service/Instandhaltung im Visier. Intelligente Getriebe mit Multi-Sensor-Netzwerken sollen ein proaktives Handeln ermöglichen. Der Vorteil für den Anlagenbetreiber: Durch rechtzeitige Schadenserkennung reduzieren sich Betriebs- und Wartungskosten, so das finnische Unternehmen. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 11/2005