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Intelligent kombiniert

Markt

Immer mehr Menschen interessieren sich für PV und Speicher. Energieversorger können ihren Kunden hier Mehrwerte bieten, etwa mit der intelligenten Steuerung der Systeme.

28. Mai 2018

Rund 37.000 Speichersysteme hat die Branche 2017 allein in Deutschland installiert. Europaweit ist der Markt um 50.000 Systeme gewachsen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies für Europa einen Anstieg um knapp 60 Prozent, wie das Marktforschungsunternehmen EuPD Research mitteilt.

Zudem entwickle sich der europäische PV-Markt positiv. Nach einem schwachen Zubau von 7GW im Jahr 2016 wurden 2017 8,5GW an Photovoltaik-Anlagen installiert. Eine Prognose von EuPD Research schätzt den Zuwachs des europäischen Photovoltaikmarktes für 2018 auf knapp über 1GW ein.

Auch viele Stadtwerke wollen von dem Markt profitieren und ihren Kunden PV- und Speicherprodukte bieten. Eine Möglichkeit dafür sind White-Label-Lösungen. Ob sie nun von Energieversorgern selbst kommen, von Unternehmen wie IBC Solar, der Baywa in Kooperation mit der ASEW oder von Eness die Palette an Anbietern ist in der Zwischenzeit recht breit geworden.

Die Thüga ist an dem Start-up Eness beteiligt. Gemeinsam haben die beiden Partner das White-Label-Produkt ›Daheim Solar‹ entwickelt. Es besteht aus einer Photovoltaik-Anlage mit Stromspeicher und richtet sich an regionale Energieversorger.

»In den vergangenen Jahren konnten wir viele Erfahrungen im Bereich Photovoltaik und Speicher sowie im Direktvertrieb sammeln, die die Stadtwerke und regionalen Energieversorger oftmals nicht haben«, berichtet der Geschäftsführer des Start-ups, Hannes Münzinger.

»Diese wiederum haben im Gegensatz zu uns einen großen Kundenstamm, der seinem Energieversorger vertraut. Genau diese Kunden sind potenzielle Interessenten für das Thema dezentrale Energiewende. Das wissen wir und das weiß auch der regionale Energieversorger. Insofern ist die Zusammenarbeit zwischen uns und den Energieversorgungsunternehmen der logische Schritt.«

Beauftragt durch das jeweilige Stadtwerk suchen die Vertriebsmitarbeiter des Start-ups die Kunden zu Hause auf und beraten sie über Daheim Solar. Nachdem der Endkunde den Auftrag erteilt hat, übernimmt Eness das gesamte Projektmanagement.

Das Hauptprodukt des Unternehmens seien PV-Anlagen mit Speicher zum Kauf, so Münzinger. »Durch staatliche und kommunale Förderungen und dadurch, dass es inzwischen ein breites Angebot von PV mit Speicher gibt, hat die Lösung, die auf Unabhängigkeit und nicht primär auf Netzeinspeisung setzt, deutlich an Bekanntheit gewonnen.«

Neben diesem Hauptprodukt ermögliche man in einigen Vertriebsregionen Kunden, das Produkt gegen einen monatlichen Festpreis zu pachten. »Dieses Angebot möchten wir gerne erweitern.« Außerdem bietet das Unternehmen in bestimmten Regionen PV-Anlagen ohne Speicher an. »Im zweiten Halbjahr wird dann ein Nachrüst-Speicher für bestehende PV-Anlagen verfügbar sein«, so Münzinger. Aufgrund auslaufender Förderungen und Vergütungen registriere man hier eine wachsende Nachfrage.

Das E-Auto integriert

Wenn der Kunde immer mehr zum Prosumer wird und neben PV und Speicher weitere Komponenten wie Wärmepumpe oder Elektroauto in sein Heim holt, bieten sich zudem für ihn ganz andere Möglichkeiten, die Energieflüsse in seinem Zuhause intelligent zu steuern.

Einige White-Label-Anbieter haben auf das Thema reagiert. So nutzen zum Beispiel die Stadtwerke München eine entsprechende Technologie der EnBW. Basis des Angebots ist ein Energiemanagementsystem, das PV-Anlage und Batteriespeicher optimal mit weiteren Komponenten wie Wärmepumpe oder Ladepunkt vernetzt. Durch die intelligente Steuerung könne der Eigenverbrauchsanteil optimiert werden, so EnBW.

»Zusammen mit der Thüga Innovationsabteilung arbeitet auch die Eness an solchen Lösungen«, so Wofgang Kehrer, Thüga Innovationsmanagement. »Darüber hinaus sehen wir als weitere Entwicklung die bundesweite Vernetzung unserer Kunden in einer Energie-Community.«

Solche intelligenten Lösungen für das Heim seien sicher ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zu Smart Energy, meint Steffen Heudtlaß aus der Geschäftsfeldentwicklung bei Meterpan. »Wo Smart Grids die großen und umfassenden Lösungen für ganze Verteilnetze sind, können diese Energiemanagementsysteme dem Prosumer echte Einsparpotenziale bieten und damit die Akzeptanz für die Energiewende auch bei Endkunden stärken.«

Gerade durch die Abbildung als White-Label-Produkt eröffne sich für regionale Versorgungsunternehmen die Chance, ihren Kunden innovative Technik ohne größere Eingriffe in die Infrastruktur mit ökonomischem Kundenvorteil zu bieten und die Kundenwahrnehmung als Energiespezialist zu untermauern.

»White-Label-Lösungen können grundsätzlich für alle Produkte und Dienstleistungen für den Endkunden entwickelt und angeboten werden. Sie bieten vielfältige Vorteile für den Anbieter, das Stadtwerk, das die White-Label-Leistung in Anspruch nimmt, und den Endkunden«, so Dr. Helmut Edelmann, Director Utilities bei EY (Ernst & Young). »Insofern ist es natürlich, dass mit der wachsenden Anzahl an dezentralen Energielösungen sich auch in diesem Bereich White-Label-Lösungen durchsetzen.«

»Innerhalb unserer White-Label-Lösungen ist derzeit der absolute Renner der wettbewerbliche Messstellenbetrieb, wMSB«, berichtet Heudtlaß. Daneben werde man vermehrt im Bereich Submetering und Mieterstromabrechnung gebucht.

Im Bereich des Energiemanagements und der Eigenverbrauchsoptimierung bietet das Unternehmen zum einen Meterpan.Energiemanagement, welches im B2B-Bereich vor allem im Rahmen von Zertifizierungen und Monitoring eingesetzt wird. Zum anderen ermögliche Meterpan.Gridsense Prosumern ihr eigenes kleines Smartgrid, erläutert Heudtlaß.

»Ohne größeren Konfigurationsaufwand lassen sich die Komponenten direkt in das eigene, lokale Netz zu Hause integrieren, lernen mit automatischen Algorithmen selbstständig und automatisch und greifen danach steuernd ein«.

Von Anfang an dabei

Aber gibt es schon viele Endkunden, die PV, Speicher, Wärmepumpe und Ladelösung besitzen? »In der Tat reden wir hier über einen in der Anfangsphase befindlichen Markt«, so Edelmann. Darin liegt eine Herausforderung, wie Heudtlaß ausführt: »Die Strukturen der Stadtwerke und vor allem auch der regulierenden Behörden können kaum mit den sich entwickelnden technischen Möglichkeiten Schritt halten. Die am Markt auftretenden Hersteller und Dienstleister brauchen einen langen Atem, um ihre Lösungen in die Produktivphase bei Werken bringen zu dürfen.«

Zugleich stehe den Stadtwerken eine große Zahl an Energiekunden gegenüber, deren finanzieller Spielraum und Bereitschaft zu zusätzlichen Investition oder zumindest Konsum kaum ausgeprägt ist. Nur ein kleiner Teil könne derzeit durch dezentrale Erzeugung, Speicher oder E-Fahrzeuge von der Energiewende profitieren.

»In diesem Spannungsfeld gilt es für uns als Dienstleister, optimal abgestimmte Konzepte und Produkte als White-Label-Angebot zu formulieren und allen Stakeholdern zu kommunizieren.«

Obwohl sich der Markt erst in der Anfangsphase befindet, stelle sich für Stadtwerke bereits heute die Frage, ob man in diesen Markt einsteigen will oder ihn anderen überlässt, so Edelmann. »Durch White-Label-Lösungen lassen sich die Risiken und der finanzielle Aufwand für das einzelne Stadtwerk begrenzen.«

Verschiedene Faktoren bedenken

Für wen es sich lohnen würde, in diesem Bereich aktiv zu werden, hängt nach der Einschätzung des Experten von mehreren Faktoren ab. Erstens von der Größe und Struktur des eigenen Netzgebietes: Welches Marktpotenzial sehe ich als Stadtwerk in meinem Netzgebiet das heißt, wie groß ist der Anteil der Endkunden, die für dezentrale Energielösungen infrage kommen?

»Zweitens von meinen vertrieblichen Ambitionen: Will ich Neukunden in anderen Netzgebieten akquirieren?« Und drittens von den eigenen Fähigkeiten und der Kostensituation. »Stadtwerke, die über ein großes Innovationspotenzial verfügen, können auch darüber nachdenken White-Label-Lösungen für andere zu entwickeln.«

Sinn mache es auf jeden Fall, sich gedanklich mit solchen weitergehenden Lösungen zu beschäftigen, so Edelmann. »Vor allem, wenn das Unternehmen seine Hausaufgaben gemacht hat und Geschäftsprozesse sowie Kosten im Griff hat. Zum einen besetzt das Stadtwerk damit frühzeitig Zukunftsfelder, zum anderen stärkt ein solches Engagement die Innovationsfähigkeit des Unternehmens, da neue Lösungswege beschritten werden.«

»Natürlich ist es sinnvoll, heute schon in diese Richtung zu denken. Die digitale und vernetzte Welt ist keine Zukunft, sondern Gegenwart. Hier wird auch die Energiebranche nachziehen, da die nachhaltige Energieversorgung kein Thema des Einzelnen ist, sondern uns alle betrifft«, meint auch Thüga-Mann Kehrer.

»Die größte Herausforderung ist die Frage, ob es Deutschland gelingt, die Digitalisierung der Energiewende entscheidend voranzutreiben«, so Edelmann. »Die Schlüsselworte dazu lauten: Priorisierung und Standardisierung.« Die Digitalisierung der Energiewende müsse höchste Priorität besitzen. Zudem sei in der Mess-, Steuerungs- und Kommunikationstechnik ein Standard mit hohem Maß an Datenschutz, Datensicherheit und Interoperabilität durchzusetzen.

»Wenn dies gelingt, wird der Bedarf an intelligenten Energielösungen – und dazu zähle ich dezentrale Energiemanagementsysteme – entscheidend wachsen.«mwi

Wissen kompakt

Ein White-Label-Anbieter unterscheidet sich von einem Dienstleister dadurch, dass er das Produkt beziehungsweise die Dienstleistung auch selber dem Endkunden am Markt anbietet. Dadurch hat er tiefe praktische Erfahrung und trägt einen Teil der Risiken selber.

Er stellt lediglich Komponenten seines Produktes, seiner Dienstleistung anderen zur Vermarktung zur Verfügung, die von Kostenvorteilen und Skaleneffekten (mit) profitieren.

(Quelle: Helmut Edelmann, EY)

Erschienen in Ausgabe: Nr. 05 /2018