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Kommune

Je näher, desto besser

Ob Neubau oder Bestand: Die energetische Stadtsanierung ist einbundesweites Großprojekt. Es wird Städte und Gemeinden auf Jahre beschäftigen. Worauf kommt es dabei an? Wir luden Fachleute zu einem Round-Table-Gespräch über moderne Quartierversorgung im Digitalzeitalter.

30. August 2018

Die neue Vattenfall-Gesellschaft Energy Solutions soll Projekte rund um Quartierversorgung und Sektorkopplung betreuen. Frau Süß, warum tritt man in den Markt ein? Weil er gefördert wird oder weil es ein Versorgungstrend ist?

Carolin Süß, Vattenfall Energy Solutions: Die Förderung hat den Trend nicht primär hervorgerufen. Das Bedürfnis nach Strom und Wärme ist da, daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Allerdings ändern sich die Ansprüche unserer Kunden in immer kürzeren Abständen. Zum einen gibt es die gesetzlichen Anforderungen, wie Energieeinsparverordnung oder EEG-Wärme-Gesetz. Zum anderen nimmt die Komplexität extrem zu.

Wärmeversorgung soll nicht nur kontinuierlich, sondern auch aus erneuerbaren Energien und innovativ sein. Das wird nicht durch Förderungen wie etwa von der KfW getrieben, sondern ich sehe es eher als Unterstützung. In erster Linie ist es die Komplexität, die den Markt treibt. Darum bringt Vattenfall sich ein, um gemeinsam mit Kunden diese Komplexität zu bewältigen.

Frau Ueltzen, Rödl & Partner berät Kommunen und Stadtwerke. Sie kennen sich mit den vielen Förderprogrammen auf Bundes- und Länderebene aus. Die Förderlandschaft gilt per se als komplex. Wer Geld für was beantragen kann, ist meist nur mit viel Zeitaufwand herauszufinden, heißt es. Was bedeutet das für kleine und mittlere Stadtwerke, die den Einstieg in ein neues Geschäftsfeld wie Quartierversorgung planen?

Maria Ueltzen, Rödl & Partner: Diese Unternehmen können das durchaus realisieren. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass Quartierversorgung damals vor allem die Umstellung auf Fernwärmeversorgung bedeutete. Wir haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder Kommunen beraten zu solchen Projekten. Das ist aus meiner Sicht durchaus übertragbar auf moderne Quartierkonzepte, die neben Fernwärme auch Strom, E-Mobilität, innovative Straßenbeleuchtung und so weiter beinhalten. Das gilt gerade für diejenigen Kommunen, die im Kleinen begonnen haben, sich durch die Fernwärmeumstellung Expertise anzueignen. Die sind jetzt gut gerüstet, einen Schritt weiter zu gehen in einem bestehenden Quartier oder in der Projektentwicklung.

Süß: Ich glaube nicht, dass es auf die Unternehmensgröße ankommt. Bedingt durch die Komplexität sind alle Akteure gefordert, Partnerschaften einzugehen. Beispielsweise bauen wir dezentrale Wärmeversorgung mit Abwasserwärmetauschern. Dann müssen wir die Wasserbetriebe mit ins Boot holen, ebenso Handwerksbetriebe mit Sachkenntnis. Unter Umständen braucht man Berater, wenn die Anlage in einem Wasserschutzgebiet liegt. So entstehen neue Partnerschaften.

Frau Süß, was verstehen Sie unter Quartierversorgung? Ist das eher Neubau als Bestand oder umgekehrt?

Süß: Schwer zu sagen, weil es schwer zu begrenzen ist. Für mich ist ein Quartier ein zusammenhängendes Objekt, sei es mit Einfamilien-, sei es mit Mehrfamilienhäusern. Aber wenn ich mehrere Objekte habe, etwa einen Mix aus Neubau und Bestand wie häufig hier in Berlin, dann ist das auch typisch für ein Quartier. Dort muss man mehrere Interessen zusammenbringen. Zum einen die bisherigen Bewohner, zum anderen die neu zugezogenen.

Die haben andere Rechtsansprüche bezüglich ihrer Versorgung. Dazu kommen Themen wie Fahrradständer oder Ladesäulen für E-Autos. Wenn sie das alles zusammenbringen müssen, dann ist das für mich Quartiersentwicklung. Ausnahme bestätigt die Regel. Etwa Neubaugebiete mit Einfamilienhäusern, die wir an ein Nahwärmenetz anschließen und aus einer Heizzentrale versorgen. Dahinter steht in der Regel ein Projektentwickler, der das Projekt später an Endkunden weiterverkauft. Das heißt, wir müssen die Interessen des Projektentwicklers umsetzen. Zugleich müssen wir daran denken, dass wir eines Tages die Anwohner als Endkunden versorgen müssen.

Frau Ueltzen, rät Rödl & Partner Versorgern per se zum Einstieg in die Quartierversorgung?

Ueltzen: Wenn man sich aktuell den Wettbewerb anschaut und die Umsatzentwicklung in den letzten Jahren im Strom- und Erdgasvertrieb, dann ist klar, dass die Anbieter zu kämpfen haben, wenn sie sich weiter auf Strom und Erdgas konzentrieren. Daher ist es notwendig, dass Unternehmen die Augen offenhalten. Wo können sie das Leistungsspektrum erweitern?

Da bieten gerade Quartierkonzepte Möglichkeiten, die Unternehmenssparten zu ergänzen oder zu kombinieren. Etwa indem man Wasser, Strom und Wärme um die E-Mobilität und Mieterstrom ergänzt, um Kunden an sich zu binden. Kombinationen aus beidem ist speziell für Stadtwerke ein struktureller Mehrwert, den das Unternehmen anbieten kann. Insofern dienen solche Konzepte dazu, sich als Unternehmen für die Zukunft aufzustellen.

Frau Süß, braucht es eine neue Arbeitsteilung bei der Projektentwicklung? Energieeffizienz ist doch ein Dauerthema über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Das bildet die klassische Arbeitsteilung am Bau aber nicht ab.

Süß: Früher hat der Architekt den Heizraum geplant, dann wurde die Heizung installiert und fertig. Heute reicht das nicht mehr. Die Anlagen sind dafür wegen der Anforderungen an die erneuerbaren Energien viel zu komplex. Zum Beispiel der Schallschutz bei einem BHKW. Darauf muss man bei der Heizraumplanung eingehen. Da merken wir, dass wir uns früher einbringen müssen, um darauf hinzuweisen. Dadurch sind wir in die Projekte deutlich früher involviert, als noch vor ein paar Jahren. Die Absprachen sind aber nötig, sei es mit dem Architekten, sei es mit dem TGA-Planer. Mit dem Ziel, später die Ansprüche der Bewohner erfüllen zu können.

Frau Ueltzen, Sie sprachen eben von Fernwärme. Der Netzausbau ist politisch gewollt. Wie sollten Versorger das Ihrer Erfahrung nach am besten angehen?

Ueltzen: Aktuell gibt es großes Interesse am weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes. Die Bundesregierung hat ein neues Förderprogramm für das Fernwärmenetz 4.0 aufgelegt ...

Was ist mit dem Begriff gemeint?

Ueltzen: Im Trend sind Niedertemperaturnetze beziehungsweise multivalente Netze. Viele Kommunen tragen sich mit dem Gedanken, bei der Fernwärmeversorgung tätig zu werden, gerade auch Kommunen ohne eigenes Stadtwerk. Denn diese haben den Flächenzugriff und können daraus Geschäftsfelder aufbauen. Das war in der Vergangenheit so. So wird es auch künftig sein.

Sie sprachen eben von Mieterstrom. Dessen Abrechnung gilt als komplex.

Ueltzen: Richtig, Mieterstrom-Abrechnung ist eine Know-how-Herausforderung für viele Stadtwerke. Ebenso Carsharing und Elektromobilität. Das stellen wir in der Beratung immer wieder fest.

Frau Ueltzen, Sie erwähnten das Förderprogramm für Fernwärme. Welche Rolle spielt die Förderung eigentlich für eine Kommune, abgesehen vom rein monetären Aspekt?

Ueltzen: Gerade kleinen Kommunen können mittels Fördermittel eine Konzeptstudie finanzieren. Wenn man 50 bis 60 Prozent Zuschüsse bekommt, ist das natürlich ein guter Anreiz. Die Studienergebnisse sind meist sehr förderlich, etwa wenn der Bürgermeister sich um die Unterstützung des Gemeinderates bemüht.

In der Regel können Kommunen die Projekte nicht allein umsetzen. Aber sie können mit einer Konzeptstudie erste Überlegungen anstellen. Gleichzeitig gibt es immer wieder Kommunen, die Stadtwerke gründen oder sich die Netze zurückholen. Ausgangspunkte sind häufig kleine Fernwärmeprojekte, etwa für ein Schulzentrum oder ein Altenheim. So wird man im Quartier tätig. Später werden weitere Dienstleistungen angeboten. Häufig ist dann erneut die Förderung der Trigger.

Herr Neuhaus, Rhein Energie bietet mittlerweile bundesweit integrierte Quartierslösungen an. Zum Beispiel in Form von Consulting für kleine und mittlere Stadtwerke. Rhein Energie geht damit bewusst über das angestammte Versorgungsgebiet hinaus. Warum ausgerechnet jetzt?

Peter Neuhaus, Rhein Energie: Der Impuls kam durch die Entwicklungen in Köln, die so auch in vielen Kommunen bundesweit stattfinden. Köln wächst erheblich. Es entstehen viele neue Quartierslösungen mit unterschiedlichen Zuschnitten und Anforderungen.

Zum Beispiel?

Neuhaus: Da ist einerseits die institutionelle Immobilienwirtschaft, andererseits die klassische Wohnungswirtschaft, zum Beispiel in Form von kommunalen oder genossenschaftlichen Wohnungsgesellschaften. Dabei finden sich nicht selten Hochpreissegment und Mietwohnraum in einem Quartier.

Quartier ist für uns alles ab etwa 50.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche BGF aufwärts. Manche Entwickler planen Areale mit 150.000 Quadratmeter BGF. Dabei müssen wir den unterschiedlichen Investoren und Nutzern Rechnung tragen und die energiewirtschaftlichen Lösungen mit drei- oder fünfjährigem Vorlauf projektieren. Hier geht es darum, innovativ und energieeffizient zu sein.

Diese Ansprüche sind universell und örtlich ungebunden. War das der Grund, weshalb man Leistungen bundesweit anbietet?

Neuhaus: Nicht jede Kommune kann in Eigenregie eine Quartierslösung umsetzen. Hier setzen wir an. Denn über die Sparten der Rhein Energie im Verbund eines großen Stadtwerkekonzerns haben wir viel Know-how im Unternehmen. Sei es Telekommunikation, sei es Mobilität, sei es Strom und Wärme oder Entsorgung. Das wollen wir bundesweit für die Planung nutzen. Nicht für die Umsetzung. Natürlich lassen wir keinen Müllwagen aus Köln nach München fahren. Uns geht es um die Konzeption für ein vernünftiges Quartier mit Infrastrukturlösungen, mit Abfallentsorgung, mit E-Mobilitätslösungen.

Die Verbindung von Immobilie und Mobilität wird zunehmend bedeutsamer. Ein Quartier verfügt künftig über E-Car-Sharing. Quartierbewohner können sich ein Fahrzeug über eine App mieten, um zum Beispiel ihre Erledigungen zu machen. Solche Lösungen muss man dabei haben, wenn man einen Quartiersentwickler überzeugen möchte.

Frau Süß, ab 2021 können Immobilieneigentümer als Anschlussnehmer den Messstellenbetreiber frei wählen. Die Wahl gilt dann für alle Stromzähler der Immobilie. Das wird den Markt für das Submetering erst richtig beleben, sagen Experten. Bereitet sich Ihr Unternehmen schon darauf vor?

Süß: Dass schauen wir uns gerade sehr genau an. Aktuell wird ein Verfahren für die digitale Auslesung der Zählerdaten entwickelt. Die bekommt dann der Vermieter, das vereinfacht ihm die Abrechnung.

Gleichzeitig steigt das Bewusstsein der Bewohner, wie sie wohnen. Sie verfolgen per App ihre Verbräuche. Das heißt, die Digitalisierung fließt in unsere Konzeptentwicklung mit ein.

Neuhaus: Wir arbeiten gerade gezielt an der Digitalisierung eines Quartiers. Dabei können Lösungen für Submetering oder Gateway-Administration beliebig komplex sein. Am Ende steht ein Service, der dem Kunden eine transparente Abrechnung zur Verfügung stellt. Das schließt die Verbräuche für Strom, Wasser, Wärme sowie auf Wunsch Aufzug, Gartenreinigung und so weiter ein. Letztlich geht es um das intelligente Siedlungsmanagement, das unterschiedliche Faktoren verknüpft.

Um energiewirtschaftliches und wohnungswirtschaftliches Know-how zusammenzubringen, haben wir mit der größten Kölner Wohnungsbaugesellschaft, der GAG Immobilien, vor rund einem Jahr eine gemeinsame Tochtergesellschaft namens Cowelio gegründet.

Was heißt das für die Energieversorgung genau?

Neuhaus: Es geht um das Verknüpfen energiewirtschaftlicher Erzeugungsdaten im Quartier mit zusätzlichen Lieferungen, die zentral erfolgen.

Was macht man mit der dezentral im Quartier erzeugten Energie zum richtigen Zeitpunkt? Soll sie ins Netz oder in die E-Ladesäule geschoben werden, soll es der Mieter nutzen oder ist gerade der Börsenpreis so interessant, dass sie dort vermarktet werden kann? Mit diesen spannenden Fragen beschäftigen wir uns derzeit in der Praxis in einem von der EU geförderten Projekt in der Kölner Stegerwaldsiedlung.

Frau Ueltzen, der Bekanntheitsgrad eines Stadtwerks ist vor Ort in Stadt und Region meist sehr hoch. Laut Umfragen gelten lokale Versorger als verlässlich. Per se also gute Voraussetzungen für Stadtwerke, wenn es um lokale Quartierversorgung geht?

Ueltzen: Das große Asset eines Stadtwerks ist die lokale Verankerung. Wohlfühlen im Quartier hat so eine lokale Komponente. Diesen Mehrwert kann ein Stadtwerk mit einbringen. Dieser Faktor wird künftig sicherlich bei der strategischen Ausrichtung vieler Stadtwerke in Deutschland eine große Rolle spielen.

Voriges Jahr sagte mir ein Stadtwerke-Geschäftsführer, er mache ausschließlich das, was die Bundesnetzagentur verlangt. Nicht mehr, nicht weniger.

Ueltzen: Diesen Aspekt sprechen wir immer wieder in der Beratung an. Kommunen wie Stadtwerke müssen das Leistungsspektrum erweitern. Etwa in Form kleiner Fernwärmelösung. Und sich dann Stück für Stück weiter vorarbeiten.

Wir haben viele Beispiele in der Vergangenheit, die über kleine Projekte Erfahrungen gemacht haben. Später weitete man das Personal aus und erschloss sich über Schulungen eine weitere Sparte.

Quartierversorgung für Wohnimmobilien, Quartierversorgung für Gewerbeimmobilien – Frau Süß, spielen diese Unterschiede eine Rolle für die Versorgung?

Süß: Natürlich. Es kommt auf die Struktur an. Ein reines Gewerbegebiet hat ganz andere Anforderungen als ein Wohngebiet. Deshalb ist es wichtig, sich von vorneherein zu beteiligten. Sind die Anforderungen bekannt, erstellt man das Konzept. Es gibt keine Standardlösung für Quartierversorgung. Es ist immer ein Prozess.

Berlin oder Hamburg haben einen hohen Anteil von Bestandsgebäuden mit Mietwohnungen. Bedeutet das, dass Anbieter für Quartierversorgung automatisch wenig Handhabe haben?

Süß: Nicht unbedingt. Mit dem geforderten Heizkostenvergleich sind juristische Beschränkungen vorgegeben. Nichtsdestotrotz gibt es Fälle, wo man in Bestandsbauten die Ölheizung loswerden möchte.

Stattdessen soll ein BHKW installiert werden, um kombiniert Wärme und Strom zu erzeugen.

Wie gesagt, es gibt keine allgemeingültigen Konzepte. Das gilt für Bestand und Neubau. Für uns als Anbieter von ganzheitlichen Energielösungen kommt es darauf an, zusammen mit dem Kunden die für ihn passende Lösung zu entwickeln. Anbieter ist nicht gleich Anbieter.

Er sollte in der Lage sein, bei Bedarf eine besonders schlanke Lösung zu entwickeln. Etwa bei preiswerten Wohnungen, die wir natürlich auch versorgen wollen. Für hochpreisige Bauten ist gegebenenfalls eine Lösung mit allem Komfort vom Kunden gewünscht. Auf derlei Anforderungen muss man sich als Anbieter einstellen.

Herr Neuhaus, Sie erwähnten die Sanierung der Stegerwaldsiedlung. Ist das Projekt eine Blaupause für die künftige Sanierung des Gebäudebestandes?

Neuhaus: Die Stegerwaldsiedlung besteht aus rund 1.400 Wohneinheiten. Die Gebäude stammen aus den Fünfzigerjahren und wurden bislang ausschließlich mit Fernwärme beheizt. Die Siedlung wird derzeit mit unserer Unterstützung energetisch modernisiert.

Neben der Gebäudedämmung kommen PV, Wärmepumpen und Energiespeicher zum Einsatz. In Summe haben wir ein intelligentes Siedlungsmanagement implementiert. Es ist ein Vorzeigeprojekt, in dem Mieter über alle Annehmlichkeiten verfügen. Unter anderem inklusive Visualisierung der Verbräuche.

Das ist ein Beispiel für das, was im deutschen Gebäudebestand in den nächsten Jahren häufiger geschehen wird. Im Bestand spielt die Musik, das steht fest. Viele Kommunen und Stadtwerke werden entsprechende Projekte umsetzen müssen. Das ist ein Grund, warum wir uns auf die Konzeptentwicklung spezialisieren.

Frau Ueltzen, Mieterstrom beispielsweise gilt als IT-intensiv. Wird da übertrieben? Sind Digitalisierung und Quartierversorgung zwei Seiten einer Medaille?

Ueltzen: Digitalisierung ist eine Notwendigkeit. Damit müssen sich Kommunen und Stadtwerke auseinandersetzen. Digitalisierung kann man auch nicht vom alten Kerngeschäft der Stadtwerke trennen. Wenn ich natürlich eine Geschäftsfelderweiterung betreibe analog zu der Prozessdigitalisierung, entstehen automatisch Synergien. Die erlauben wiederum größere Wertschöpfung in anderen Bereichen. So generiert man Vorteile für das alte Kerngeschäft. Losgelöst lässt sich das in keinem Bereich betrachten.

Süß: Man kann das nicht trennen. Bei uns hat das angefangen mit der Anlagenüberwachung. Heute stellen wir Kunden Verbrauchsdaten zur Verfügung, um ihnen die Abrechnung zu erleichtern. Als Versorger früher ›nur‹ Strom und Gas geliefert haben, war die Abrechnung natürlich einfacher. Heute sieht es anders aus. Da müssen sich viele Versorger umstellen. Es ist doch so: Bei einer Mieterstromanlage mit PV muss die Versorgung auch dann funktionieren, wenn es regnet. Das bringt Komplexität mit sich, die es so früher nicht gab. Deshalb ist es wichtig, sich die richtigen Partner ins Boot zu holen.

Neuhaus: Die Welt ist in der Tat deutlich komplexer geworden. Wie gehen Unternehmen damit um? Historisch gewachsene Prozesse sind gut, weil sie funktionieren. Wie gelingt es, diese Prozesse in eine Welt zu überführen, die trotz Komplexität gleichwohl einfache und smarte Modelle ermöglicht? Das ist die große Herausforderung. Es braucht ein flexibles Modell mit einer IT-Einheit als Basis, an die verschiedene Dienstleistungen angedockt werden können. Seien es Abrechnungsleistungen, seien es Prozesssteuerungen, seien es Visualisierungen. Aber vielleicht auch Dienstleistungen, an die heute noch gar keiner denkt. hd

Erschienen in Ausgabe: Nr. 07 /2018