Junge Technologie mit großem Lernpotenzial Standpunkt

Markt

CCS - Kommerzielle CCS-Anlagen, die ab 2015 bestellt werden, können im Wettbewerb mit anderer CO2-armer Stromerzeugung bestehen, so eine Alstom Studie.

04. Oktober 2011

>Auf Grundlage der Ergebnisse bereits heute betriebener Pilot- und Demoanlagen im Bereich Kohlendioxidabscheidungs- und -speichertechnologie (CCS) hat Alstom aktuell eine ausgedehnte Studie der Kosten von PCC- und Oxy Combustion-Technologien durchgeführt und diese in die Zukunft projiziert. Dabei spie-len auch die bei großen CCS-Demonstrationsanlagen gewonnenen Engineering-Erfahrungen eine große Rolle.

Die wesentlichen Ergebnisse der Studie: Die ersten kommerziellen CCS-Anlagen, die ab 2015 bestellt werden können, sollen bereits vollkommen wettbewerbsfähig gegenüber jeder anderen CO2-armen Stromerzeugungslösung sein, wenn man von Stromkosten für Dampfkraftwerke ausgeht, die in Abhängigkeit der Brennstoffe und Regionen zwischen 65 und 85€/MWh liegen. CCS befinde sich am Anfang einer Lernkurve, sodass im Jahr 2030 für CCS-Dampfkraftwerke in Europa CCS-SK/COE unter 70€/MWh beziehungsweise CO2-Vermeidungskosten unterhalb 40€/t realistisch zu erwarten seien. Denn verglichen mit anderen weit entwickelten Technologien birgt die noch relativ junge CCS-Technologie größere Lernpotenziale, was deren Wettbewerbsfähigkeit längerfristig verbessert.

Philippe Paelinck, Direktor CO2 Business Development bei Alstom in Frankreich und einer der vier Autoren der Studie: »Im Gegensatz zur gängigen Meinung zeigt sich die entsprechende SK/COE-Wettbewerbsfähigkeit von Gas gegenüber Kohle für Anlagen, die ab 2015 in Auftrag gegeben werden sollen, leicht verbessert, sofern man CCS auf beide Brennstoffe anwendet.« Die SK/COE variieren hierbei in Abhängigkeit der Region zwischen 60 und 70€/MWh.

Philippe Joubert, Präsident von Alstom Power, stellte die Studie, die auf Grundlage von 13 Pilot- und Demo-Projekten erstellt und von unabhängigen Experten bestätigt wurde, bereits auf der Power Gen 2011 in Mailand vor: »Wir sind überzeugt, dass die Kohlendioxidabscheidungstechnologie funktioniert und kosteneffektiv ist.« Die Stromkosten eines kohlebefeuerten Kraftwerks mit CCS-Ausrüstung, das ab dem Jahr 2015 kommerziell verfügbar ist und die Abscheidung von 90% des ausgestoßenen CO2 ermöglicht, liegen in Abhängigkeit des Brennstoffs sowie des Standorts zwischen 6,5 und 8,5 Eurocent/kWh. Die Kosten sind im Vergleich zu Strom, der aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, bereits wettbewerbsfähig. Zudem verbessert sich die Kostensituation im Laufe der Jahre mit zunehmender Ausreifung der CCS-Technologie. Dies gilt auch für gasbefeuerte Kraftwerke, die die CCS-Technologie einsetzen.

Joubert: »Nach zehnjähriger Entwicklungszeit kann die CCS-Technologie jetzt großräumig genutzt werden.« Derzeit entstehe ein neuer Weltmarkt, auf dem Europa dank seiner Technologieführerschaft, des sich schrittweise durchsetzenden regulatorischen Rahmens sowie aufgrund der Entscheidungen, CCS durch Finanzierung von großen Demo-Kraftwerken europaweit zu fördern, vorteilhaft positioniert sei.

Joubert fügte hinzu: »Dies ist ein entscheidender Moment für die Beteiligten im europäischen Energiesektor, sei es in der Industrie oder in der Politik, wenn sie sich selbst aktiv als führend im Bereich der dekarbonisierten fossilen Brennstoffe positionieren wollen. Dieser Bereich hat ein erhebliches Potenzial.«

Mehr als die Hälfte des weltweiten Strombedarfs wird im Jahr 2035 weiterhin von fossilen Kraftwerken abgedeckt werden. Dabei ist die CCS-Technologie derzeit die einzig fundierte Lösung, um Emissionen aus der fossilen Stromerzeugung drastisch zu senken. Ihre Anwendung in kohle- sowie gasbefeuerten Kraftwerken und in der Industrie sei daher unerlässlich, da diese Technologie 20% der Emissionssenkung ausmachen könne, die gemäß der Internationalen Energieagentur (IEA) bis zum Jahr 2050 erforderlich ist.

Politische Signale

Im Detail kommt die Studie zu dem Schluss, dass der relative Brennstoffpreis und die Versorgungssicherheit die wesentlichen Bestimmungsfaktoren für die Wahl der dekarbonisierten, fossilbefeuerten Stromerzeugung bleiben sollten. Zudem stellt sie fest, dass mit dem richtigen politischen Rahmenwerk Technologie und Kosten an sich keine Hindernisse für die Nutzung der CCS-Technologien sind. Dazu seien allerdings nachfolgende Punkte wichtig:

Starke und langfristige Signale werden jetzt benötigt, um den langen Entwicklungszyklus der CCS-Technologie zu sichern:

Ein unverzüglich umzusetzendes politisches Rahmenwerk, das imstande ist, die Entwickler von CCS-Projekten genauso wie die anderen dekarbonisierten Stromerzeugungstechnologien zu belohnen. Was benötigt wird, ist eine Chancengleichheit in Bezug auf die Marktsteuerung, die keine Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Kohlenstofftechnologien macht.

Die progressive Verschärfung des Emissionsrechtehandelssystems EU-ETS. »Unter der gegebenen Zeitschiene, die wir für die Entwicklung der CCS-Kosten herausgearbeitet haben, könnte dies CCS in einigen Fällen bereits in den 20er Jahren im gewerblichen Bereich ohne Subventionen durchführbar machen, übereinstimmend mit langfristigen EU-Zielen zur CO2-Senkung sogar sicher bis 2030«, so die Autoren.

Klare langfristige CO2-Regelungsansätze, die entwickelt werden, um eine faire und nicht verzerrte Technologiewahl für dekarbonisierte Stromerzeugungsanlagen sicherzustellen. In der Vergangenheit wurde mit Hilfe von spezifischen Umweltregelungen die Senkung anderer Emissionsarten erfolgreich umgesetzt. Die Überarbeitung der CCS-Richtlinie im Jahr 2015 bietet hier ausschlaggebende Möglichkeiten. Zuletzt muss sichergestellt werden, dass alle neuen Kohle- und Gaskraftwerke so gebaut werden, dass sie bereit sind, die CCS-Technologie aufzunehmen und die Erwartung von zukünftigen Versprechungen bezüglich der CCS am Leben gehalten wird.

Es müssen so bald wie möglich klare Regelungen im Hinblick auf Speicherung und langfristige Verbindlichkeiten festgelegt werden. Die EU-Richtlinie bezüglich der CO2-Speicherung tritt ab Juni 2011 in Kraft, jedoch verspäten sich viele Mitgliedstaaten in der Übertragung dieser Richtlinie in eine Rechtsvorschrift. Dieser uneinheitliche Fortschritt beeinträchtigt die Entscheidungsfindung im Rahmen wichtiger, groß angelegter Demo-Projekte.

Die Beurteilung der Speichermöglichkeiten sollte mit Hilfe von groß angelegten Demo-Projekten und insbesondere der Entwicklung von CCS-Clustern beschleunigt werden. Der ›Clus-ter‹-Ansatz für die frühe Nutzung der CCS erleichtert die wesentlichen Unsicherheiten bei der Gruppierung von Projekten um öffentlich akzeptierte und geologisch bestätigte Lagerstätten. »Die Offshore-Speicherung weist in dieser Hinsicht offensichtliche Vorteile auf.« Die vier Autoren stellten auch fest, dass die Reduzierung der sogenannten ›Energy Penalty‹ – das ist der Energieverlust durch CCS – und der Stromkosten für Kraftwerke mit CCS, die mit fossilen Brennstoffen befeuert werden, zu den wichtigsten Herausforderungen für den Einsatz dieser CO2-Senkung zählt. Die ausführliche Studie ist bei Alstom erhältlich.

Standpunkt

Für Alstom sind alle Lösungen zur Senkung von Emissionen erforderlich, um den Klimawandel zu bekämpfen. Hierzu gehören neben erneuerbaren Energien mehr Effizienz bei der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen für neue und vorhandene Kraftwerke sowie die Entwicklung der CCS-Technologie.

Erschienen in Ausgabe: 08/2011