Kampagne mitten im Boom

Wärmepumpe Eine Informations- und Werbekampagne im kommenden Frühjahr soll dazu beitragen, den Anteil am Heiztechnikmarkt in den nächsten drei Jahren zu verdoppeln.

29. November 2007

»Wir rechnen damit, dass schon in naher Zukunft jedes zehnte in Deutschland ausgelieferte Zentralheizgerät eine Wärmepumpe ist«, gibt sich Paul Waning, Vorsitzender des Bundesverband Wärmepumpe (BWP) optimistisch. Mit den ersten bundesweiten ›Aktionswochen Wärmepumpe‹ soll der Bekanntheitsgrad bei Endkunden, aber auch bei Politikern und Fachhandwerksbetrieben erhöht werden.

Die vier großen deutschen Stromversorger seien in das Konzept »voll und ganz eingebunden«. In einem Arbeitskreis sitzen Vertreter der Energiewirtschaft sowie Hersteller an einem Tisch und organisieren geeignete Maßnahmen. Weitere 20 EVU wurden über die Ziele informiert und zur Mitarbeit eingeladen. »Wir wollen die Kampagne in ganz Deutschland durchführen, deshalb sind uns natürlich alle Energieversorger willkommen«, sagt der BWP-Vorsitzende.

Generell sei das Thema in der Energiewirtschaft schon gut besetzt. Ohne die Mitarbeit der Versorger hätte sich die Wärmepumpe in den letzten Jahren garantiert nicht so positiv entwickelt, betont Waning. Immerhin sei es ein erklärungsbedürftiges Produkt. Dort, wo die EVU ihre Beratungsaktivitäten hinsichtlich der Anwendungstechnik aufrechterhalten hätten, würden heute die meisten Wärmepumpen verkauft, so Waning.

Unbegründete Zweifel nehmen

Dabei sei das Thema in der Bevölkerung positiv besetzt. »Schlagen Sie doch den Immobilienteil einer Tageszeitung auf, die Wärmepumpe wird in vielen Anzeigen als besonderer Mehrwert herausgestellt «, ist der BWP-Vorsitzende erfreut. Allerdings gebe es noch genügend potenzielle Kunden, die sich zwar für die Technologie interessierten, jedoch Sorge davor hätten, die Wärmepumpe könnte doch nicht so gut funktionieren. »Diese unbegründeten Zweifel müssen wir unseren Kunden durch fachgerechte, sorgfältige und zielführende Beratung nehmen «, fordert Waning.

Konflikte mit dem ›Hauptwettbewerber‹ Erdgas bestehen dann, wenn etwa in einem Neubaugebiet Strom und Erdgas gegeneinander antreten. Aber Waning sieht gute Gründe, die die Wärmepumpe auch für einen Mehrspartenversorger interessant machen: »In Zeiten stark sinkender Netznutzungsentgelte rechnet sich die Neuverlegung von Gasleitungen nur, sofern eine gewisse Absatzdichte erreicht wird.« Wenn die Ansprüche an einen möglichst niedrigen Wärme- bedarf durch die geplante Verschärfung der Energieeinsparverordnung wachsen, »dürfte so mancher Gasausbau in Neubaugebieten mit Niedrigenergiehäusern nicht mehr wirtschaftlich sein«, so seine Prognose. Stromleitungen würden jedoch immer benötigt. Durch die steigende Verbreitung von Wärmepumpen könne der Energieversorger seine Kapazitäten besser ausnutzen und auch in ländlichen Gebieten ohne Gasversorgung zusätzliche Kunden gewinnen.

Den Wärmepumpenexperten hat es »sehr gefreut«, dass das Thema im neuen Wärmegesetz der Bundesregierung Berücksichtigung finden soll. Allerdings sind nach seiner Meinung die Anforderungen an die Wärmepumpe zu Unrecht »weit höher gesteckt, als an andere Heizsysteme«. So sieht der Gesetzentwurf nur bei der Wärmepumpe den Einbau eines zusätzlichen Kosten verursachenden Wärmemengenzählers vor.

»Wir wehren uns nicht gegen diese Messung. Allerdings wissen wir, dass die Ergebnisse im Praxisbetrieb bei allen Heizsystemen etwas schlechter ausfallen können, als in der Theorie«, sagt Waning, »Wenn schon Wärmemengenmessung, dann bitte für alle Heizsysteme.« Weit unbürokratischer sei es, alle Wärmepumpen in das Wärmegesetz zu integrieren.

Dennoch ist der BWP-Chef weiter optimistisch. »Wir haben uns mit bundesweit etwa 50.000 Wärmepumpen pro Jahr entgegen schwerer Wachstumseinbrüche auf dem Heizungsmarkt eine hervorragende Position gesichert.« Bei weiter steigenden Energiepreisen rechnet er bis zum Jahr 2020 sogar mit etwa einer Million Wärmepumpen. Schwierig zu beantworten sei der Anteil bei Neubauten, da die vorliegenden Zahlen nicht zwischen Sanierungs- und Neubaumarkt unterscheiden. Im Gebiet der Lechwerke AG, wo Waning im Hauptberuf als Vorstandsmitglied beschäftigt ist, seien in diesem Jahr etwa 30 % aller neuen Ein- und Zweifamilienhäuser mit einer Wärmepumpe ausgestattet.

Aber auch bei Mehrfamilienhäusern sieht er Potenzial: »Wir stellen in den letzten beiden Jahren besonders im Luxussegment eine wachsende Anzahl von Mehrfamilienhäusern mit Wärmepumpenheizung in der Größenordnung von bis zu zehn Wohneinheiten fest.« Der Marktanteil von Mehrfamilienhäusern mit Wärmepumpenausstattung könne bis 2010 bundesweit bei etwa 2 % liegen. (mn)

Natürliche Wärme

Vom 4. bis 20. April 2008 werden die Aktionswochen zur Wärmepumpentechnologie stattfinden. Unter dem Motto ›Natürlich Wärme pumpen‹ haben der Bundesverband Wärmepumpe e.V. (BWP), der Bundesindustrieverband Deutschland, Haus-, Energie- und Umwelttechnik e.V. (BDH), zahlreiche Hersteller sowie drei große Energieversorger eine Informations- und Werbekampagne ins Leben gerufen. Sie soll in Folge bis zum Jahr 2010 stattfinden. Schirmherr ist der frühere Umwelt- und Bauminister Dr. Klaus Töpfer.

Erschienen in Ausgabe: 12/2007