Kapitalanleger investieren in Sonnenkraft

In Bayern wurde der größte Solarpark der Welt eingeweiht

Auf einem ehemaligen Monitionsdepot entstand im oberpfälzischen Hemau der weltweit größte Solarpark. Der Projektleiter und Investor, die voltwerk AG, Hamburg, finanziert das Photovoltaik-Kraftwerk über einen Solarfonds.

05. August 2003

Der Solarpark in der niederbayerischen Gemeinde Sonnen bei Passau galt bis dato als der größte Deutschlands, das Solarprojekt im italienischen Serre bei Salerno mit 3,3 MW als das größte der Welt. Das Photovoltaik-Kraftwerk in Hemau, Kreis Regensburg, übertrifft beide: Seit Ende vergangenen Jahres können die 40 voneinander unabhängigen Photovoltaik-Anlagen zusammen eine Spitzenleistung von rund 4 MW erzeugen. Der Strombedarf der 4.600 Einwohner von Hemau ließe sich damit weitgehend abdecken.

„Der Solarstrom aus Hemau wird in das öffentliche Netz der E.ON Bayern AG eingespeist“, erklärte Frank Wolff, Vorstandsvorsitzender der voltwerk AG, auf der Einweihungsfeier am 29. April. Die Hamburger voltwerk AG, ein Unternehmen der Conergy Gruppe, leitet das Projekt und finanziert die Kosten von 18,4 Mio. € über ein Beteiligungskonzept: Private Investoren erwerben Anteile an dem Solarpark und können durch die gesetzlich garantierte Stromvergütung des Netzbetreibers eine Rendite erzielen. „Aufgrund steigender Nachfrage von Kapitalanlegern sollen Projekte dieser Art mittelfristig unabhängig von staatlichen Förderungen werden“, so Wolff weiter.

Für die Planung und den Bau des Solarparks waren die Ingenieure der SunTechnics Solartechnik GmbH verantwortlich. „Startschuss war Mitte Oktober 2002 und damit nur noch zwölf Wochen Zeit, um die Anlage ans Netz zu bekommen“, berichtet der Geschäftsführer Hans-Martin Rüter. „Im Oktober und November gab es sehr viele Niederschläge. Material und Lkws versanken im Matsch. Mit speziellen Baumaschinen mussten die Fahrzeuge wieder herausgeholt werden.“ Doch mit Hilfe von 70 Handwerkern sei die Anlage pünktlich am 30. Dezember 2002 ans Netz gegangen. Dadurch ist nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine Stromvergütung von 48,1 Cent pro kWh durch die E.ON Bayern AG für 20 Jahre gewährleistet (siehe Kasten).

Die Verwaltung von Hemau hatte im Rahmen einer Ausschreibung entschieden, den Solarpark in einem Waldstück auf dem Gelände eines ehemaligen Monitionsdepots zu errichten. „Eine bereits brachgelegene Fläche von circa 18 Hektar, in einem fast schon verwahrlosten Zustand, konnte einer sinnvollen Nachnutzung zugeführt werden“, freut sich Hans Pollinger, Bürgermeister der Stadt, und hebt die günstige Lage hervor. „Hemau gehört zu den sonnenreichsten Regionen Deutschlands, das bestätigt uns der Deutsche Wetterdienst.“ Die solare Globalstrahlung beträgt 1.229 kWh pro m² auf Modulebene.

Auf dem etwa 36 Fußballfelder großen Areal stehen nun 32.740 Solarmodule mit einer Gesamtmodulfläche von 34.960 m². Hersteller ist die BP Solar, ein 100%iges Tochterunternehmen von British Petroleum (BP). Die Gestelltechnik wurde von der Conergy Systems GmbH konzipiert. Das Befestigungssystem Solar Gigant H, eine Holzkonstruktion auf Betonpfostenträgern, belegt nur etwa 3 % der Fläche. Somit kann Regenwasser praktisch ungehindert im Boden versickern.

Die Erdbunker, in denen früher Waffen lagerten, beherbergen die Zentralwechselrichter des Typs Sinvertsolar von Siemens. Hier wird der Gleichstrom der Solarzellen in Wechselstrom umgewandelt. Die zentrale Steuereinheit Simatic S7 in jedem Wechselrichter sorgt dafür, dass immer die größtmögliche Leistung der Solarzellen genutzt werden kann. Sie überwacht die Anlage und verfügt über eine Modemschnittstelle zur Fernüberwachung und -steuerung.

„Durch den Betrieb der Anlagen werden in den nächsten 20 Jahren über 71.000 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid vermieden“, prognostiziert der Bayerische Staatsminister für Landesentwicklung und Umweltfragen, Dr. Werner Schnappauf. „Photovoltaik ist eine der Schlüsseltechnologien für die künftige Energiegewinnung“, ist Schnappauf überzeugt. „In Bayern stehen heute mehr als 40 % der bundesweit installierten Solarstrom-Anlagen.“ Bisher würden die Gelder aus dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz hauptsächlich für die Windkraft ausgegeben. Bayern fordere, dass auch weitere erneuerbare Energien stärker gefördert werden, wie Sonnenenergie, Biomasse und Geothermie.

Erschienen in Ausgabe: 06/2003