Kaufprämien sind weniger sinnvoll

Markt

Interview - Geschäftsführer der Nationalen Organisation für Wasserstoff und Brennstoffzellen (NOW) Klaus Bonhoff zur Elektromobilität in Deutschland.

31. Januar 2011

Im Jahr 2009 wurden im Rahmen des ›Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität‹ acht Modellregionen bekannt gegeben, in denen die Elektromobilität in Deutschland erprobt und deren Marktreife gefördert werden soll. Nach den ersten Erfahrungen, in welchen Bereichen wird sich die Elektromobilität zunächst aller Voraussicht nach etablieren?

Im Rahmen der Modellregionen wird notwendigerweise ein recht breiter Ansatz verfolgt. Aufgrund der Kostenstruktur und der Geschäftsmodelle kann man derzeit sagen, dass die Elektromobilität im ÖPNV, im öffentlichen Personennahverkehr, sehr chancenreich ist.

Gut vorstellbar ist momentan auch die Hybridisierung des Schwerlastverkehrs und des gewerblichen Verkehrs. Gerade für den innerstädtischen Bereich sind emissionsfreie Lieferfahrzeuge sehr attraktiv.

Mit Blick auf den Privatnutzer von Elektrofahrzeugen ist eine erste Erkenntnis aus den Modellregionen, dass dieser zwar grün eingestellt ist, aber keine zusätzlichen Kosten in Kauf nehmen will. Für Privatnutzer stellen zudem noch die derzeitigen Reichweiten- und Fahrzeitenbegrenzungen ein Problem dar.

In Japan beispielsweise wird der Kauf eines Elektroautos staatlich subventioniert. Sind in Deutschland in Zukunft ähnliche staatliche Zuschüsse denkbar?

Die Einführung von Elektrofahrzeugen in Deutschland und ein entsprechender Massenmarkt werden auch in Deutschland nicht von alleine zustande kommen. Finanzielle Unterstützung sollte aber in erster Linie im Bereich Forschung und Entwicklung bereitgestellt werden. Kaufprämien sind weniger sinnvoll.

Sie würden zweifelsfrei dazu führen, dass zunächst ausländische Fahrzeuge auf den Markt drängten. Die Förderung des Markteintritts der Elektromobilität müssen wir aber so gestalten, dass eine Wertschöpfung in Deutschland stattfinden kann. Hier kann man zum Beispiel über steuerliche Anreize diskutieren.

Wie sehen die Chancen des deutschen gegenüber dem chinesischen Markt in Sachen Elektromobilität aus?

Die Märkte und Mobilitätsbedürfnisse in Deutschland und China sind grundverschieden, so sind Zweiräder etwa in China ein viel größeres Thema. Längerfristig könnte sich China aber in Konkurrenz zu Deutschland entwickeln, allein schon, weil es ein sehr großer Markt ist.

Für Deutschland geht es deshalb darum, so aufgestellt zu sein, dass man gut exportieren kann. Deutschland muss das Ziel haben, Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität zu werden.

Welche Maßnahmen sind in nächster Zeit im Bereich der Standardisierung zu erwarten, etwa bei Stecker, Stromtankstellen?

Standardisierung ist zunächst einmal Sache der Industrie. Die Unternehmen müssen sich in den entsprechenden Gremien und Organisationen verständigen – sowohl europäisch als auch global. Denn es ist klar: Die Frage der Standardisierung spielt eine entscheidende Rolle für die Kostensenkung auf der Fahrzeug- und Infrastrukturseite. Zudem sind Standards nach außen hin wichtig, um die Kundenakzeptanz zu steigern und Deutschland als Leitanbieter auf dem globalen Markt in Stellung zu bringen.

Zitat: "Wir müssen die Förderung so gestalten, dass eine Wertschöpfung hier im Land stattfinden kann."

Klaus Bonhoff, NOW GmbH

Anette Weingärtner

Erschienen in Ausgabe: 01/2011