Finanzen

Keine akute Geldnot

Transformationsprozesse bei deutschen Energieversorgern – droht unseren Stadtwerken und Kommunalversorgern eine finanzielle Krise? Die Gewinnmargen der Unternehmen wurden in einer Studie untersucht.

08. April 2019
Keine akute Geldnot
(Bild: Angela Rohde - stock.adobe.com)

Entgegen dem Bauchgefühl vieler Branchenbeobachter stabilisiert sich im Querschnitt die Lage der Energieversorger, so das Beratungsunternehmen PwC. Das Unternehmen beruft sich auf die Ergebnisse der Studie »Krise abgesagt? Finanzierungsverhältnisse kommunaler Versorger und Konzerne«, die PwC jetzt veröffentlichte. Untersucht wurden den Angaben zufolge 300 kommunale EVU sowie 75 kommunale Muttergesellschaften.

»Die 2017er-Jahresabschlüsse der Unternehmen sind darin berücksichtigt, sofern sie schon vorliegen«, erläutert das Beratungsunternehmen die Ergebnisse.

Keine Finanzkrise

Keine Finanzkrise

Eine der wichtigsten Kennzahlen bei der Bewertung der Ertragslage ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). 2016 lag die EBITDA-Marge im Querschnitt bei 14,7 Prozent. Für 2017 zeichnet sich ein EBITDA-Median von 14,8 Prozent ab. Beide Werte sind etwas niedriger als 2015 (15,0 Prozent), doch höher als von 2011 bis 2014 (14,1 bis 13,6 Prozent), so das Beratungsunternehmen. Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC, sagt: »Seit Jahren leiden die EVU unter den Folgen der Energiewende. Die deshalb eingeleiteten Restrukturierungen wirken jetzt positiv.« Die vorausgesagte Finanzkrise der EVU ist nach seinen Worten aus den vorliegenden Zahlen nicht ableitbar.

Deutlich abzugrenzen von den EVU seien hingegen die Finanzverhältnisse vieler kommunaler Konzerne, in denen die Versorgung, aber auch weitere kommunale Aufgaben gebündelt sind. Die stabilere Ergebnissituation wirke sich aber auch hier positiv auf die kommunalen Muttergesellschaften aus, die damit andere Aktivitäten wie den Öffentlichen Personennahverkehr subventionieren.

Mehr Eigenkapital verfügbar

Auch die Eigenkapitalquote vieler Unternehmen entwickelt sich wieder positiv, heißt es beim Beratungsunternehmen. Das ist wichtig, weil sie ein wesentliches Prüfkriterium für Banken und andere Fremdkapitalgeber ist. Lag die Eigenkapitalquote zwischen 2011 und 2015 im Querschnitt zwischen 33,9 und 34,4 Prozent (bei einem Tiefpunkt von 33,2 Prozent im Jahr 2013), stieg sie 2016 auf 35,4 Prozent. 2017 könnte sie weiter steigen: auf 35,6 Prozent.

»Die vorausgesagte Finanzkrise der EVUs ist aus den uns vorliegenden Zahlen nicht ableitbar.«

— Norbert Schwieters, PwC

Ebenfalls weiter stabilisiert hat sich der dynamische Verschuldungsgrad der Unternehmen, so PwC. »Nach einem deutlichen Anstieg des Verschuldungsgrads zwischen 2009 und 2012 von 1,8 auf 2,3 stagniert die Entwicklung seit 2013 erfreulicherweise«, heißt es. 2016 lag sie im Median bei 2,3; 2017 könnte der Verschuldungsgrad auf 2,2 fallen.

»Gemessen an den Richtwerten für eine mindestens zufriedenstellende Kreditbonität sind die gut unterwegs«, bemerkt Norbert Schwieters. Im Schnitt verfügten die EVU in Deutschland über ausreichende Grundbonität und Cashflows, um die aktuellen Verschuldungsniveaus zu tragen, so PwC. hd

Erschienen in Ausgabe: 08/2018