Keine Entwarnungbei Kraftwerksbau

Editorial

Die Politik muss sich Fragen des Marktdesigns stellen und einen Rahmen für neue Kapazitäten bis 2015 schaffen.

22. Mai 2012

>Mit ›Investitionsoptimismus‹ gehe die Energiewirtschaft aktuell trotz großer Risiken voran, so der BDEW bei der Veröffentlichung der Kraftwerksliste und der Zahlen zum Energieverbrauch auf der Hannover Messe. 84 große Stromerzeugungsanlagen – ab 20MW Leistung aufwärts– sind aktuell gelistet. Die installierte Leistung der Projekte summiert sich auf rund 42GW, das Investitionsvolumen auf 60Mrd.€. Nur 15 Projekte steckten erst in der Planung. Der größere Teil sei in Genehmigungsverfahren oder weiter.

Das Engagement ist vielfach zu spüren beim Ausbau großer Anlagen für erneuerbare Energien – insbesondere Offshore-Anlagen und Pumpspeicherwerke. In der Liste befinden sich allerdings auch 29 Gaskraftwerke und 17 Kohlekraftwerke.

Alles in allem sieht es offensichtlich gar nicht so schlecht aus. Und so unterstrich BDEW-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller durchaus das positive Signal. Sie stellte fest, dass »genügend Projekte in der Pipeline sind, die abgehende Kernenergie zu ersetzen.«

Gleichzeitig merkte sie aber an: »Dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bei den Plänen für erneuerbare Anlagen ebenso Hindernisse gibt wie bei Kohle- und Gaskraftwerken.« Insbesondere bei den noch in Planung befindlichen Projekten ist häufig Wartestellung zu vermuten. Zu Unsicher seien Wirtschaftlichkeit und Rahmenbedingungen. Wieder einmal ging deshalb der Appell an die Politik, sich mit Fragen des Marktdesigns auseinanderzusetzen und bis 2015 die Rahmenbedingungen für den Bau neuer Kraftwerkskapazitäten bis 2020 geklärt zu haben. Zwei kommende Events, die auch in dieser Ausgabe von >energiespektrum als roter Faden spürbar werden, bieten wieder reichlich Raum, dies zu thematisieren: Die Power-Gen Europe in Köln und der BDEW-Kongress in Berlin. Wir sind gespannt, ob die Botschaften in der Politik gehört werden.

Erschienen in Ausgabe: 05/2012