Kleine Revolution für jedermann?

Management

Smart Metering - Im Forschungsprojekt Intelliekon soll geklärt werden, ob und unter welchen Bedingungen intelligente Zähler das Energie-Verhalten nachhaltig verändern.

14. April 2009

Die Losung vom ›Umbau der Energiewirtschaft hin zur Energie-Effizienz-Wirtschaft‹ macht die Runde. Im Haushaltskundenbereich sollen dabei nicht wie bisher vor allem Maßnahmen zur Wärmedämmung und neue Heiztechnologien wirken, sondern auch ein generell anderer Umgang mit der Ressource Strom. Die zwei wichtigsten Protagonisten scheinen dabei längst identifiziert: Der flächendeckende Einsatz von intelligenten Zählern einerseits und das Angebot zeit- oder lastvariabler Tarife durch die Versorgungsunternehmen andererseits sollen es richten. Der Stromverbrauch soll durch bewussten Einsatz der Energie gesenkt werden, die vorzuhaltenden Grundlastkapazitäten im Rahmen eines Smart Grid, das die Ströme aus vermehrt dezentraler Erzeugung managt, auf ein Minimum reduziert werden können.

Die Rolle einer entscheidenden Instanz, nämlich der des Haushaltskunden, hat allerdings bei all den bisherigen mittel- und langfristigen Planungen und Visionen recht wenig Berücksichtigung gefunden. Diese ist Gegenstand des Projekts Intelliekon. Beantwortet werden soll dort die Frage: Auf welche Weise müssen Energieversorger ihre Kunden informieren, damit sie in der Lage sind und motiviert werden, ihr Verbrauchsverhalten nachhaltig zu verändern? Seit Februar dieses Jahres werden Daten für eine objektive und praxisnahe Antwort auf diese Frage gesammelt.

Das Projekt unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme unterteilt die Grundfrage in drei differenzierte Fragestellungen:

•Welche Information braucht der Privatkunde, um auf den Energiekonsum einfach und schnell reagieren zu können?

•Wie müssen die Feedback-Instrumente beschaffen sein, um ein aktives Energiemanagement zu ermöglichen?

•Welche Tarifgestaltung bringt die größte Einsparung?

Um verlässliche Antworten auf diese Fragen zu erhalten, setzt die Projektgruppe auf eine doppelte Strategie: Zunächst findet eine Befragung der Testgruppen statt. In den Interviews wird es im Kern darum gehen, ob die Verbraucher sich überhaupt ein Feedback auf ihren Energiekonsum wünschen und wenn ja, in welcher Form die Daten aufbereitet sein sollten. Hinzu kommt zum Beispiel die Frage, ob eine Beratung zur Interpretation der Daten erwünscht ist.

Instrumente für das Feedback

Im nächsten Schritt, beginnend in 2009, werden unterschiedliche Feedback-Instrumente im Praxis-Einsatz erprobt. Dabei kommen drei Feedback-Modelle zum Einsatz:

•Rechnung: Der aufgeschlüsselte Stromverbrauch wird in Form einer Grafik auf der Stromrechnung abgebildet. Dabei können beispielsweise die Monate des Vorjahrs mit denen des laufenden Jahres direkt verglichen werden.

•Internet: In einem passwortgeschützten Portal hat der Nutzer die Möglichkeit, seine Verbrauchsdaten mit einem Tag Verzögerung einzusehen. Diese Variante gibt dem Kunden eine Vielzahl von Analysewerkzeugen an die Hand.

•Display: Ein Display in der Größe eines Navigationsgeräts zeigt beinahe ohne Verzögerung den jeweiligen Energieverbrauch an. Das Gerät kann über jede Steckdose an den Stromkreis angeschlossen werden, da die Informationen via Powerline übermittelt werden.

Der Praxis-Test soll objektive Daten darüber liefern, welchen Einspareffekt die jeweiligen Feedback-Instrumente haben und worauf dieser zurückzuführen ist.

Besonders vielversprechend ist das Projekt Intelliekon vor allem durch seinen integrativen Ansatz: Während unabhängige Institute die wissenschaftliche Zuverlässigkeit garantieren, engagieren sich neun Praxispartner aus dem Energiemarkt für die Erhebung realer Daten. Zu diesem Zweck hatte sich das Fraunhofer-Institut im Vorfeld an Versorgungsunternehmen gewandt, die ein Smart-Metering-Projekt planen oder bereits durchführen.

Erste Ergebnisse Ende 2009

So suchte das Fraunhofer ISE auch die Zusammenarbeit mit der swb Messung und Abrechnung GmbH. Das Unternehmen betreut rund 1.000.000 Zählpunkte in eigenen und fremden Versorgungsgebieten und leitet mit diesem Know-how auch das Smart-Metering-Projekt seines Mutter-Unternehmens swb AG. Seit dem 2. Quartal 2007 sind dort 1.000 intelligente Stromzähler und 100 Smart Meter für die Sparte Gas im Einsatz.

Die swb Messung und Abrechnung steht im Projekt Intelliekon unter anderem als Ansprechpartner zur Verfügung, übernimmt die Ablesung der Messdaten und stellt sie dem Fraunhofer ISE zur Verfügung.

Gegen Ende des Projekts sollen die gesammelten Daten auf die CO2-Bilanz von Deutschland hochgerechnet werden. So sollen Aussagen darüber möglich sein, welchen Energieeinsparungseffekt eine flächendeckende Einführung solcher Systeme haben wird. Die vollständigen Ergebnisse des Projekts Intelliekon sind für das Jahr 2011 geplant. Dennoch sollen schon Ende 2009 bis Anfang 2010 erste Erkenntnisse vorliegen.

Erschienen in Ausgabe: 04/2009