Kleiner Funke für tiefe Schatzsuche

Markt

Dilemma - Nach der Krise ist vor der Krise: Auch wenn der Geothermiemarkt eher langsam wächst, Potenzial ist da, so eine Studie. Es werden wieder Ingenieure gesucht.

31. Januar 2011

Aufgrund fehlenden Kapitals konnten europaweit viele Geothermieprojekte erst mit erheblicher Verzögerung starten, einige befinden sich immer noch in der Warteschleife oder wurden verworfen. Auch ging die Zahl realisierter Projekte während der Finanzkrise zurück.

Das ist ein Ergebnis der Studie des Marktforschungsinstitutes trend:research: Der Geothermiemarkt in Europa bis 2030. »Grund dafür ist der vergleichsweise hohe Kapitalbedarf vor allem für tiefe Geothermieprojekte, der die entsprechenden Projektbeteiligten in erheblichem Maße von der Verfügbarkeit von Fremdkapital abhängig macht«, so die Autoren.

Einige der Befragten gaben dazu als Lösung für kommende Projekte an, dass sie die Rolle der Finanzierer stärker bei den Energieversorgern und Anlagenbetreibern sehen würden.

Problem Stellenabbau

Obwohl mehr als 70% der Marktakteure bestätigten, dass ihr jeweiliges Unternehmen von der Finanzkrise direkt betroffen war, sieht rund ein Viertel der Befragten nur geringe Auswirkungen auf die Branche insgesamt. Grund dafür war laut einiger Experten, dass viele Unternehmen ein diversifiziertes Produktportfolio aufweisen, etwa auch im Bereich der Erdölindustrie aktiv sind.

Nach der Krise muss die Branche nun Ressourcen aufbauen: So wurde laut Studie durch Stellenabbau der Fachkräftemangel verstärkt. Vor allem Geologen und Ingenieure würden gesucht.

Eigenkapital-finanziert

In Deutschland sind nach Angaben des Bundesverbands für Geothermie aktuell 13 Projekte im Bau (Stand Dezember 2010). Sie sollen nach den vorliegenden Daten insgesamt rund 170MWth und 42MWel erzielen.

Eines dieser Projekte befindet sich in Kirchweidach. Dort entsteht das laut beteiligten Unternehmen bisher größte Geothermiekraftwerk Deutschlands. Mit einer geplanten Leistung von bis zu 10MWel und bis zu 80MWth soll es 2012 ans Netz gehen. Noch bohren die Partner, im Februar soll der Anschluss ans heiße Wasser erreicht werden.

Das Projektvolumen liegt bei 50Mio€. Die Bohrung ist bereits ausschließlich durch Eigenkapital finanziert. Darüber hinaus wurde eine Fündigkeitsversicherung abgeschlossen, die im Falle der Nichtfündigkeit den Schaden bezahlt.

Bei dem Projekt handelt sich um ein Joint Venture der Fröschl Unternehmensgruppe sowie der SAM Management Group. Sie planen vier weitere Projekte in Bayern zu verwirklichen.

Bei solchen Projekten müssen sich die Beteiligten gegen diverse Risiken in der Planungs- und Durchführungsphase absichern. Der Großteil der im Rahmen der Studie von trend:research befragten Marktexperten etwa gab mit 42% vor allem das Fündigkeitsrisiko an.

»Begünstigt durch positive Rahmenbedingungen sowie technologische Weiterentwicklungen der Bohrtechnik im Bereich der tiefen Geothermie bietet der Markt hohe Wachstumspotenziale«, so die Autoren. So sieht rund die Hälfte der Befragten einen mindestens starken Wettbewerb bei Anlagenherstellern und Bohrunternehmen.

Positive Effekte

Zu den künftigen Boomregionen der Geothermie zählen in Europa nach Ansicht der befragten Unternehmen neben Deutschland Italien und die Türkei.

Bei der tiefen Geothermie erhoffen sich die Befragten künftig eine positive Entwicklung durch die Erforschung neuer kostensparender Techniken und das Einbringen von Innovationen wie das Elektroimpulsverfahren. »Dies ist insbesondere für den Markt in Deutschland ein wichtiger Aspekt, da die Gesamtkosten für eine tiefe Geothermieanlage um ein Vielfaches höher sind als etwa in Island«, stellt die Studie fest.

Erschienen in Ausgabe: 01/2011