»Konflikte in Nordafrika bedrohen südeuropäische Gasversorgung«

Eine aktuelle Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln hat ergeben, dass die Konflikte in Nordafrika die südeuropäische Gasversorgung bedrohen. Sollten sich die politischen Unruhen in den nordafrikanischen Ländern weiter ausbreiten, könnte dies zu erheblichen Engpässen in der Erdgasversorgung Südeuropas führen.

08. April 2011

Müsste Algerien, ebenso wie derzeit bereits Libyen, aufgrund von bürgerkriegsähnlichen Konflikten seine Gaslieferungen in die Europäische Union einstellen, drohen vor allem Italien sogar erhebliche Engpässe in der Versorgung mit Erdgas.

Während Spanien die ausbleibenden Gaslieferungen aus Algerien durch den Import von Flüssiggas über den Seeweg kompensieren könnte, fehle es Italien dafür an der notwendigen Infrastruktur. Entscheidend dafür, wie stark die Verbraucher in Italien von einem Ausfall algerischer Gaslieferungen betroffen wären, sei der Zeitpunkt des Lieferstopps. Im Sommer, wenn der Gasverbrauch geringer ist, dürfte es nicht zu Engpässen kommen. Im Winter jedoch dürfte Italien im Szenario des EWI bereits nach etwa 90 Tagen seine Kunden teilweise nicht mehr mit Erdgas beliefern können.

Derzeit verpflichtet die Europäische Union ihre Mitgliedsstaaten, Erdgas-Reserven für mindestens 60 Tage vorzuhalten. Sollten Algerien und Libyen gleichzeitig als Lieferanten ausfallen, würde diese Frist für Italien nicht genügen, die Gasversorgung sicherzustellen. Nach Russland (etwa 155 Mrd. m3/p.a.) und Norwegen (etwa 100 Mrd. m3 /p.a.) ist Algerien mit einem Liefervolumen von 47 Mrd. m3 /p.a. für die Europäische Union der drittgrößte Lieferant von Erdgas.