Konkurrenz für Batterien

Prognose für neue Energiespeicherungstechnologien in Europa

Unter den Speichertechnologien hält der Bleiakkumulator unangefochten den Spitzenplatz. Doch das Wachstum für die bewährte „Batterie“ ist weitgehend ausgeschöpft. Neue Techniken stehen bereit, um ein Stück des Marktes für sich zu erobern.

22. Juli 2003

Mit einem europaweiten Absatz von 104 Mio. US-$ (bezogen auf 2002) beginnen neue Energiespeicherungstechnologien wie Schwungräder, Superkondensatoren und supraleitende magnetische Speicher (SMES) den herkömmlichen Batterien Konkurrenz zu machen. Sollte es zu spürbaren Preissenkungen kommen, könnte die Branche einer neuen Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan zufolge um jährlich 11 % wachsen und 2009 ein Volumen von rund 215 Mio. US-$ erreichen.

Bisher sind Bleiakkumulatoren mit 11,73 Mrd. US-$ Umsatz (2002) die dominierende Speichertechnologie in Europa. Allerdings ist ihr Wachstumspotenzial weitgehend ausgeschöpft, und die Entwicklung der alternativen Technologien wird für einen weiteren Rückgang der Nachfrage sorgen. Der Bedarf für spezifischere und kostengünstigere Energiespeicherungslösungen hingegen wächst durch neue Märkte wie Qualitätsstrom, Elektro- und Hybridfahrzeuge und dezentrale Energieerzeugung. Subventionen für erneuerbare oder saubere Energien werden nicht zuletzt diesen innovativen und verlustarmen Speichertechnologien zugute kommen.

Insbesondere neue Entwicklungen am Auto werden das Wachstum fördern. So dürfte das Umsteigen von herkömmlichen 14-V- auf neue 42-V-Anlagen angesichts der begrenzten Kapazität der heutigen Batterietechnologie zu einem breiteren Einsatz neuer Energiespeicherungslösungen beitragen.

Trotz der Vorzüge der neuen Technologien halten sich Investoren jedoch noch zurück. Die Dynamik des Marktes wird nicht nur von hohen Preisen und dem ungünstigen wirtschaftlichen Umfeld gebremst, sondern auch von der Unsicherheit darüber, welche Lösung sich durchsetzt und wie sich komplementäre Technologien entwickeln. So verzögert sich beispielsweise die praktische Erprobung von Lösungen, die im Zusammenhang mit Brennstoffzellen eingesetzt werden könnten, durch das Warten auf die Brennstoffzellen.

Nach Anne-Corinne Barbier, Research Analystin bei Frost & Sullivan, werden die ersten Brennstoffzellenautos frühestens 2010 auf den europäischen Markt kommen und dementsprechend spät größere Stückzahlen erreichen. Auf Seiten der Speichertechnologien dominieren derzeit klar die Schwungradlösungen mit einem Umsatzanteil von 96 %. Laut Frost & Sullivan Prognose werden die Superkondensatoren im Jahr 2009 immerhin einen Anteil von 21 % erreichen können. Supraleitende magnetische Speicher (SMES) werden wohl auch in absehbarer Zukunft eher ein Nischendasein führen.

Schicksal neuer Techniken ist ihr hoher Preis

In diesem frühen Stadium stecken die Technologien in einem Teufelskreis aus hohen Preisen und geringer Nachfrage. Größere Stückzahlen würden Preissenkungen ermöglichen, werden aber ohne niedrigere Preise auch nicht nachgefragt. Die Anbieter sollten sich deshalb zunächst auf Nischenanwendungen orientieren, bei denen Verbesserungsbedarf besteht, und ihre Lösung in diesem Rahmen aggressiv vermarkten. Es könnte aber auch sein, dass die Produkte subventioniert werden müssen, um das erforderliche Volumen zu erreichen, sollen nicht hohe, kostendeckende Preise die Nachfrage ersticken.

Noch ist offen, welchen Herstellern der Übergang von der Entwicklung zur Vermarktung gelingen wird. Neue Märkte haben typischerweise noch keinen festen Rahmen und keine Standards, was den Marktteilnehmern Entwicklungsspielraum gibt und den Markt interessant gestaltet. Potenzielle Anwender der neuen Technologien aber müssen den Markt aufmerksam beobachten, um zu entscheiden, auf welches Pferd sie setzen oder mit wem sie strategische Allianzen eingehen wollen. Mehr Infos zu „Frost & Sullivan& pos;s Analysis Of Emerging Energy Storage Technology Markets In Europe“ unter