Konsistenz der Daten

IT Die Kombination von GIS und ERP verbindet die jeweiligen Vorteile miteinander. Besonders wichtig wird dies bei der Anreizregulierung.

11. März 2008

Die Anforderungen an das Datenmanagement in der Energieverteilung werden zunehmend spürbar. Regulierungsdatenmanagement und Anreizregulierung sind unumkehrbar für alle Verteilungsunternehmen. Die benötigten Daten existieren in den meisten Unternehmen in irgendeiner Form – nur in unterschiedlichen Systemen. Die technischen Daten sind in Geoinformationssystemen (GIS) vorhanden, in unterschiedlicher Struktur und Qualität – aber das Netz kann damit abgebildet werden. Die kaufmännischen Daten zum Netz beinhalten die Enterprise Resource Planning (ERP)-Systeme in unterschiedlicher Struktur und Qualität. Die genauen Kosten der Betriebsmittel und deren Verursachung zu kennen, interessiert Ingenieure und Controller. Allen gemeinsam ist die Notwendigkeit, kalkulatorische und planerische Transparenz in die Kostenstrukturen im Netz zu bringen. Effizienz und Effektivität sind die Hebel für die Anreizregulierung im Netzbereich. Eine Integration aller für das Netz relevanter Daten zu erreichen ist hier von Vorteil.

Die Integration zwischen GIS und ERP möchte stets erreichen, dass die spezifischen Vorteile aus den Systembereichen miteinander kombiniert und zu einem leistungsfähigeren und einfacher zu bedienenden Gesamtsystem zusammengeführt werden können. Auf der Seite des GIS sind dies vor allem die technischen Betriebsmittel und deren topologische Verknüpfung im Netz. Ferner bietet dieses System alle Möglichkeiten einer effizienten, raumbezogenen Bearbeitung der Daten. Die Abbildung von raumbezogenen Organisationsstrukturen im Betrieb ist in einem GIS viel einfacher zu erstellen und zu pflegen als in einem rein alphanumerischen System. Die räumliche Selektion von Betriebsmitteln zu einem geplanten Instandhaltungsauftrag, die Optimierung der Einsatzplanung für mobile Servicemitarbeiter, die räumliche Kombination von Aufträgen entlang einer geplanten Einsatzroute, um Wegezeiten zu minimieren – dies alles sind Stärken eines solchen Systems. Die gefundenen Betriebsmittel oder räumlich am Betriebsmittel positionierten Befunde werden als Liste zusammengestellt und an das ERP-System zur weiteren Bearbeitung in der Arbeitsvorbereitung über die Integrationsschnittstelle weitergereicht.

Geografische Visualisierung

Die georeferenzierte Lokalisierung von Daten aus dem ERP-System, wie Aufträge, Befunde oder Störmeldungen innerhalb des Netzgebietes, bringt für den planenden Ingenieur einen deutlichen Mehrwert gegenüber der alphanumerischen Anzeige von Ort und Straße. Weiterer Pluspunkt des GIS ist die grafische und geografische Visualisierung von Ergebnissen einer technischen und kaufmännischen Analyse. Der Datenpool im ERP-System kann nach verschiedenen Kriterien analysiert werden. Die komplizierten Listen sind aber nur für den Experten zu interpretieren.

Viel spannender ist es, die Analyseergebnisse im GIS mit den topologischen und georeferenzierten Daten zu verbinden. Visualisierungen und thematische Auswertungen schaffen für die Netzstrategie eine Basis, um die Betriebs- und Instandhaltungsstrategien zielgerichtet anzupassen und zu optimieren. Schadensstatistiken oder Kosten von Betriebsmitteln im direkten und raumbezogenen Vergleich sind nur aus der Kombination aller im Unternehmen verfügbaren Daten heraus zu bearbeiten.

Technische Daten von Betriebsmitteln werden auch im ERP-System zur Planung und Steuerung der betrieblichen Aufträge verwendet. Die Millionen Daten von Betriebsmitteln bildet das ERP-System kaum aktuell ab. Hier kommt die Stärke des GIS-Systems zum Tragen: technische Daten der Betriebsmittel und deren topologische Relationen sind hier transparenter zu pflegen, als über die Sachdatenverwaltung des ERP-Systems. GIS wird zum führenden System für die Bearbeitung der technischen Plätze und Equipments im ERP-System. Letzteres verwaltet die Vertragsdaten der Netzanschlüsse und ist eine notwendige Datenquelle für Netzberechnungen. In Kombination mit den topologischen Daten aus dem GIS können so mit überschaubarem Aufwand die Berechnungsdaten für die Netzberechnung auf aktuellem Datenbestand zusammengestellt werden. Alle betrieblichen Aufträge und Meldungen werden aus der Instandhaltung, der Entstörung und vielen anderen betrieblichen Vorgängen im Netzbetrieb verwaltet. Die georeferenzierte Lokalisierung der Daten und thematische Visualisierungen als Integration in bestehende ERP-Systeme vereinfachen das Arbeiten mit den Standard- und Routineaufgaben im Netzbetrieb erheblich. Die Bereitstellung von genauen und aktuellen unternehmerischen Daten für die Verteilung wird hier angekurbelt. Die Struktur und Detaillierung der Daten in beiden Systemen unterscheidet sich grundlegend: im GIS sind alle Betriebsmittel der Knoten und Kanten abgebildet und in einen topologischen Bezug zueinander gebracht. Hierarchische Betriebsmittelobjekte werden im GIS nur rudimentär abgebildet – ein GIS stellt dafür keine geeignete Umgebung zur Verfügung. In der ERP-Auftragsverwaltung sind die Aufträge und Meldungen zu Betriebsmitteln sowie die Verknüpfung zu den unterstützenden Systembereichen abgebildet. Die strukturelle Auflösung reicht nicht so tief, wie innerhalb des Geoinformationssystems, da die Kostenauflösung und die Auftragssteuerung nicht alle Betriebsmittel im Einzelnen benötigt. Der Netzbetrieb erbringt Dienstleistungen gegenüber den Netzkunden, wie die Massenprozesse Hausanschluss, Ab- und Anklemmung oder Zählerrevision. Ziel der betrieblichen Optimierung ist die effiziente Abwicklung dieser vom Kunden initiierten Vorgänge. Erst das tägliche Arbeiten mit den Daten schafft die Bedingung für transparentes betriebliches Geschehen und damit für richtige Daten. Um nachhaltig im Sinne der Anreizregulierung besser zu werden, ist die Integration der Systeme ein kleiner Schritt, der an den Strukturen und den Kosten nichts nachhaltig verbessern kann. Die Schnittstelle Mensch wird durch die Systemintegration abgelöst und damit wird ein Stück Datenkonsistenz erzeugt. Entscheidend sind die effiziente und effektive Abwicklung und Steuerung der zentralen betrieblichen Vorgänge im Netzbetrieb.

Vorteile

Die strukturierte Bearbeitung der Betriebsvorgänge mit konsistenten Daten und Systemen ergeben:

• eine beschleunigte Bearbeitung der betrieblichen Vorgänge

• Transparenz über den Betrieb

• Steigerung der Kundenorientierung gegenüber dem Markt

• Verringerung der am Vorgang gebundenen internen Ressourcen

• Kostensenkung in der Bearbeitung des Vorgangs

Erschienen in Ausgabe: 03/2008