Konstruktive Kritik und Wahlkampf-Stillstand

Editorial

Wie sind konventionelle Kraftwerke in neuester und damit effizienter und umweltgerechter Technologie finanzierbar?

04. März 2013

Der Umweltminister verkauft die Gesetzesvorlage als Bollwerk zur Sicherung der Deutschen vor den Gefahren des Fracking. Der Wirtschaftsminister sieht mit dem gleichen Papier, das in beiden Häusern gemeinsam entwickelt wurde, die Chancen für eine Schiefergas-Produktion in Deutschland gesichert. Wenn ein und dieselbe Vorlage so kontrovers interpretiert wird, wird es sich hierbei sehr wahrscheinlich um eine Wahlkampf-Nebelbombe handeln, die vor allem nach hinten losgehen kann. Unverhohlen sprechen daher Energiemanager vom Stillstand, der auch nach der Wahl im September weitergehen wird, »weil sich dann das neue Kabinett erst finden muss.«

Da tut es richtig gut, wenn man zwischen solchen Nebelbomben bisweilen auch fundierte Analysen, konstruktive Kritik und praktikable Ideen für den Energiemarkt von Morgen entdeckt. So beispielsweise in der aktuellen VDE-Strommarktanalyse, die folgende Eckpunkte postuliert: 1. Funktionierende Marktmechanismen entscheiden über Kostenentwicklung. 2. Kosteneffizienz erneuerbarer Energien hängt von optimaler Nutzung der Freiheitsgrade in Fördermodellen ab. 3. Konventionelle Kraftwerke bleiben mittelfristig elementar für Energiesystem. 4. Europaweit einheitliche Förder- und Marktmechanismen erforderlich

Konkreter bezüglich der Punkte 1. und 2. wird es in dem VDE-Positionspapier »Marktintegration erneuerbarer Energien«: Funktionierende Marktmechanismen können dazu beitragen, diese in das Energiesystem zu integrieren und auszubauen, sowie positive Signale für den mittelfristig noch in großem Umfang erforderlichen Einsatz konventioneller Kraftwerke und das Nutzen von Speichern zu geben. Der Schlüssel zu einem Fördermodell, das den EE-Ausbau sowie kosteneffiziente Technologien, Projekte und Vergütungsmodelle im Blick hat, liegt dabei nicht in der Entscheidung zwischen Quotenmodell und Festpreisvergütung. Vielmehr ist die optimale Nutzung der Freiheitsgrade im jeweiligen Verfahren entscheidend.

Wie aber steht es um die Chancen, die angesprochenen konventionellen Kraftwerke in neuester und damit sowohl effizienter, wie auch umweltgerechter Technologie zu bauen? Investoren finden sich im aktuellen Marktmodell nur schwer. Gewinner der Energiewende ist momentan das abgeschriebene Braunkohlekraftwerk. Welche Ideen Sie für gangbar und vielversprechend halten, dürfen Sie in der neuen e-Online-Umfrage gerne zu Protokoll geben. Sie haben dabei auch die Chance, eine Strategieberatung zu gewinnen (www.energiespektrum.de).

Erschienen in Ausgabe: 02/2013