Korn für Korn zum Erfolg

Landwirt Loick produziert Ökoprodukte CO2-neutral

Mit Tüftlergeist und Zähigkeit baute Hubert Loick eine Fertigung auf, die ihresgleichen sucht: Der Landwirt produziert umweltverträgliche Spielzeuge und Füllmaterialien aus Mais - und die Energie dazu liefert die Natur.

11. Februar 2003

„Der Erdnussflip in meinem Aschenbecher wurde mit der Zeit immer elastischer. Es musste also möglich sein, stoßdämpfendes Verpackungsmaterial aus natürlichen Rohstoffen herzustellen“, erinnert sich Hubert Loick. Gesagt, getan. Landwirt Loick gründete 1994 die Hubert Loick Verarbeitungsgesellschaft Nachwachsende Rohstoffe (VNR) mbH in Dorsten. Sein neues Geschäft: Verpackungsmaterialen aus Maisgrieß zu entwickeln.

Die zylinderförmigen Chips - so elastisch wie der gealterte Erdnussflip - dienen als Füll- und Polstermaterial, zum Beispiel für Zerbrechliches oder Elektronikartikel. Der Endverbraucher entsorgt sie über die Biotonne oder wirft sie auf den Kompost. Sollten sie dennoch in den Restmüll gelangen, wäre das auch nicht tragisch, denn bei der Verbrennung der Chips entsteht nicht mehr CO2, als der Rohstoff Mais beim Wachsen aufgenommen hat.

Die Idee ist nicht neu. Schon lange waren findige Köpfe auf der Suche nach umweltverträglichen Alternativen zu den üblichen Chips aus expandiertem Polystyrol (EPS). Aber die bisher entstandenen Produkte aus Kartoffel-, Mais- und Weizenstärke benötigen für ihre Herstellung viel Wasser und Energie. Obendrein sind sie teurer als EPS-Chips und können empfindliche Güter nicht annähernd so gut polstern wie das synthetische Pendant. Dagegen bieten die Chips mit dem Markennamen Farmfill mit rund 26 €/m³ frei Haus eine echte Alternative.

Der leidenschaftliche Tüftler Loick hat eine Maschine entwickelt, welche die aufwändige Stärkegewinnung umgeht. Grundlage für die Chips ist Pflanzenöl, zu Maisgrieß zermahlener Mais, der lediglich mit Grundstoffen aus der Kaugummiindustrie und Wasser aufgeschäumt wird. Für diese umweltverträgliche Technologie wurde Loick 1996 vom Energieversorger VEW mit dem eta-Preis ausgezeichnet.

Der Rohstoff für die Polsterchips, ein besonders stärkehaltiger Körnermais, wächst auf seinem eigenen Hof. „Mais ist völlig anspruchslos“, erklärt Landwirt Loick. Mittlerweile vertreibt das Unternehmen eine reichhaltige Palette an Produkten wie Polsterbeutel, Kleiderschutzhüllen, Menüschalen, Getränkebecher und Bestecke - alles aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Produkte sind grundsätzlich mit einem Hinweis auf die Kompostierbarkeit versehen. „Dieser Beipackzettel ist ein hervorragendes Marketinginstrument für unsere Kunden. Sie verkaufen nicht zuletzt das gute Gewissen“, sagt Loick gegenüber Medienvertretern anlässlich einer Journalistenreise, die durch die Landesinitiative Zukunftsenergien NRW organisiert wurde. Große Namen wie Manufactum und Siemens hat der Landwirt von seinen Produkten schon lange überzeugt. Nun hat er im Visier, McDonald& pos;s für sein Fast-Food-Geschirr zu gewinnen.

Die Kinderwelt hat Loick schon überzeugt: Bei den Kleinen ist seine neueste Kreation „Playmais“, ein buntes Bastelspielzeug, der Renner. Die pflanzlich eingefärbten Elemente lassen sich durch Anfeuchten zusammenkleben - Klebstoff ist nicht notwendig. Die Kunden von morgen gestalten und spielen mit natürlichen Materialien. Loick: „Ich bin eben ein Kämpfer gegen die Plastikgesellschaft!“

Zu Loicks Philosophie gehört es, seine Produkte umweltfreundlich herzustellen. Aus diesem Grund wurde mit Forschern des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht, Oberhausen, eine Biogasanlage speziell für Loicks Hof entwickelt. „Damit haben wir den ökologischen Kreislauf auf unserem Gelände geschlossen.“ Die Biomasse in Form von Schweinemist, Grasschnitt und hauptsächlich Maisstroh kommt vom eigenen Hof. Zusätzlich liefern die Bauern der Umgebung für 40 €/t Gülle und pflanzliches Material an.

In einem unterirdischen Annahmebehälter wird unter Zugabe von Wasser die richtige Konsistenz für die folgende Vergärung hergestellt. Über einen Vorlagebehälter, der Vorräte für eine Woche fasst, gelangt die Masse in die Hygienisierung. Dort verweilt sie eine Stunde bei 70 °C, um danach im 1.000 m³ großen Fermenter zirka 25 Tage bei 40 °C zu vergären. Üblen Gerüchen beugt ein desodorierender Filter vor.

Das verbleibende Gärprodukt kommt als Dünger wieder aufs Feld und kann von den Bauern kostenlos abgeholt werden. Verkaufen lässt sich der Naturdünger nicht, noch misstrauen die Bauern der „Edelgülle“: „Da fehlt die Akzeptanz.“ Aber die kann ja noch kommen, genau wie bei McDonald& pos;s.

Das bei der Vergärung entstehende Biogas wird entschwefelt und im Blockheizkraftwerk (BHKW) der Pro2 Anlagentechnik GmbH aus Willich in Strom und Wärme verwandelt. Der Motor des BHKW ist ein Deutz TBG 616 V Magermotor mit Verdichter und Notfackelanlage. Er treibt einen Generator an, dessen Strom ins Netz der RWE eingespeist und nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet wird. Mit der Abwärme des Blockheizkraftwerks werden die Produktion sowie Haus und Hof versorgt. Im Sommer wandelt eine Absorptionskälteanlage die Wärme in Kälte, um die Produktionsmaschinen zu temperieren. Und auch die Schweine freuen sich über die Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung: Ihnen verschafft die Kälte der Absorptionsmaschine im Sommer eine kleine Abkühlung.

Erschienen in Ausgabe: 09/2002