Kraft hoch zwei

Es war nach Firmenangaben das größte Einzelinvestitionsprojekt in der mehr als 140-jährigen Historie von Rheinenergie: Rund 350 Mio. € hat das Gas-und-Dampfturbinen-Heizkraftwerk Niehl 3 gekostet. In die Geschichte der Branche geht es aber aus einem anderen Grund ein: Es ist voraussichtlich eines der letzten seiner Art. Während der mehrjährigen Bauzeit der Anlage änderten sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend.

06. September 2016

 

„Und mit seiner Stromproduktion sowie einem doppelten Netzanschluss stützt es die Energiewende überregional – während es gleichzeitig die Versorgungssicherheit regional erhöht“, so der Versorger in einer Mitteilung.

 

Seit ein paar Tagen läuft der offizielle Betrieb. NRW-Landeschefin Hannelore Kraft kam eigens aus Düsseldorf nach Köln und drückte den Startknopf.

 

Schwieriger Markt 

 

In nur zweieinhalb Jahren wurde die Anlage gebaut. Aber die Planungen liegen schon länger zurück und in der Zwischenzeit ist die Stromerzeugung in Großkraftwerken mehr und mehr unter Preisdruck geraten.

 

Der Börsenstrompreis liegt inzwischen bei weniger als 30 € pro MWh. Viele Anlagen sind bereits aus dem Markt genommen worden.

 

Backup der Energiewende

 

„Niehl 3 ist ein Meilenstein für die Energiewende“, so Dieter Steinkamp, Vorstandsvorsitzender der Rheinenergie in einer Mitteilung. „Unsere hoch flexible Anlage sichert mit ihrem Strom die Volatilität von Wind- und Sonnenergie ab.“

 

Um mithalten zu können, muss die Technik mehr können als früher.

 

Stand der Technik

 

Bereits mit 20 % der Nennleistung lässt sich Niehl 3 im Dauerbetrieb fahren, für eine Leistungssteigerung oder -senkung von 300 MW braucht sie zehn Minuten, so Rheinenergie.

 

„Aus einem Stand-by heraus lässt sich Niehl 3 in 15 Minuten auf Vollleistung bringen – ideal für das Zusammenspiel mit Erzeugung aus Wind oder Sonne“, so der Versorger.

 

Neben einer doppelten Leitung in das regionale 110.000-Volt-Netz ist der Standort Niehl auch an das 380.000-Volt-Höchstspannungsnetz angebunden. Ein spezieller Trafo macht dies möglich.

 

Technische Eckdaten

 

Elektrische Leistung netto: 450 MW

Wirkungsgrad elektrisch: >60 Prozent

Fernwärmeleistung maximal: 265 MW

Maximale Brennstoffnutzung: 88 Prozent

Lastbereich Dauerbetrieb: 20 bis 100 Prozent

Laständerung im Betrieb: 30 Megawatt pro Minute

 

Startzeit Stillstand bis Volllast: 1 Stunde

Startzeit aus Stand-by bis Volllast: 15 Minuten

Investitionskosten: 350 Millionen Euro

Bauzeit: 2,5 Jahre

 

Projektlaufzeit insgesamt: (inkl. behördlichem Genehmigungsverfahren): 7 Jahre

Beginn kommerzieller Betrieb: 30. April 2016

Ersparte Kohlendioxid-Emissionen: 500.000 bis 1.000.000 Tonnen pro Jahr

Generalunternehmer: General Electric

(Alle Angaben: Rheinenergie)