Kriterien für Geldfluss

Spezial Solarenergie

Markt - Mehr denn je müssen Solar-Unternehmen beweisen, dass sie in der Lage sind wirtschaftlich solide Projekte auf die Beine zu stellen. Denn nur wer seine Gestehungskosten unter Kontrolle hat und bankable ist, wird die Konsolidierungswelle überstehen und auch in Zukunft vom Geschäft mit der Sonne profitieren.

28. Mai 2013

Der deutsche Photovoltaikmarkt ist im vergangenen Jahr zweifelsohne unter Druck geraten: Die sinkende Nachfrage auf Grund einer verschärften Degression der Vergütungssätze durch die Bundesregierung stieß die Branche in einen harten Verdrängungswettbewerb.

Denn seit der rapiden Absenkung der PV-Vergütung durch zahlreiche EEG-Novellen der Bundesregierung in den letzten Jahren haben Investoren und Projektierer zunehmend zu kämpfen. Jüngst wurde die Verunsicherung am Markt und seiner Akteure durch die Idee der Strompreisbremse des aktuellen Bundesumweltministers Peter Altmaier noch verstärkt – auch wenn diese nun wieder vom Tisch ist.

Angesichts dieser herausfordernden Rahmenbedingungen ist in diesem Jahr nicht damit zu rechnen, dass der Zubaurekord an Photovoltaik aus 2012 von insgesamt 7,6GW übertroffen wird. Dass die Branche trotz der verschärften Rahmenbedingungen auf Wachstum setzt, zeigt eine wichtige Zahl: Laut Bundesverband für Solarwirtschaft besteht die Möglichkeit, bis zum Jahr 2020 den Anteil des Photovoltaik-Stroms am deutschen Energiemix auf 10% zu verdoppeln.

Trotz dieser optimistisch stimmenden Aussichten sind sich die Experten im Hinblick auf die Sinnhaftigkeit der momentan rapiden Absenkung der Einspeisevergütung nicht einig. Und so stellt sich angesichts des neuen Marktumfeldes die Frage, ob Deutschland seine Stellung als Leitmarkt für Photovoltaik verliert, oder ob die Branche ihre eigenen Erwartungen erfüllen kann und tatsächlich in der Lage ist, aus eigener Kraft zu wachsen.

Die Chancen für ein solches Wachstum stehen gut, denn die Preise für Solartechnik sinken stetig. Mittlerweile liegt beispielsweise der Systempreis für schlüsselfertige Dachanlagen mit bis zu 10kW Nennleistung in Deutschland bei rund 1.684€ je kWp – inklusive Installation, ohne Umsatzsteuer. Gleichzeitig steigen bei den großen Energieversorgern die Preise für privaten Haushaltsstrom, sodass Solarstrom im deutschen Privathaushalt Netzparität erreichen und folglich mit Strom aus herkömmlichen Quellen konkurrieren kann.

Dementsprechend rückt nun der Eigenverbrauch von Solarstrom mehr in den Fokus. Ein Trend, den vor allem Installateure wie Dobic Milivoj, Geschäftsführer rmsolar, unterstützen: »Angesichts der steigenden Strompreise entscheiden sich immer mehr Hausbesitzer für eine PV-Dachanlage. Ich gehe davon aus, dass sich die Nachfrage noch erhöhen wird, speziell sobald wir in der Lage sind, Stromspeicher für den Privatgebrauch kostengünstig anzubieten.«

Stromvermarktung als Strategie

Auch Großanlagen sind nach wie vor gefragt, wie Anja Spannaus, Projektmanagerin beim Beratungshaus recap investors bestätigt: »Als Berater von institutionellen Investoren wissen wir, dass diese an gewisse Renditeerwartungen gebunden sind – und die haben sich über die Zeit nicht geändert. Momentan lassen sich auf dem Markt durchaus noch passende Projekte finden, die diesen Anforderungen entsprechen.«

Ob das auch nach den anstehenden Kürzungsrunden der Fall ist, werde sich zeigen. »Ich kann mir gut vorstellen, dass einerseits ein erfolgreicher Handel von Solarparks auf dem Zweitmarkt einsetzt. Andererseits bestehen bei vielen Projektierern Pläne sich von den Vergütungssätzen des EEG frei zu machen, um neue Stromvermarktungsstrategien umzusetzen.«

Finanzierbarkeit als Kriterium

Seit der Finanzkrise 2008/2009 sind Banken bei der Kreditvergabe allerdings anspruchsvoller denn je. Damit Sicherheit und Rendite gewährleistet sind, müssen Fremdkapitalnehmer nachweisen, dass Investitions- und Betriebskosten finanzierbar sind und Erlöse stimmen.

Ertragsprognosen alleine reichen Investoren dabei nicht aus. Deswegen ist im institutionellen Umfeld die ›Bankabilty‹ oder Bankenfinanzierbarkeit von Projekten das zentrale Kriterium. Hier wird darüber entschieden, ob ein Unternehmen für sein Projekt das ausreichende Fremdkapital erhält. Dazu überprüfen Banken die Wirtschaftlichkeit und den Cash-Flow bei gegebener Eigenkapitalquote.

Anhand von Wirtschaftlichkeitsberechnungen werden die Erträge und Kosten analysiert. Insbesondere die diskontierten Beschaffungs- und Installationskosten sowie die laufenden Betriebskosten werden dabei genau unter die Lupe genommen, die sich aus Verwaltungsaufwand und Betriebsführung genauso wie aus Kapitalkosten, Zinsen und Tilgung zusammensetzen.

Folglich ist die Bankability ein Maßstab für die Attraktivität, Finanzierbarkeit, Preisstellung und Zukunftserwartung an Photovoltaikprojekte, die Projektierer wie Komponentenhersteller betrifft. Weil Bankability eng mit dem Begriff des Qualitätsmanagements in Verbindung steht und Qualität als ein Differenzierungskriterium gilt, ist Bankability von allen betroffenen Parteien – speziell auf Herstellerseite – aktiv zu managen.

»Solaranlagen verfügen mit mehr als 25 Jahren über eine sehr lange Laufzeit. Deswegen sind die Qualität der genutzten Komponenten sowie die nachhaltige Bonität der Hersteller entscheidende Faktoren bei der Projektbewertung«, erklärt Carsten Schmitz, Regionalleiter der GLS Bank München. »Eine Zertifizierung bei Banken ist für Hersteller keine Selbstverständlichkeit und die Anforderungen nehmen im Rahmen der aktuellen Marktkonsolidierung eher weiter zu.«

Evaluation und Zertifizierung

Das gilt insbesondere für Unternehmen, die neu in den hiesigen und europäischen Markt eintreten wollen, wie das Beispiel des internationalen Modulhersteller Talesun Solar zeigt. Die chinesische Zhongli SCI-Tech Group gründete das Unternehmen 2010 mit einer Anfangsinvestition von 850Mio.US-$. Es verfügt eigenen Angaben zufolge mit seiner vollautomatischen Fertigungslinie – die aus Komponenten meist deutscher Hersteller wie Centrotherm, Rena und Gebrüder Schmid besteht – über eine der modernsten Photovoltaik-Produktionsstätten in Asien.

Innerhalb von zwei Jahren gelang es dem Solarunternehmen, sich für sämtliche ISO-Standards zu qualifizieren. Es ist der erste chinesische Solarmodulhersteller, der das VDE-Konformitätszeichen für Sicherheit und Qualität trägt. Das Zertifikat prämiert insbesondere die hohe Zuverlässigkeit, optimierte Funktionssicherheit und geringe Degradation der Module sowie das kontinuierliche Monitoring bei der Fertigung.

Auch der TÜV Rheinland überprüfte die Modulreihe des Herstellers mittels Korrosionstests für Salznebel und Ammoniak und bestätigt höchste Güte. Diese Zertifikate und Standards sind eine der entscheidenden Grundlagen für eine positive Bewertung durch die projektfinanzierende Bank.

Der hohe Automatisierungsgrad, langjähriges Fachwissen des Managements, die regelmäßigen Fabrikaudits und Modulzertifizierungen durch mehrere Institute sowie die lineare Leistungsgarantie wirken sich positiv auf die Bankability des Unternehmens aus. Zu diesem Schluss kam auch die Allianz Climate Solutions (ACS), das Kompetenzzentrum der Allianz Gruppe rund um den Klimaschutz mit Fokus auf erneuerbare Energien.

Im Rahmen von umfangreichen Sichtungen evaluierte ACS die Produktionsanlagen und die technische Dokumentation der Fertigungsstätte in Changshu sowie eine deutsche Referenzanlage. »Wir wollen unseren Kunden allerbesten Service und Sicherheit bieten. Deswegen arbeiten wir eng mit bekannten Banken sowie Versicherern und Rückversicherern zusammen«, erklärt Arthur Chien, Vice President und Geschäftsführer Talesun Solar Germany.

Stabilen Rahmen gegeben

»Unsere Bemühungen helfen dabei, die Finanzierung von Projekten nicht nur auf der Ertragsseite, sondern auch im Prüfprozess der Banken zu unterstützen. Im Schadensfall ist sichergestellt, dass unsere Versicherungen einspringen – dafür steht unter anderem unsere 25-jährige lineare Leistungsgarantie. Das gibt Investitionen den notwendigen stabilen Rahmen, ohne sie durch zusätzliche Kosten zu belasten.«

Das Unternehmen ist mittlerweile am deutschen und europäischen Markt angekommen. Weltweit erzielte die Gruppe im Fiskaljahr 2012 einen Reingewinn von 25,4Mio.€. »Als Markt-Follower profitieren wir von unserer modernen Produktion. Zudem sind wir ein stabiles, privatwirtschaftliches Unternehmen, das nicht den Zwängen des Kapitalmarkts ausgesetzt ist. Das ist eine gute Basis für solides Wirtschaften und Wachstum«, so Chien.

Effizienzsteigerung und Solidität ist auch vom deutschen Photovoltaikmarkt gefordert, um in Zukunft als weltweiter Leitmarkt zu bestehen. Um die Kürzungen des EEG aufzufangen, müssen künftig unter anderem die Gestehungskosten weiter sinken und Innovationen vorangetrieben werden.

Neben der Kostenminimierung sind Investitionen in Forschung und Entwicklung wichtig, denn die technischen Verbesserungsmöglichkeiten sind noch nicht ausgereizt. Dabei schlagen sich steigende Wirkungsgrade ganz direkt auf die Rentabilität nieder. Für die Projekt-Bankability und die Photovoltaik-Branche kann dies langfristig von Vorteil sein.

Hintergrund

Kriterien für die Bankability von Projekten

Die das Projekt finanzierende Bank nimmt eine Bewertung vor und evaluiert die Erfolgschancen des Projektes – ist das Ergebnis positiv, ist das Projekt »bankable«. Finanzinstitute setzen unter anderem auf die Kriterien Eigenkapitalquote, Cash-Flow, Erfahrung des Managements sowie Wirtschaftlichkeit über die Gesamtdauer des Projektes.

Diese fallen unter die kaufmännischen Rahmenbedingungen. Kriterien, die unter technische Rahmenbedingungen fallen, sind unter anderem Auswahl von Qualitätskomponenten, positive Bonität der Hersteller, umfangreiche Zertifizierung der Komponenten sowie Einhaltung internationaler Standards bei Fertigung und Betrieb.

Erschienen in Ausgabe: 05/2013