Kurze Wege der Entscheidung

REGULIERUNG Nach Abschluss eines Restrukturierungsprojektes erfüllt die Nürnberger N-Ergie zum 1. Juli die Unbundling-Vorschriften und reduziert zudem ihre Kosten.

30. April 2007

Seit Anfang 2006 führt der Nürnberger Versorger N-Ergie ein breit angelegtes Strategie- und Restrukturierungsprojekt durch, um die Ablauf- und Aufbauorganisation an die fachlichen und gesetzlichen Anforderungen des Energiemarktes anzupassen. Das Energiewirtschaftsgesetz verpflichtet alle Energieversorger mit mehr als 100.000 Kunden bis spätestens 1. Juli 2007 ihr Vertriebs- und Netzgeschäft unternehmensrechtlich zu trennen.

Im Rahmen der Umstrukturierung stand die Kosteneffizienz im Fokus des Unternehmens. N-Ergie-Vorstandsmitglied Dirk Fieml: »Wir wollen trotz der nationalen und internationalen Regulierungsauflagen, die einen organisatorischen Mehraufwand mit sich bringen, kurze Entscheidungswege schaffen. Nur so können wir effiziente Abläufe kreieren und kostengünstig wirtschaften. Das Unbundling-Projekt ist für uns nicht nur ein Teil der neuen prozessorientierten Unternehmensstrategie, sondern ein Meilenstein auf dem Weg in die Zukunft.«

Ein Teil des Strategie- und Restrukturierungsprojekts ist die Gründung einer Netzservicegesellschaft. Darin werden die prozessorientierten Aufgabenbereiche Netzführung, Netzbetrieb, Bautätigkeiten, Instandhaltung, Zählermontage und Pflege der Planbestandsdaten zusammengefasst. »Unser Ziel ist, Synergien zu nutzen und die Kostensituation zu verbessern «, betont Fieml.

Hier kam der Prozessspezialist IDS Scheer ins Spiel: Der Versorger hat das Software und Beratungshaus damit beauftragt, die neue Organisationsstruktur zu verfeinern und mit der unterstützenden IT in Einklang zu bringen.

IT FOLGT DEN AUFGABEN

»Dabei galt das Prinzip, dass die IT den fachlichen Anforderungen und die Organisation dem Prozess folgen müssen «, erklärt Matthias Deeg, Projektleiter von IDS Scheer. Die Schaffung einer integrierten Organisation bedeutet eine genaue Analyse der bestehenden Strukturen und Abläufe des gesamten Netzbereichs, von der strategischen und operativen Netzsteuerung bis zum Netzservice - inklusive der Kostensituation. »Wir haben die meisten bestehenden Netzservice-Produkte auf ihre Wirtschaftlichkeit gegenüber Marktpreisen bewertet «, berichtet Deeg. Im zweiten Schritt galt es, die neuen gemeinsamen Geschäftsprozesse detailliert auszuarbeiten. Gleich mit auf dem Prüfstand kamen die Ist-Prozesse:

Bei der Gestaltung der Organisation standen die folgenden vier Fragestellungen im Vordergrund:

• Wie lassen sich die Overheadkosten reduzieren?

• Welche Kennzahlen beeinflussen die Dimensionierung der Organisation (Entwicklung der Aufwandstreiber)?

• Welche Prozesskostenpotenziale lassen sich kurzfristig bzw. mittelfristig umsetzen?

• Wie kann durch ein flexibles In- und Outsourcing eine optimale Auslastung der wertschöpfenden Einheiten erreicht werden?

Die N-Ergie hat neu definiert, welche Prozesse von wem betreut werden. Deeg: »Dabei kam es vor, dass im eigenen Unternehmensverbund wirtschaftlichere Produkte zu finden waren als außerhalb«. Manche zuvor extern erledigten Aufgaben werden nun von eignen Monteuren durchgeführt. Andererseits wurden Prozesse identifiziert, die gezielt durch Fremddienstleister wahrgenommen werden. »Die Prämisse lautet stets, keine unternehmenseigenen Ressourcen ungenutzt zu lassen «, betont N-Ergie-Vorstand Fieml. Die Auslastung der Service-Mitarbeiter werde damit gleichmäßiger.

Es zeigte sich, dass wesentliche Kostenpotenziale in der Bündelung von Montagetätigkeiten liegen. Die N-Ergie mischt seit der Reorganisation planbare Montagetätigkeiten wie Inspektion und Wartung mit auftrags- und terminspezifischen Aufgaben. Zudem lassen sich Wegezeiten durch die Aufteilung von spartenspezifischen und spartenübergreifenden Aufgaben reduzieren.

Die Nürnberger haben das gesetzte Ziel erreicht und die gesamten Netzservicedienstleistungen auf ihre Wirtschaftlichkeit bewertet sowie die internen Geschäftsprozesse neu ausgerichtet. »Diese Verknüpfung erlaubt es uns, Kosteneinsparpotenziale auszuschöpfen und gleich zeitig durch Insourcing die Auslastung des Personals zu verbessern«, stellt Fieml fest. Diesen Vorteil, gebe man an die Kunden weiter, so das Vorstandsmitglied weiter.

ÜberblickDas Unternehmen N-Ergie

Das Unternehmen zählt zu den zehn größten Stromversorgern Deutschlands. Mit 2.800 Mitarbeitern erzielte man im Geschäftsjahr 2005 rund 1,4 Mrd. €. Rund 30 % des Stromabsatzes generiert man über den bundesweiten Vertrieb. Außerhalb des Netzgebietes werden Industrie und Firmenkunden mit einem Gesamtvolumen von 2 TWh Strom beliefert. Im Netzgebiet beträgt der Stromabsatz für diesen Kundenkreis noch einmal gut 2 TWh.

Erschienen in Ausgabe: 03/2007