Ladesäulen im Check

Eine gute Lade-Infrastruktur ist wichtig für den weiteren Ausbau der Elektromobilität. Der Zugang und das Handling zu diesen Säulen ist für Besitzer von E-Autos noch kompliziert und teuer. Das ist ein Ergebnis des zweiten Ladesäulen-Checks von Lichtblick. Der BDEW hat nun ein Ladesäulenregister an den Start gebracht und Zahlen veröffentlicht.

27. Juli 2018

Im Register sind aktuell rund 13.500 öffentliche und teilöffentliche Ladepunkte an rund 6.700 Ladesäulen für Deutschland erfasst – davon 13 Prozent Schnelllader, wie der Verband weiter mitteilt.

In die Erfassung eingeflossen sind Meldungen der Energieunternehmen und weiterer Marktakteure wie Parkhaus- und Parkplatzbetreiber, Supermärkte und Hotels.

Plus von 25 Prozent

Ende Juni 2017 waren es rund 10.700 Ladepunkte. Das ist ein Zuwachs von über 25 Prozent innerhalb eines Jahres, so der Verband. Eine detaillierte Auswertung der Zahlen für die Bundesländer und Städte werde in Kürze folgen.

Mit der Plattform www.ladesaeulenregister.de bieten BDEW und das Unternehmen Energie Codes und Services ein Serviceangebot rund um Fragen der Infrastruktur für Elektromobilität: Es dient der tagesaktuellen Erfassung der in Deutschland vorhandenen öffentlichen und teilöffentlichen Ladepunkte, heißt es weiter.

Fahrer von E-Autos finden auf der interaktiven Deutschlandkarte die Ladepunkte in ihrem Umkreis mit relevanten Informationen für den Ladevorgang. Für Ladesäulenbetreiber stehen auf der Plattform zentrale Informationen zum technischen Aufbau, der Fördermittelvergabe und Meldepflichten bereit.

Vorleistung der Energieversorger

„Die Energiewirtschaft drückt beim Ladesäulen-Ausbau weiter aufs Tempo: Über drei Viertel der Ladepunkte werden von Energieunternehmen betrieben. Und das, obwohl es angesichts der geringen Anzahl an E-Autos noch keineswegs rentabel ist. Das ist eine Investition in die Zukunft, damit die Energiewende auch im Verkehrssektor gelingt“, so Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

„Wenn die Elektromobilität in Deutschland in den nächsten Jahren den Durchbruch schaffen soll, muss die Automobilindustrie endlich Modelle auf den Markt bringen, die in Preis und Leistung mit Verbrennern konkurrieren können. Wie wir sehen, bleibt selbst die Kaufprämie zwecklos, wenn das Produkt nicht attraktiv und bezahlbar ist.“

Da die Große Koalition das Ziel auf 100.000 Ladepunkte bis 2020 erhöht hat, fordert der Verband eine Umschichtung der Fördermittel: „Sollten weiterhin die Mittel für die Fahrzeuge so langsam abfließen, sollte über eine Umverteilung nachgedacht werden. Zudem sollte die Regierung mehr Tempo machen, wenn es darum geht, die Installation von Ladeinfrastruktur im privaten Bereich zu erleichtern: Durch Fördermittel und Anpassungen im Wohneigentumsrecht. Immerhin finden hier rund 80 Prozent der Ladevorgänge statt“, so Kapferer.

Elf Ladesäulen-Betreiber untersucht

Außerdem hat Lichtblick seinen Ladesäulen-Check vorgestellt, der in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Statista erstellt wurde. Laut Mitteilung des Unternehmens ist ein Ergebnis des Ladesäulen-Checks, dass verwirrende Tarifstrukturen, unterschiedliche Zugangsvorrausetzungen sowie eine Vielfalt von Abrechnungsmethoden den Alltag der Kunden verkomplizieren. In vielen Gegenden haben sie darüber hinaus nur einen Anbieter zur Verfügung.

Sieben der 11 untersuchten Ladesäulen-Betreiber liegen demnach teils deutlich über dem durchschnittlichen Kilowattstundenpreis von Haushaltsstrom (29,4 Cent): Umgerechnet auf Kosten pro Kilowattstunde verlangt EnBW 54,5 Cent, die Stadtwerke München 46,7 Cent und Allego in Berlin 44,3 Cent.

Der Tarif von Stromnetz Hamburg/Hamburg Energie (29,5 Cent) sei mit dem Haushaltsstrompreis vergleichbar, günstig ist das Laden bei Mainova mit 13,3 Cent, teilt das Unternehmen mit. Kostenlos bleibe es weiterhin bei den Stadtwerken Leipzig sowie Rheinenergie.

Deutschlands größter E-Ladesäulen-Betreiber Innogy verlange an kombinierten AC/DC-Ladestationen pauschal 7,95 Euro pro Ladevorgang, an reinen AC-Ladesäulen 39 Cent pro Kilowattstunde. EnBW rechnet zeitbasiert ab, hier kostet eine Stunde Laden für einen BMW i3 zum Beispiel 6 Euro. Stromnetz Hamburg/Hamburg Energie rechnet ausschließlich pro Kilowattstunde ab.

Zugang unterschiedlich

Hinzu kämen unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen, heißt es in der Mitteilung des Ökostromanbieters weiter: An einem Ladepunkt muss sich der Nutzer per SMS anmelden, an einem anderen geht es nur per App, Ladekarte oder mit Vorabregistrierung auf der Internetseite.

Roaming-Anbieter

Erstmals sind beim Ladesäulen-Check auch die Roaming-Anbieter mit ihren Tarifen betrachtet worden. Plugsurfing oder The New Motion würden eine Erleichterung beim flächendeckenden Zugang für Besitzer von E-Autos bieten – nur nicht beim Preis für Tankstrom. Denn bei den Abrechnungen sind die Unternehmen an die Kosten der jeweiligen Betreiber gebunden.

Bezieht ein Kunde mit einem BMW i3 den Strom direkt über EWE, kostet die Kilowattstunde laut dem Ladesäulen-Check umgerechnet 39,9 Cent, über Plugsurfing sind es 53,5 Cent. Der Kunde zahlt also mehr. Günstiger wird es für Berliner: An den Ladesäulen von Allego lädt das E-Auto für 44,3 Cent/kWh, mit Plugsurfing sind es 40 Cent.

Lücking: Flickenteppich

„Die Ladeinfrastruktur ist ein chaotischer Flickenteppich. Regionale Monopolisten diktieren Preise und schaffen ein babylonisches Wirrwarr an Karten, Apps und Bezahlsystemen. Der Dumme ist am Ende der Kunde. Wir wollen und brauchen in Deutschland eine zügige Verkehrswende. Aber so kann sie nicht gelingen“, sagt Gero Lücking, Geschäftsführer von Lichtblick.

„Kunden sollten ihren Haushaltsstrom-Tarif an jeder Ladesäule tanken können. Dazu müssen die Ladesäulen den Netzen zugeschlagen werden“, so Lücking.

„Der Wettbewerb ist nur direkt an der Ladesäule möglich, der Fahrer wählt seinen Fahrstrom-Lieferanten so frei wie er heute auch seinen Haushaltsstrom-Lieferanten wählt. So kann jeder E-Autobesitzer den Stromtarif seines Wunschversorgers mit einer Ladekarte an jeder öffentlichen Ladesäule tanken.“